Der Bau eines Hauses stellt auch heute noch für viele Bauherren eine echte Herausforderung dar, soll es doch zum einen als Heim Geborgenheit bieten und zum anderen die Absicherung für das Alter sein. Damit das Bauvorhaben zügig und komplikationslos vonstattengeht, müssen nicht nur die Handwerker spuren, sondern auch der Wettergott mitspielen. Deshalb haben schon die Menschen im Mittelalter durch Bräuche beim Hausbau versucht, die guten Geister während des Baus zu beschwören. Auch noch in der heutigen Zeit halten Bauherren an diese alten, traditionell gefeierten Bräuche beim Hausbau fest und erbitten ein wenig Glück für ihr Bauvorhaben.

Schon, wenn die Planung des Hauses abgeschlossen ist und die Pläne vorliegen, können Sie mit dem Hausbau beginnen und das erste traditionelle Fest beim ersten Spatenstich oder der Grundsteinlegung vorbereiten. Aber es gibt während der Zeit des Baus noch einige weitere Bräuche beim Hausbau, die nach alter Tradition gefeiert werden.

Hierzu zählen Münzen in der Bodenplatte, das Zwickelsetzen, das Einmauern eines Bannspruches oder einer Segensformel in den Türstock, das Einschlagen des letzten Nagels in den Dachstuhl, das Richtfest nach Fertigstellung des Dachstuhles, Brot und Salz, Haussegnung, Hausinschriften und das Aufstellen eines Baumes. Obwohl diese Bräuche kein Muss sind, können auch Sie an diese alten Traditionen anknüpfen, wie es viele andere Bauherren tun.

Die Grundsteinlegung – ein Brauch, der den Beginn der Bauphase symbolisiert

Schon in der Bibel wurde der Brauch der Grundsteinlegung erwähnt und gehört auch heute noch zu den beliebten Bräuchen beim Hausbau. Die Legung des Grundsteines wird zu Beginn des Baus von öffentlichen Gebäuden praktiziert, an der meist die Bevölkerung mit einbezogen wird. Der Grundstein, bei dem das Baujahr oder das Datum der Grundsteinlegung eingearbeitet wurde, sollte an einer sichtbaren Seite des Hauses eingesetzt werden, da, wo er noch nach Bauende bewundert werden kann.

In diesen Stein, der hohl ist, wird eine sogenannte Zeitkapsel mit einer Tageszeitung vom Tag der Grundsteinlegung, persönliche Gegenstände und auch Münzen getan. All diese Utensilien sollen dem Bauherrn und seiner Familie Glück bringen.

Ist der Stein gesetzt, schlägt der Bauherr mit einem Hammer symbolisch auf den Stein. Des Öfteren händigt der Bauunternehmer eine Urkunde aus, die zur Erinnerung an diesen Tag später in dem Gebäude aufgehängt wird. Diesem denkwürdigen Akt folgt dann eine entsprechende Feier.

Natürlich können Sie die Grundsteinlegung auch auf Ihrer privaten Baustelle feiern. Sie sollten nur rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu Ihrer Grundsteinlegung beginnen und daran denken, dass ein Imbiss und Getränke für Ihre Gäste bereitstehen.

Nicht nur in Deutschland gehört die Grundsteinlegung zu den Bräuchen beim Hausbau. Auch im asiatischen Thailand wird beispielsweise diese Tradition mit Bauherrn, Bauleuten und Verwandten gefeiert. Allerdings stellt man hier die ersten geschmückten und geweihten Säulen des zu bauenden Hauses symbolisch auf. Dass ein Hausbau dem Bauherrn und allen Beteiligten Glück bringt, daran glauben die Thailänder ganz fest.

Der erste Spatenstich – der Charme vergangener Zeit

Auch der erste Spatenstich ist einer der Bräuche zum Hausbau. Er beruht auf der Tatsache, dass in früheren Zeiten die Baugrube noch mit Schaufel und Spaten ausgehoben wurde.

Heute wird der erste Spatenstich auf dem Baugrundstück öffentlicher Bauvorhaben von Amtsträgern oder Prominenten vorgenommen. Aber auch sehr oft wird durch ein Brautpaar der Spatenstich als Symbol für das zu schaffende gemeinsame Heim zelebriert. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der entsprechende Spaten zur Verfügung steht.

Ansonsten werden in der heutigen Zeit die Baugruben nicht mehr mit dem Spaten und der Schaufel, sondern mit einem Bagger ausgehoben. Auch Sie als privater Bauherr sollten diesen alten Brauch traditionell feiern. Wenn Sie diesen schönen Akt mit den Maurern und Zimmerleuten, die an dem Projekt beteiligt sind, gemeinsam begehen, können Sie diese nicht nur besser kennenlernen, sondern sie auch auf das Projekt „einschwören“.

Münzen in der Bodenplatte – bringen Reichtum und Glück

Ein sehr schöner Brauch unter den Bräuchen beim Hausbau ist das Verewigen einiger Münzen in der Bodenplatte. Die Münzen werden dort, wo der künftige Hauseingang sein wird, in den frischen Beton gedrückt.

