Das solltet ihr über die Festpreisgarantie beim Hausbau wissen

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Der Traum vom eigenen Haus – für viele Häuslebauer kann er nicht schnell genug verwirklicht werden. Wer sich dafür entscheidet, nicht selbst zu bauen, sondern bauen zu lassen, kommt an der Festpreisgarantie kaum vorbei. Sie verspricht mehr Überblick und Sicherheit bei den Baukosten. Was dem ersten Anschein nach unkompliziert und vielversprechend klingt, birgt manchmal aber auch eine Menge an Risikopotential.

Zu den größten Herausforderungen beim Hausbau gehört die Klärung der Finanzierung. Ein Hausbau mit Festpreisgarantie kann deshalb besonders attraktiv sein, weil die Festpreisgarantie eine beschriebene Bauleistung zu einem festgelegten Preis gewährleistet.

Sie wird von Bauunternehmern oder Bauträgern angeboten und gilt innerhalb einer vereinbarten Frist. Die Dauer variiert je nach Anbieter, üblicherweise beträgt sie zwischen sechs bis zwölf Monaten.

Die Festpreisgarantie ermöglicht eine überschaubare und sichere Kalkulation von Kosten, zu erbringenden Leistungen und Bauzeit. Der Festpreis wird in einem Bauvertrag fixiert.

Was unterscheidet eine Festpreisgarantie von anderen Haustypen?

Wer ein Haus bauen möchte, steht zunächst vor der Entscheidung, sich für einen bestimmten Haustyp entscheiden zu müssen, denn Haus ist nicht gleich Haus. Je nach Anzahl der Personen, familiärer Konstellationen und persönlicher Ansprüche gibt es vom ökologischen Holzhaus bis zum exklusiven Architektenhaus eine große Spannbreite von Haustypen.

Die Festpreisgarantie wird häufig bei Fertighäusern angeboten. Sie sind in relativ kurzer Zeit gebaut, da Bauteile größtenteils und komplett bereits vorgefertigt sind und auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen.

Bauherren müssen sich bei Fertighäusern mit Festpreisgarantie weder um die Planung noch um Handwerker kümmern. Das alles wird vom Bauträger erledigt. Die Zahlung erfolgt gestaffelt in Raten, die im Bauvertrag bestimmt werden. Meistens ist die erste Rate etwa nach Beginn der Erdarbeiten fällig und die letzte nach Fertigstellung des Eigenheims.

Eine Festpreisgarantie kann sich daher lohnen: Die Baukosten stehen von Anfang an fest und der Fertigstellungstermin verzögert sich nicht. Eine Kostensteigerung muss nicht befürchtet werden, etwa weil unerwartet benötigtes Baumaterial teurer wird oder Löhne plötzlich steigen.

In einer Festpreisgarantie sind solche unvorhersehbaren Kosten inkludiert. Zudem gibt es die sogenannte Baufertigstellungsgarantie. Diese sichert dem Bauherrn dessen Einzugsdatum zu. Zeitliche Verzögerungen wegen schlechter Witterung oder Personalausfällen sind damit von vornherein ausgeschlossen.

Mit einer Festpreisgarantie können Bauherren optimal Einzug, Ausbau, Kündigung eines alten Mietverhältnisses und Finanzierung planen. Ein großer Vorteil.

Die Nachteile der Festpreisgarantie

Der Hausbau mit Festpreisgarantie verspricht unkompliziertes Bauen. Allzu leichtgläubig sollten zukünftige Hauseigentümer allerdings nicht sein. Damit der Traum vom Eigenheim nicht schlagartig zum Albtraum wird, solltet ihr als potenzielle Bauherren auch die Nachteile einer Festpreisgarantie kennen.

Richtig ist, dass bei einer Festpreisgarantie keine Mehrkosten auf Bauherren zukommen. Dies gilt jedoch nur für die im Bauvertrag aufgeführten Leistungen. Viele Leistungen, die nochmal extra Geld kosten, sind oftmals gar nicht vertraglich festgehalten. Die Bauherren müssen dann auf diese fehlenden Leistungen im schlimmsten Fall verzichten.

