Welche Rolle spielt die DGNB-Zertifizierung beim Fertighaus, was hat es mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen überhaupt auf sich und welchen Nutzen hat das Zertifikat für den Bauherren? Die Antworten darauf verraten wir Ihnen in unserem heutigen Blogbeitrag.

Fertighaus-Interessenten berücksichtigen bei der Auswahl ihres Fertighauses die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien, um eine stabile Wertentwicklung der Immobilie sicherzustellen und auch ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht zu werden.

Die Bedeutung nachhaltigen Bauens zeigt sich zum Beispiel daran, dass etwa 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland auf den Betrieb von Immobilien entfällt. Würden beispielsweise 50 Prozent aller Altbauten nachhaltig modernisiert, so ließen sich die Kohlendioxid-Emissionen um jährlich 200 Millionen Tonnen reduzieren.

Worauf sollten Sie als Fertighaus-Interessent bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Fertighauses besonders achten? Wir informieren Sie über die Kriterien des Nachhaltigkeitssiegels der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

DGNB-Zertifizierung durch die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen wurde im Jahr 2007 von 16 Organisationen der Immobilien- und Bauwirtschaft gegründet. Sie ist eine gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Organisation.

Die DGNB versteht sich als Wissensplattform mit der Aufgabe, die Gesellschaft über die Notwendigkeit und über die konkreten Umsetzungsmöglichkeiten einer nachhaltigen Bauweise zu informieren. Laut ihrer Satzung ist die DGNB dem Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie soziokulturellen Zielen verpflichtet.

Nachhaltiges Bauen ordnet die DGNB als eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung ein. So dürfe die Verantwortung für aktuelle Umweltprobleme, wie beispielsweise Resourcenverknappung und Klimawandel, nicht einfach den nachfolgenden Generationen überlassen werden.

Die über 1.200 DGNB-Mitglieder aus dem In- und Ausland repräsentieren die Bau- und Immobilienwirtschaft in ihrer gesamten Wertschöpfungsbreite. Zu den Vereinsmitgliedern zählen u. a.

  • Architekten, Bauplaner und Ingenieure,
  • Bauunternehmen und Bauprodukt-Hersteller,
  • Bauherren, Immobilieneigentümer, Immobilien-Betreiber und Investoren,
  • Unternehmen der Versorgungs- und Entsorgungsbranche,
  • Wissenschaftler und Prüfinstitute sowie
  • Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Vertreter der Öffentlichen Hand.

Wie funktioniert das DGNB-Zertifizierungssystem?

Das DGNB-Zertifizierungssystem zielt auf die Planung und Bewertung nachhaltiger Gebäude. Um größtmögliche Transparenz und Bewertungsqualität sicherzustellen, fließen bis zu 40 verschiedene Kriterien aus sechs Themenbereichen in die Gesamtbewertung ein.

Für jedes der (teilweise unterschiedlich gewichteten) Kriterien bestimmte die DGNB Zielwerte. Je nach Zielerreichungsgrad werden jeweils bis zu zehn Punkte vergeben. Aus den Bewertungen von fünf der sechs Themengebiete ergibt sich die Gesamtwertigkeit. Für die Standortqualität, das sechste Themengebiet erfolgt ein separater Ausweis. Das besonders flexible DGNB-Bewertungsverfahren berücksichtigt sowohl die jeweilige Gebäudenutzung als auch länderspezifische Kriterien.

Eine Besonderheit des DGNB-Konzeptes besteht darin, dass die in einem umfassenden Sinn verstandene „Qualität“ eines Gebäudes für den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie bewertet wird. Dabei erfolgt keine Beurteilung baulicher Einzelmaßnahmen, sondern eine Bewertung des Gesamteindrucks einer Immobilie (oder auch eines Stadtviertels).

Das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“

Ein DGNB-Zertifikat beinhaltet das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“, das im Jahr 2009 von der DGNB gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung entwickelt wurde.

Die Siegel-Kategorien Platin, Gold und Silber erhalten Neubauten, die bei der Prüfung der Nachhaltigkeit bestimmte Mindestpunktzahlen erreicht haben.

  • Siegel Platin: Gesamterfüllungsgrad ab 80 Prozent
  • Siegel Gold: Gesamterfüllungsgrad ab 65 Prozent
  • Siegel Silber: Gesamterfüllungsgrad ab 50 Prozent

Das Siegel Bronze ist Bestandsgebäuden vorbehalten, die einen Erfüllungsgrad von mindestens 35 Prozent erreichen.

In den vier DGNB-Siegel-Kategorien wurden weltweit bereits über 1.000 Auszeichnungen vergeben.

