Wie entsteht ein Fertighaus? 5 Schritte bis zum Einzug

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In der Vergangenheit haben wir uns beim BauMentor nicht nur mit den verschiedenen Holzbauweisen und Haustypen beschäftigt, sondern euch jede Menge Infos rund ums Fertighaus mit auf den Weg gegeben. Wie ein Fertighaus Schritt für Schritt entsteht, haben wir euch bisher jedoch vorenthalten, was wir mit diesem Beitrag ändern möchten. 

Ihr fragt euch vielleicht, wie genau der Ablauf bei der Entstehung eines Fertighauses ist und welche Arbeitsschritte erfolgen müssen bis ihr als potenzielle Eigenheimbesitzer in euer neues Zuhause einziehen könnt. Genau deshalb gehen wir die folgenden fünf Schritte im Detail durch:

  1. Die Vorfertigung der Wände im Werk
  2. Sonstige Tätigkeiten und Vorbereitungen in der Produktionshalle
  3. Der Weg des Hauses von der Produktion auf die Baustelle
  4. Der Hausaufbau – die Montage des Fertighauses
  5. Arbeiten nach dem Errichten der Wände und des Dachs

Schritt 1: Die Vorfertigung der Wände im Werk

Nachdem ihr den Kaufvertrag unterschrieben habt und mit den Planungsentwürfen vom Architekten voll und ganz zufrieden seid, wird es ernst. Denn nun werden die Pläne von den einzelnen Ämtern geprüft und letztendlich auch genehmigt.

Wurde im Anschluss auch die Baugenehmigung erteilt, so landen eure Pläne im nächsten Schritt auf dem Tisch des Bauzeichners. Der Bauzeichner erstellt daraufhin Montagepläne, in denen alle erforderlichen Maße angegeben sind. Die Statik und die Elektroinstallationen spielen hier ebenfalls eine große Bedeutung. Sobald euer Haus präzise am Computer geplant und von euch freigegeben wurde, kann es auch schon mit den Vorbereitungen im Werk losgehen.

Heutzutage werden die Häuser mit einer professionellen CAD-Software entworfen. Der Vorteil ist, dass die Elemente direkt in einem computergesteuerten Fertigungsprozess erstellt werden können. Die Balken und Platten werden durch die sogenannten CNC-Maschinen millimetergenau und präzise zugesägt, gebohrt und gefräst und danach zu qualitativ hochwertigen Wänden verbunden.
Diese effiziente und nachhaltige Technik und Arbeitsweise ermöglicht es, das Baumaterial optimal zu nutzen, sodass kaum Restmaterial übrig bleibt.

Sowohl die Innenwände als auch die Außenwände werden bereits im Werk vorgefertigt. Auf der Baustelle können diese dann direkt und unkompliziert miteinander verbunden werden. Hier wird nach einem festen System gearbeitet, sodass die Anfälligkeit für Fehler sehr gering ist. Ein großer Vorteil beim Fertigbau.

Die Außenwände haben die primäre Aufgabe, das Haus vor externen Einflüssen zu schützen. Deshalb wird in der Außenwand die sogenannte Dampfbremse eingearbeitet. In Kombination mit der Wärmedämmung sogt sie für die Regulierung der Feuchtigkeit im Haus und verhindert somit die Entstehung von Kondenswasser.

Schritt 2: Sonstige Tätigkeiten und Vorbereitungen in der Produktionshalle

In den Produktionshallen werden nicht nur die Wand- und Deckenelemente produziert, sondern auch viele weitere Vorkehrungen für einen reibungslosen und schnellen Bauablauf getroffen. So werden meist auch schon die Fenster und Terrassentüren eingesetzt sowie die Rollladen- beziehungsweise Raffstore-Kästen eingebaut.

Auch die Sanitärinstallationskästen beziehungsweise Spülkasten der WCs werden meist in der Produktionshalle vorgefertigt und an der jeweiligen Innenwand positioniert. So müssen auf der Baustelle nur noch die Sanitärobjekte selbst angeschlossen werden. Die Steckdosen und Schalter werden, dank präziser Maschinen, ebenfalls im Werk millimetergenau vorgebohrt. Dadurch kann unglaublich viel Zeit auf der Baustelle eingespart werden.