Auch schwammige Vertragsformulierungen können zu unangenehmen Überraschungen führen. So kommt es schneller als gedacht zu ungeplanten Nachforderungen beim Bauen. Seid euch daher bewusst, dass bei einer Festpreisgarantie zusätzliche Baukosten oder Baunebenkosten wider Erwarten eintreten können – je nachdem, wie umfangreich der Leistungsumfang im Vertrag beschrieben ist.

Lediglich, wenn alle notwendigen Leistungen vertraglich fixiert wurden, können Bauherren darauf bestehen. Verkalkuliert sich der Hausbauanbieter, trägt dieser allein die Mehrkosten.

Darauf müsst ihr bei der Planung mit Festpreisgarantie achten

Die Festpreisgarantie kann schnell zur Finanzfalle werden, wenn Bauherren die Verträge vor Unterzeichnung nicht gründlich auf Art und Umfang der Leistungen sowie Dauer der Preisbildung prüfen. Eine Festpreisgarantie gilt nämlich ausschließlich für die Leistungen in der Baubeschreibung. Je genauer diese formuliert ist, desto besser können Bauherren abwägen, was tatsächlich alles inbegriffen ist.

Auch ein Vergleich mit anderen Angeboten fällt dann leichter. Fehlen bestimmte Leistungen in der Beschreibung, sind sie nicht im Festpreis inkludiert. Hausbesitzer können nur die Leistungen geltend machen, die explizit im Bauvertrag aufgelistet sind. Es gibt keine Gesetzesgrundlage, auf die Bauherren sich im Notfall berufen können.

Das sollte in einer Baubeschreibung mindestens enthalten sein:

  • Baustelleneinrichtung
  • Baugrundgutachten
  • Heizsystem
  • Bodenplatte
  • Erdarbeiten
  • Keller
  • Hausanschlüsse für Strom, Gas und Wasser und Abwasser
  • Vermessungsarbeiten
  • Lüftung

Sind solche Leistungen nicht vereinbart, können zusätzliche Mehrkosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro auf Hausbesitzer zukommen.

Merke: Was nicht in der Baubeschreibung steht, kostet immer extra.

Nicht für jeden Bauherrn lohnenswert

Eine Festpreisgarantie ist für alle diejenigen lukrativ, die sich für ein Fertighaus oder Massivhaus entscheiden und sich vor allem Planungssicherheit wünschen. Wer einen Großteil seines Eigenheims in Eigenregie bauen will, zum Beispiel den Innenausbau, kann ebenfalls von einer Festpreisgarantie profitieren. So wird der Großteil von einem Bauunternehmen erledigt und der Rest vom Bauherrn selbst.

Bevor das Traumhaus bezogen werden kann, müssen zuerst bürokratische Hürden überwunden werden. Der Hausbau mit Festpreisgarantie kann hier durchaus eine Erleichterung sein. Aber Vorsicht: Die Festpreisgarantie birgt auch Risiken.

Auf der sicheren Seite ist, wer sich informiert, nachfragt und sich Zeit nimmt, den Bauvertrag ausgiebig zu prüfen. Alle gewünschten und besprochenen Leistungen sollten vertraglich notiert werden. Akzeptiert keine mündlichen Aussagen. Fordert stattdessen eine umfangreiche und aussagekräftige Leistungsbeschreibung ein. Dieser Aufwand lohnt sich und schützt vor unschönen Überraschungen.

Unser abschließender Tipp lautet: Fehlt das Vertrauen in euren Hausbauanbieter, dann holt euch bei Unsicherheiten unbedingt fachmännischen Rat von einem unabhängigen Bausachverständigen oder Bauherrenberater.

Bildquelle: nattanan23 | pixabay.de

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