Estrich verlegen beim Hausbau: die wichtigsten Fakten, Tipps & Tricks

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Der Hausbau bringt eine Fülle an offenen Fragen und Herausforderungen mit sich. Im Zentrum der anfänglichen Überlegungen steht die Wahl des Bodens als Garant für ein sicheres Fundament. Estriche gelten in diesem Zusammenhang nicht von ungefähr als optimale Lösung, vermögen sie doch nicht nur Unebenheiten auszugleichen, sondern mit vielen weiteren Vorzügen aufzuwarten. 

Für Neulinge auf dem Gebiet ist hier vorab kurz auf den Begriff „Estrich“ einzugehen. Dabei handelt es sich um den Aufbau des Fußbodens mit dem Ziel, eine ebene Grundlage für Fußbodenbeläge zu schaffen. Sowohl unter Experten als auch Laien ist außerdem die Bezeichnung „fertig nutzbarer Boden“ verbreitet. Jedoch hängt die Begriffswahl in erster Linie von der jeweiligen Art und Ausführung von Estrichen ab.

Grundsätzlich kommen Estrichen zwei essentielle Aufgaben zu. Auf die essentielle Funktion, für den Ausgleich von Unebenheiten zu sorgen, wurde bereits eingegangen. Darüber hinaus dienen Estriche der Trittschall- und Wärmedämmung und sind folglich für die Steigerung von Wohn- und Lebensqualität unentbehrlich.

Auch beim Einsatz einer Fußbodenheizung erweisen sich Estriche als unverzichtbar. Denn abgesehen von der durch die nahtlose Verbindung von Estrich und Rohr gewährleisteten ungestörten Übertragung von Wärme zum Fußboden bieten Estriche einen umfassenden Schutz der Heizelemente vor den täglichen Anforderungen. Das Resultat ist eine lang anhaltende optimale Funktionsfähigkeit der jeweiligen Heizrohre sowie anderer, für die Wärmezufuhr relevanter Elemente.

Nassestrich versus Trockenestrich

Vergleicht man unterschiedliche Estriche, so sind allen voran zweifellos der sogenannte Trockenestrich sowie der Nassestrich zu nennen. Worin die Unterschiede liegen und wann die eine Variante der anderen vorzuziehen ist, sind nur einige der Fragen, denen wir in diesem Abschnitt etwas eingehender nachzugehen versuchen.

Sucht ihr für euren Estrichaufbau eine besonders leicht zu handhabende Option, so sollte eure Wahl auf den Trockenestrich fallen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein aus mehreren, verlegfertigen Elementen bestehendes System, das sich rasch und ohne großen Aufwand aufbauen lässt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, den Boden in der Regel unmittelbar nach erfolgtem Estrichaufbau wieder betreten beziehungsweise nutzen zu können.

Wie die Bezeichnung Nassestrich, auch Fließestrich genannt, bereits vermuten lässt, kommt beim Verlegen dieser Variante Wasser ins Spiel. Konkret wird der Fließestrich vor dem Auftragen auf dem Boden mit Wasser angerührt. Dass vor der Einleitung weiterer Arbeitsschritte, wie dem Verlegen von Fußbodenbelägen, im Anschluss an den Estrichaufbau bis zur vollständigen Trocknung eine gewisse Wartezeit einzuhalten ist, erklärt sich von selbst.

Abgesehen von dieser kleinen Einschränkung bietet der Fließestrich unter anderem die Vorteile, dass er rasch einsetzbar und nur minimal porös ist. Darüber hinaus fällt bei dieser Variante die Gefahr von Randabsenkungen weg.

Zementestrich als Heizestrich im Hausbau

Die Liste der beim Estrichaufbau beliebtesten Varianten führt zweifellos der sogenannte Zementestrich an. Generell wird er der Kategorie der Nassestriche zugeordnet. Im Detail setzt er sich aus Zement, Wasser und Kies beziehungsweise Sand zusammen. Verwendung findet der Zementestrich in zahlreichen Einsatzfeldern.