Es gibt zudem einige Fertighausanbieter, die schon im Werk einen ersten Fassadenanstrich auftragen, den sogenannten Armierungsputz. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Da euer Haus bereits ab dem ersten Tag der Montage allen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist, schützt der Armierungsputz die Fassade. So können Schäden am Holz und in der Dämmung vermieden werden. Sobald der Armierungsputz im Werk aufgetragen und vollständig getrocknet ist, werden die einzelnen Elemente auf die LKW-Auflieger verladen.

Schritt 3: Der Weg des Hauses von der Produktion auf die Baustelle

Die Module der Fertighäuser werden, wie schon erwähnt, mit dem LKW auf den Bauplatz transportiert. Je nachdem wie groß das Haus ist, werden meist zwei bis drei LKW-Auflieger benötigt, um alle Bauteile zur Baustelle transportieren zu können.

Als Basis für ein Fertighaus dient eine solide Bodenplatte oder ein Keller. Dank der Fertigbauweise kann auch ein komplettes Kellergeschoss schon innerhalb weniger Arbeitstage erstellt werden. Die Bauphase eines gemauerten Kellers nimmt dagegen etwas mehr Zeit in Anspruch.

Schritt 4: Der Hausaufbau – die Montage des Fertighauses

Aufgrund der hohen Maßgenauigkeit beim Fertigbau geht die Arbeit auf der Baustelle rasant voran.
Mit Hilfe eines Krans werden die Einzelteile an die richtige Stelle gehievt. Begonnen wird mit den Außenwänden, welche mit einer kraftschlüssigen Verbindung an der Bodenplatte beziehungsweise auf der Kellerdecke befestigt werden.

Nachdem alle Außenwände vom Erdgeschoss montiert wurden, werden nun der Reihe nach auch die Innenwände mit dem Kran zur jeweiligen Position gebracht. Die Innenwände sind meist mit sogenannten Konstruktionshölzern versehen, die das Verbinden der Elemente erleichtern.

Die Innenwände werden, wie auch die Außenwände, mit Winkeln am Fundament befestigt. Welche Winkel hierfür erforderlich sind, wird in der statischen Berechnung ermittelt. Hier spielt nämlich zum Beispiel auch eine eventuelle Erbebenzone eine große Rolle.

Nach und nach entsteht ganz systematisch das erste Geschoss. Sobald im Erdgeschoss alle Wände an Ort und Stelle stehen, werden zunächst die Deckenelemente vom Erdgeschoss verlegt und die Geschosstreppe eingebaut, bevor es anschließend mit dem nächsten Geschoss weiter geht.

Den krönenden Abschluss der Montage bildet das Dach. Zuerst wird der Dachstuhl aufgesetzt, anschließend werden die Dachmodule miteinander verbunden – und nun kann auch schon mit der Dacheindeckung begonnen werden.

Natürlich hat jedes Fertighausbau-Unternehmen seine eigene Konstruktions- und Montagetechnik. Deshalb können wir euch leider nicht bis ins kleinste Detail erklären, wie die Module bei eurem jeweiligen Baupartner konstruiert und montiert werden. Je nach Anbieter und Hausgröße ist das Fertighaus in der Regel in zwei bis vier Arbeitstagen komplett montiert, sodass das Richtfest gefeiert werden kann.

Schritt 5: Arbeiten nach dem Errichten der Wände und des Dachs

Die ersten Handwerker, die mit dem Innenausbau beginnen, sind die Elektriker und Heizungsbauer. Sobald deren Arbeiten abgeschlossen sind, wird geprüft, ob alle Funktionen nach den geltenden Vorschriften ausgeführt wurden.

Da nun alle Elektro-, Wasser- und Lüftungsleitungen verlegt wurden, kommen die Trockenbauer zum Einsatz. Es werden Gipskartonplatten an die Decken montiert und weitere Vorkehrungen im Innenausbau getroffen. Dazu gehören auch die Vorbereitungen bevor der Estrich eingelassen wird, wie etwa die Aussparungen für die Dusche.

