Was bedeutet eigentlich schlüsselfertig bauen? Eine Bauweise, die regelmäßig für Verwirrung sorgt, da der Begriff „schlüsselfertig“ rechtlich bis heute nicht klar definiert ist. Wir wagen dennoch einen Erklärungsversuch und verraten Ihnen, wie dieser interpretiert wird und auf was Sie vor dem Vertragsabschluss unbedingt achten sollten.

Sowohl der Auftragnehmer als auch der Bauherr haben bei der Definition von schlüsselfertig bauen völlig unterschiedliche Ansätze. Geht das Bauunternehmen von einer Fertigstellung des Rohbaus aus, so versteht der Bauherr darunter, dass er nach Erfüllung des Vertrages lediglich den Schlüssel ins Schloss steckt und direkt in sein neues Eigenheim einzieht.

Schlüsselfertig bauen – ein Erklärungsversuch

Entschließen Sie sich als Bauherr dazu, ein Fertighaus schlüsselfertig in Auftrag zu geben, so ist es Ihre Absicht, sämtliche Pflichten und Verantwortungen an einen Fertighausanbieter abzugeben. Doch vor der Unterzeichnung des Vertrages, der auch Schlüsselfertig-Vertrag genannt wird, sollten Sie beachten, dass der Fertigstellungsgrad, je nach abgeschlossenem Vertrag, sehr unterschiedlich sein kann.

Verallgemeinert bedeutet schlüsselfertig bauen demnach, dass Sie die gesamte Bauleistung an einen Fertighausanbieter übertragen, der die vertraglich abgestimmten Baumaßnahmen selbst oder durch Subunternehmer gewissenhaft umzusetzen hat. Wie das Endergebnis letztendlich aussieht, müssen Sie mit Ihrem beauftragten Unternehmen individuell absprechen.

So ist ein Fertighaus für das eine Generalunternehmen zum Beispiel schlüsselfertig, sobald der Rohbau steht. Für das andere ist die Fertigstellung erst dann beendet, wenn auch die Inneneinrichtung installiert wurde.

Einigen wir uns darauf, dass ein Haus als schlüsselfertig gilt, wenn es voll funktionsfähig ist. So sehen es übrigens auch einzelne Gerichte auf Grund einiger bisher gefällter Urteile.

Der Unterschied zu bezugsfertig

Bezugsreif oder wohnkomplett sind weitere Begriffe, die regelmäßig im Hausbau verwendet werden. Weitaus häufiger ist dagegen der Begriff bezugsfertig vorzufinden, der in Bezug auf schlüsselfertiges Bauen oftmals für große Verwirrung sorgt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist unter bezugsfertig ein Fertigstellungsgrad zu verstehen, der in der Regel den kompletten Innenausbau miteinschließt. Sie als Bauherr müssen nach Abschluss der Bauarbeiten daher lediglich den Schlüssel umdrehen und können es sich direkt in ihren eigenen vier Wänden bequem machen.

Das Problem: Eine eindeutig rechtliche Abgrenzung zur schlüsselfertigen Bauweise gibt es auch hier nicht.

Schlüsselfertig – die Vor- und Nachteile

Trotz aller Unstimmigkeiten in der Begriffsbestimmung gibt es eine Menge Vorteile, die das schlüsselfertige Bauen mit sich bringt. Zum Beispiel die Planbarkeit, da der Termin zur Fertigstellung vertraglich festgelegt wird. Der Auftragnehmer muss daher den Vertrag termingerecht erfüllen, andernfalls droht diesem eine Vertragsstrafe.

Planbar sind auch die Kosten, die auf Sie zukommen werden. Diese sind ebenfalls vertraglich festgelegt. Der Betrag während des Bauverlaufs ändert sich nur dann, sofern Sie individuelle Wünsche haben oder außerplanmäßige Zusatzleistungen in Anspruch nehmen. Böse Überraschungen für Ihr Bankkonto bleiben dadurch aus.

Auf der anderen Seite sollten Sie beachten, dass Sie während des Bauvorgangs nicht vollends von Ihren Pflichten befreit sind. So haben Sie zum Beispiel dafür Sorge zu tragen, dass die Baustelle stets geräumt ist und Park- sowie Lagerflächen für das Bauunternehmen vorhanden sind.

Zudem können Mehrkosten auf Sie zukommen, wenn Ihr Schlüsselfertig-Vertrag schwammig ist und Verantwortlichkeiten nicht klar bestimmt wurden, wie zum Beispiel beim Einbau der Badeausstattung oder eine Küche. Spätestens dann beginnt die Diskussion, was unter schlüsselfertig zu verstehen ist, wobei Sie meist den Kürzeren ziehen.

Seien Sie auf der sicheren Seite

Um Rechtsstreitigkeiten und unnötige Mehrkosten zu vermeiden, sollten Sie Ihren Fertighausanbieter gezielt darauf ansprechen, was er unter „schlüsselfertig“ versteht. Achten Sie außerdem auf den Vertragsinhalt. Die Unterlagen geben schriftlich wieder, was genau das Fertighausunternehmen unter schlüsselfertig versteht.

Der Vertrag sollte einzelne Leistungen detailliert beschreiben. Manchmal empfiehlt es sich auch, den Leistungsumfang in Bauabschnitte zu unterteilen, die dann in einer Zwischenabnahme abgenommen werden. Prüfen Sie den Leistungsumfang und unterschreiben Sie erst, wenn all Ihre Wünsche erfüllt werden und sämtliche Unklarheiten beseitigt wurden.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unserem Artikel einen näheren Einblick geben konnten, was schlüsselfertig bedeutet, auch wenn es dazu keine einheitliche Definition gibt. Was verstehen sie zum Beispiel unter schlüsselfertig bauen? Verraten Sie es uns gerne in den Kommentaren.

Bildquelle: Daryn Bartlett | unsplash.com

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