Fungiert er beispielsweise als Heizestrich, so werden die jeweiligen Heizelemente zusammen mit dem Estrich eingegossen. Handelt es sich um einen sogenannten Schnellestrich, so wird eine Reduktion der Trocken- und Härtungszeit durch die Beigabe entsprechender Zutaten, die der Beschleunigung dieser Prozesse dienen, erreicht.

Seine dominante Position auf der Beliebtheitsskala verdankt der Zementestrich zweifellos seiner überdurchschnittlich hohen Beständigkeit und Festigkeit. Aufgrund seiner feuchtigkeitsabweisenden Eigenschaften eignet er sich zudem optimal für die sichere und risikofreie Nutzung in Nassräumen sowie im Außenbereich.

Ein Nachteil dieses Estrichs ist jedoch die lange Zeit, die ihr für Trocknung und Aushärtung einplanen müsst. Konkret bewegt sich diese zwischen zehn und dreißig Tagen, bis der Estrich wieder voll belastbar ist.

Wissenswertes zum Schnellestrich

Möchtet ihr nicht so lange warten und ist euch an einem besonders raschen Estrichaufbau inklusive umgehender Begehbarkeit gelegen, so bietet sich mit dem Schnellestrich eine interessante Alternative. Zum Einsatz kommt hier vor allem der sogenannte Anhydritestrich, der abgesehen von seiner vergleichsweise kurzen Trockenzeit mit vielen weiteren Vorzügen punktet. Hervorragende Wärmeleitfähigkeiten, leichte Verlegbarkeit und ökologische Unbedenklichkeit sind hier nur einige Beispiele.

Entscheidet ihr euch für diese Estrich-Variante, so gilt es jedoch, einige potentielle Einschränkungen zu bedenken. Die Bearbeitung größerer Flächen beispielsweise solltet ihr allein aufgrund der raschen Trockenzeit, die sich auf nur wenige Minuten beläuft, unbedingt den Experten überlassen. Schließlich können eventuelle Fehler und Mängel im Nachhinein nur schwer korrigiert werden.

Eine von Anfang an sorgfältige, zügige und insgesamt professionelle Arbeitsweise ist hier folglich ein Muss. Relativ risikofrei lässt sich der Schnellestrich hingegen selbst von unerfahrenen Kräften für kleinere Ausbesserungen nutzen.

Sucht ihr nach einem Estrich, der sowohl zuverlässig großen Belastungen in Form von Gewicht als auch Feuchtigkeit standhält, so ist an dieser Stelle erneut auf den oben vorgestellten Zementestrich zu verweisen, der mit Blick auf diese Kriterien keine Wünsche mehr offen lässt. Der feuchtigkeitsempfindliche Anhydritestrich ist dahingehend weniger zu empfehlen. Für den Estrichaufbau in Nass- und Außenbereichen wiederum ist er gar nicht geeignet.

Begehbarkeit und tatsächliche Belegreife: Fallstricke für Laien

Ein wichtiger Punkt, der nicht selten gerade Laien beim Estrich verlegen zum Verhängnis wird, ist die Unterscheidung von Begehbarkeit und tatsächlicher Belegfähigkeit des Bodens mit Bodenbelägen. Irreführend ist dabei vor allem die Beschreibung der vergleichsweise kurzen Trockenzeit des gewählten Estrichs, die zu der Annahme verleitet, dass der gesamte Bodenaufbau inklusive Belag ebenfalls binnen kürzester Zeit umsetzbar ist.

Um ein Beispiel zu nennen: Während der vorgestellte Anhydritestrich in der Regel innerhalb weniger Minuten ausreichend ausgehärtet ist, um ohne das Risiko einer Beschädigung begangen zu werden, benötigt der reguläre Zementestrich für diesen Prozess bis zu drei Tage.

Für die folgenden Arbeitsschritte, allen voran das Anbringen von Bodenbelägen, sind beide Estricharten jedoch nach Ablauf dieser Aushärtungszeit noch nicht bereit. Vielmehr dauert es mehrere Wochen, beim Zement zuweilen sogar Monate, bis der Estrich vollständig ausgetrocknet ist, um als sicheres, solides und widerstandsfähiges Fundament für den Bodenbelag zu fungieren.