Im Anschluss daran wird die Fußbodenheizung verlegt. Diese Arbeit nimmt etwa zwei bis drei Tage in Anspruch. Anschließend wird der Estrich eingefüllt, was auch, je nach Hausgröße etwa zwei bis drei Tage andauert. Meist wird in Verbindung mit einer Fußbodenheizung ein Calciumsulfat-Estrich verwendet. Dieser sogenannte CAF-Estrich hat in Verbindung mit einer Fußbodenheizung nämlich die besten Speicher- und Wärmeleitungseigenschaften und eine exaktere Ebenheit als andere handelsübliche Estricharten.

Nach einer initialen Trocknungsphase beginnt nach etwa sieben bis zehn Tagen die Funktionsheizphase. In dieser Zeit ist euer Haus mit einem Gewächshaus vergleichbar. Es herrscht ein subtropisches Klima auf eurer Baustelle.

Und so sieht das Ganze in der Praxis aus: Begonnen wird mit einer sogenannten Vorlauftemperatur von 25 Grad. Tag für Tag wird die Temperatur um fünf Grad gesteigert. So lange bis eine Temperatur von 55 Grad erreicht wird. Diese Temperatur muss nun für fünf Tage konstant gehalten werden, bevor die Temperatur täglich wieder um fünf Grad gemildert wird. Dieser Vorgang dauert etwa 16 Tage. In dieser Zeit kann aufgrund vom subtropischen Klima im Haus kaum gearbeitet werden.

Die Funktionsheizphase ist von großer Bedeutung, um den Estrich fachmännisch trocknen zu lassen und um eine hydraulische Entspannung des Estrichs zu veranlassen. Während der oben beschriebenen Aufheizperiode muss kontinuierlich gelüftet werden, um die freiwerdende Feuchtigkeit abzuführen. Meist werden hier von den Fertighausfirmen allerdings Lüftungsgeräte eingesetzt, um die Arbeit zu erleichtern.

Direkt im Anschluss an die Funktionsheizphase geht es Schlag auf Schlag weiter. Jetzt können beispielsweise die Innenwände verspachtelt und verputzt, gestrichen oder tapeziert werden. Dank der Vorproduktion im Werk sind die Innenwände aufgrund des Grundputzes ja schon relativ glatt, was das Spachteln und Schleifen enorm erleichtert.

Da der Estrich nun vollkommen ausgehärtet ist, kann jetzt auch der weitere Fußbodenaufbau in Angriff genommen werden. Meist werden zuerst die Fliesen verlegt, bevor dann bei der Endmontage alle anderen Bodenbeläge, wie zum Beispiel Vinyl, Laminat, Parkett oder Kork, verlegt werden.

Zur Endmontage zählen zudem noch folgende Arbeiten: Das Anbringen der Sockelleisten, der Einbau der Innentüren sowie die Montage der Sanitärobjekte. Wenn ihr eine Küche über euren Fertighausanbieter bezogen habt und der Aufbau im Leistungspaket enthalten ist, gehört dies natürlich auch zur Endmontage.

Sobald alle vertraglich vereinbarten Leistungen von eurer Hausbaufirma abgeschlossen sind, kann die Haus- beziehungsweise Schlüsselübergabe stattfinden.

Das große Plus von Fertighäusern

Der größte Vorteil von Fertighäusern ist, dass das komplette Haus in der Werkshalle vorgefertigt wird. Es muss nicht bei Wind und Wetter auf der Baustelle gebaut werden. All das passiert nämlich unter optimalen Bedingungen in der Werkshalle.

Je nachdem für welchen Fertighausanbieter ihr euch letztendlich entscheidet, kann der Vorfertigungsgrad natürlich auch etwas variieren. Jeder Fertighausanbieter hat ein anderes System und eine andere Vorgehensweise bei der Fertigung. Zudem spielt die Ausbaustufe eine große Rolle. Diese legt fest, welche Leistungen ihr eurem Fertighausanbieter überlasst und worum ihr euch selbst kümmert.

Einige Fertighausanbieter bieten euch sogar die Möglichkeit, bei einer Werksführung die Produktion genauer anzuschauen. Nehmt eine solche gerne wahr, um die einzelnen Produktionsprozesse besser zu verstehen und einen Einblick in die hohen Qualitätsstandards zu bekommen.

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