Nachhaltiges Bauen – die sechs Themengebiete einer Zertifizierung durch die DGNB

Das DGNB-Konzept der Nachhaltigkeit umfasst neben den im klassischen „Dreisäulenmodell“ enthaltenen Kriterien Ökonomie, Ökologie und Nutzerkomfort auch funktionale Gesichtspunkte wie Technik, Prozesse und Standort.

Ökologie

Minimierung von Emissionen

In allen Phasen eines Gebäude-Lebenszyklus entstehen Emissionen –

  • bei der Gebäudeerrichtung (unter Verwendung bestimmter Bauprodukten),
  • bei der Immobilien-Nutzung (Gebäudebetrieb und Instandhaltung) und
  • beim Rückbau eines Hauses.

Es gehört zu den besonders wichtigen Zielen nachhaltigen Bauens, ein Gebäude bereits so zu planen, dass die Immobilie während ihrer Lebensdauer möglichst geringe Emissionen verursacht. Die DGNB ermittelt daher die von einem Haus ausgehenden Emissionen für die gesamte Lebensdauer der Immobilie. Ein Vergleichsmaßstab („Benchmark“) wird genutzt, um anschließend die errechneten Emissionsdaten einzuordnen.

Die DGNB-Systematik berücksichtigt bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Immobilien diverse ökologische Problemfelder:

  • das für den Klimawandel verantwortliche Treibhauspotenzial,
  • die Auswirkungen auf die Ozonschicht in der Stratosphäre,
  • den Einfluss auf die Bildung von Sommersmog durch Ozonbildung,
  • Versauerungspotenziale, die Wald- oder Fischsterben auslösen können sowie
  • Beiträge zur Überdüngung.

Risiken für die lokale Umwelt reduzieren

In die ökologische Nachhaltigkeitsbewertung durch die DGNB fließt auch ein, inwieweit bei der Erstellung eines Gebäudes Werkstoffe verwendet werden, die den Menschen oder die Tier- und Pflanzenwelt gefährden oder schädigen können. Ein Ziel nachhaltigen Bauens besteht deshalb darin, den Einsatz gefährdender Werkstoffe zu reduzieren oder solche Materialien durch andere Werkstoffe zu ersetzen.

Verwendung umweltfreundlicher Bauprodukte

Die DGNB prüft, ob umweltfreundliche (und zugleich sozialen Standards entsprechende) Bauprodukte verwendet werden.

Geachtet wird insbesondere auf

  • den Waldschutz,
  • auf Kinderarbeit bei der Produktion von Baumaterialien und
  • speziell bei der Natursteingewinnung: auf die Beachtung von Umwelt- und Sozialstandards.

Ressourcenverbrauch und Ökobilanz

Die Herstellung, der Betrieb und der Rückbau von Gebäuden sollten möglichst wenig Primärenergie und Wasser verbrauchen. Auch die Höhe des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch geht in die Bewertung ein.

Trinkwasser und Abwasser

Ein minimierter Trinkwasserverbrauch nachhaltiger Gebäude wirkt sich kostensenkend aus. Die Wiederverwertung von Abwässern macht die Nutzer eines Gebäudes unabhängiger von Preisveränderungen und Verfügbarkeit der Ressource Wasser.

Flächenverbrauch

Zur ökologischen Nachhaltigkeit von Gebäuden zählt nicht zuletzt ein geringer Flächenverbrauch und eine begrenzte Bodenversiegelung.

Ökonomie

Gebäudekosten

Eine optimale Wirtschaftlichkeit einer Immobilie erfordert einen effizienten Umgang mit wirtschaftlichen Ressourcen. Die DGNB-Prüfung umfasst einen transparenten Kostenvergleich mit ähnlichen Gebäuden.

Umnutzungsmöglichkeiten

Eine flexible Gebäudekonzeption erleichtert die spätere Umnutzung einer Immobilie. Das damit verringerte Leerstandsrisiko sichert den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg einer Immobilie.

Marktpotenzial

Nur bei hoher Akzeptanz eines Gebäudes bei potenziellen Nutzern werden Leerstände vermieden und der langfristige Werterhalt der Immobilien-Investition gesichert. Eine gute Marktfähigkeit ist daher ein wesentliches Kennzeichen nachhaltiger Immobilien.

Nutzerkomfort: funktionale und soziokulturelle Qualität

Die DGNB-Zertifizierung berücksichtigt im Prüfungsgebiet „funktionale und soziokulturelle Qualität“ von Gebäuden

  • den Wärmekomfort,
  • die Qualität der Innenraumluft,
  • die Raumakustik,
  • die Versorgung der Innenräume mit natürlichem oder künstlichem Licht,
  • die Möglichkeiten des Gebäudenutzers, die Raumkonditionierung zu beeinflussen,
  • die Vielseitigkeit der Nutzungsmöglichkeiten von Innen- und Außenräumen,
  • den Schutz vor Gefahrensituationen, denen das Gebäude aufgrund seiner Konzeption entgegenwirkt,
  • Barrierefreiheit und
  • die Integration des Gebäudes in das städtebauliche Umfeld.