Die Vor- und Nachteile beider Varianten liegen klar auf der Hand. Während der Raum bei der Verwendung von Schnellestrich rasch wieder nutzbar ist, erfordert das Estrich verlegen hier Erfahrung und Fachgeschick, da sich eventuelle Mängel in einer Zeitspanne von wenigen Minuten nicht wieder ausgleichen lassen.

Der Zementestrich wiederum lässt mit rund drei bis vier Stunden etwas mehr Spielraum für das sorgfältige Auftragen und wartet zudem mit nachhaltigeren Ergebnissen auf. Allerdings solltet ihr euch bei einer Entscheidung für diesen Estrich darüber im Klaren sein, dass ihr den jeweiligen Raum mindestens drei Tage lang nicht betreten beziehungsweise anderweitig nutzen könnt, zumal jegliche Belastung des frischen Estrichs die reale Gefahr einer nur schwer zu reparierenden Beschädigung in sich birgt.

In puncto Kostenaufwand ist außerdem darauf zu verweisen, dass der Schnellestrich euch ein weitaus höheres finanzielles Budget abverlangt. Generell sind die Preise für diese Variante viermal höher als für den Klassiker Zementestrich.

Ergänzende Anmerkungen zum Estrich verlegen in Verbindung mit einer Fußbodenheizung

Auf viele wichtige Punkte, die beim Estrichaufbau in Kombination mit Heizelementen zu beachten sind, wurde bereits verwiesen. Als besonders widerstandsfähige und langlebige Variante wird für dieses Einsatzfeld der bewährte Zementestrich bevorzugt. Für die Herstellung des sogenannten Heizestrichs werden diesem weitere Zutaten beigegeben. Beim Anbringen des Estrichs ist darauf zu achten, dass dieser eine Dicke von mindestens 40 bis 70 cm aufweist und die Heizrohre fest und nahtlos umgibt.

Alternativ zum Zementestrich kann für die Erstellung eines sogenannten Heizestrichs auch Calciumsulfatestrich verwendet werden. Als Richtwert fungiert die DIN 18560, sprich die Verordnung zum Stichwort „Estriche im Bauwesen“, die neben den möglichen Arten und Ausführungen der Estriche auch die unterschiedlichen Anforderungen benennt.

Die Heizelemente können sowohl, wie oben beschrieben, im Estrich eingebettet, als auch darunter eingefügt werden.

Estrich verlegen leicht gemacht

In Bezug auf den erfolgreichen Estrichaufbau kann hier nur erneut betont werden, dass ihr größere Projekte getrost den Profis überlassen solltet. Schließlich ziehen Fehler beim Verlegen schon fast zwangsläufig weitreichende und nicht selten kostspielige Folgen nach sich.

Unebenheiten wie Bodenwellen im Fundament, sprich Estrich, beispielsweise führen automatisch auch zu einer Beschädigung der anschließend angebrachten Bodenbeläge. Mögliche Szenarien, die es durch ein fachkundiges Estrich verlegen zu vermeiden gilt, sind unter anderem aufgeplatzte Fliesen, Löcher, Blasen und Risse in anderen Bodenbelägen.

Grundsätzlich gilt hier die Faustregel, dass es mit dem bloßen Anrühren, Verteilen und Glattziehen des jeweiligen Estrichs auf tragendem Untergrund allein nicht getan ist, sondern dass ihr euch vorab mit den Besonderheiten der von euch gewählten Estrich-Variante sowie den erforderlichen Raum- und Bodenbedingungen vertraut machen solltet, um optimale und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Und zu guter Letzt wie immer der Hinweis: Fragen kostet nichts. Zögert also nicht, euch nicht erst bei eventuellen Unsicherheiten an Experten zu wenden, sondern bereits im Vorfeld umfangreiche Informationen einzuholen und Vergleiche zwischen den für euch interessanten Optionen anzustellen.


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