Technische Wertigkeit

Zur technischen Wertigkeit einer Immobilie gehören nach den Regeln des DGNB-Zertifikats

  • der Schallschutz,
  • der Schutz der Gebäudehülle vor Tauwasser,
  • die Anpassungsfähigkeit technischer Systeme an sich wandelnde Nutzerbedürfnisse,
  • die Instandhaltungs- und Reinigungsfreundlichkeit,
  • die Eignung der Immobilie für Rückbau und Recycling sowie
  • die Abstimmung der Immobilie auf Mobilitätsangebote.

Ablauf- und Prozessqualität

Das Prüfungskriterium Prozessqualität bezieht sich auf

  • optimierte Planungsprozesse,
  • das Vorhandensein alternativer Gebäudekonzepte,
  • die bereits in Ausschreibungsverfahren erfolgende Integration von Nachhaltigkeitsanforderungen,
  • die Sicherung einer optimalen Nutzung durch Maßnahmen während Planung und Bauphase,
  • eine Baustellenorganisation, die auf Abfallvermeidung und Minimierung von Umweltschäden ausgerichtet ist,
  • Maßnahmen der Qualitätssicherung während der Gebäudeerstellung und
  • die Sicherstellung einer geordneten Gebäude-Inbetriebnahme.

Qualität des Standortes

Auch die Standortqualität zählt nach dem DGNB-System zu den Bewertungskriterien der Nachhaltigkeit von Immobilien. Die DGNB berücksichtigt

  • auf ein Gebäude wirkende Umwelteinflüsse,
  • das Standort-Image,
  • die verfügbaren Verkehrsmittel sowie
  • vorhandene Versorgungseinrichtungen, Kultur-, Freizeit- und andere Dienstleistungsangebote.

DGNB-Zertifikat: Vorteile für den Bauherren eines Fertighauses

Ein DGNB-Zertifikat vermittelt den Bauherren von Fertighäusern einen exzellenten Überblick über die Qualität der Nachhaltigkeit eines Fertighaus-Angebotes.

  • Die DGNB-Bewertung der Immobilien-Nachhaltigkeit berücksichtigt nicht nur ökologische Kriterien, sondern auch weitere bedeutende Aspekte wie Ökonomie, Technik und soziokulturelle Bezüge.
  • Das flexible einsetzbare DGNB-Prüfungssystem stellt marktgerechte Zertifizierungen für verschiedene Gebäudearten sicher.
  • Über die Bewertung einzelner Immobilien hinaus führt die DGNB auch Zertifizierungen von Gebäudeserien durch. Eine solche Mehrfachzertifizierung dient dem einheitlichen Qualitätsnachweis z. B. für alle Fertighäuser einer bestimmten Serie.
  • Die Beachtung der von der DGNB definierten Nachhaltigkeitskriterien bewirkt eine höhere Immobilien-Qualität, die regelmäßig mit verbesserten Vermarktungsmöglichkeiten und höheren Wiederverkaufswerten einhergeht.
  • Fertighäuser, die durch DGNB als nachhaltig bewertet werden, erfordern gewöhnlich niedrigere Aufwendungen für Betrieb und Unterhaltung.
  • Vermieter profitieren bei festgestellter Nachhaltigkeit von einer guten Weitervermietbarkeit, von geringeren Leerständen und höheren Mieten.
  • Ein sogenanntes DGNB Vorzertifikat vermittelt Bauherren die Sicherheit, dass die angestrebten Leistungsziele zum Zeitpunkt der Gebäudefertigstellung tatsächlich erreichbar sind.
  • Der Qualitäts-Nachweis durch ein DGNB-Zertifikat beschleunigt die Kreditprüfung durch Baufinanzierungsinstitute und ermöglicht ggf. sogar günstigere Darlehenskonditionen.
  • Ein durch die DGNB zertifiziertes Fertighaus ermöglicht nicht nur einen Fertighaus-Vergleich auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene.

Wir hoffen, dann wir Ihnen mit dem Beitrag einen tieferen Einblick in die DGNB Zertifizierung geben konnten. Oder haben wir Sie davon überzeugt, Ihr Fertighaus zertifizieren zu lassen und von den Vorteilen zu profitieren? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar und tauschen Sie sich mit uns aus.

Bildquelle: Glenn Carstens-Peters | unsplash.com

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