Sie oder Ihre Familienangehörigen können aber auch Ihre Fuß- oder Handabdrücke in der Bodenplatte verewigen. Abschließend spricht der Betonbauer die besten Segenswünsche aus, dass die Münzen Ihnen als Hausherren Glück und Reichtum bringen mögen.

Das Zwickelsetzen – der letzte Ziegelbrocken bringt Abwechslung in die Maurerarbeit

Das Zwickelsetzen ist einer der ältesten Bräuche beim Hausbau. Nachdem der Keller ausgegraben ist und die Kellerwände stehen, wurde früher der Keller mit einer Gewölbedecke abgedeckt. Diese Gelegenheit nutze man, um das eintönige Mauern ein wenig aufzuheitern und mehr Abwechslung hineinzubringen.

Da der Bauherr zur damaligen Zeit, den letzten Ziegelbrocken selbst in das Gewölbe einbringen musste, wurde dies durch den Maurer immer wieder verhindert, indem er mit einer Latte diesen „Zwickel“ immer wieder herausgestoßen hat. Nun wendete sich der Bauherr an den Maurerpolier und fragte ihn um Rat.

Nachdem sich dieser den Vorgang genau angesehen hat, dreht er sich zum Bauherrn um und spricht die Worte: „Da muss geschmiert werden, anders geht es nicht!“ Nun stellt sich der Bauherr noch dümmer und fragt: „Was und wer muss geschmiert werden?“ Darauf antwortet der Maurerpolier: „Der Zwickel geht nicht hinein, also muss er geschmiert werden, und zwar mit Speck und Bier oder was sonst an Schmiere im Hause ist!“

Der Polier bleibt so lange hartnäckig, bis der Bauherr begreift, dass es um Rauchfleisch und Speck geht und ein Fass Bier anstecken lässt. Erst jetzt hält den Zwickel keine Latte mehr auf, in das Mauerwerk einzudringen. Dieser Brauch bringt in die triste Maurerarbeit neben Spaß auch ein wenig Abwechslung.

Einmauern eines Bannspruches oder einer Segensformel in den Türstock

Einer der Bräuche beim Hausbau, die bereits vor Jahrhunderten ihre Anwendung fanden, ist das Einmauern einer Segensformel oder eines Bannspruches in den Türstock. Schon damals versuchten die Bauherren, ihr Haus zu schützen. Dazu wurde ein Zettel, der Zauberzettel, auf dem eine Schutzzauberformel, die Glaubwürdiges und Abergläubisches beinhaltete, oder ein Bannspruch zu lesen war, im Inneren des Türstockes verbracht.

Bannsprüche dienen dem Eigenschutz, der Reinigung des Hauses von negativen Kräften und sie stehen auch für Reichtum und Glück. Sollten auch Sie sich für einen derartigen Schutz interessieren, Beispiele für den richtigen Wortlaut sind im Internet genügend zu finden.

Das Richtfest – die bekannteste Tradition der Bräuche beim Hausbau

Nachweislich wurde schon im 14. Jahrhundert das Richtfest gefeiert. Da im Mittelalter der Hausbau selbst mithilfe der Nachbarn von statten ging, war das Richtfest die Gelegenheit, sich bei den Beteiligten zu bedanken.

Damit den künftigen Hausherren immer Glück beschieden sei, wurden bei diesem Fest verschiedene Rituale durchgeführt. Dazu gehörte das Aufsetzen der Richtkrone oder die Bautaufe. Es kam aber auch vor, wenn der Bauherr geizig war, dass die Zimmerleute ihm einen Streich spielten und ihm eine leere Flasche in den Giebel einmauerten. Wehte der Wind über diese, erklangen entsetzliche Heultöne. So klappte es natürlich nicht so recht mit dem Glück.

Das Richtfest als der Brauch der Bräuche beim Hausbau stellt auch noch in der heutigen Zeit das größte Fest beim Hausbau dar, das gefeiert wird, wenn die Grundmauern stehen und der Dachstuhl mit dem traditionellen Einschlagen des letzten Nagels durch den Bauherrn fertiggestellt ist. Hierbei ist aber darauf zu achten, dass der Nagel gerade in das Holz geht und nicht krumm wird, denn das würde Unglück bringen.

Zum Richtfest werden alle Handwerker und Helfer, der Architekt, die Familie, Freunde und die neuen Nachbarn eingeladen. Ein wichtiges Detail, das bei einem Richtfest nicht fehlen darf, ist das Setzen der, meist von den Nachbarn gebundenen und mit bunten Bändern verzierten Richtkrone oder des Richtbaumes auf dem Dachstuhl.

Ist dies geschehen, hält der Zimmermann eine kurze Rede, in der er auch den klassischen Zimmermannsspruch nennt, der da lautet:

„Zum Giebel bin ich hochgestiegen,
um hier zu reden mit Vergnügen.
Den Bauherrn und die lieben Seinen
und alle, die sich hier vereinen,
die Baugenossen und die Gäste
begrüße ich zu diesem Feste.
Dem Architekten, der zum Bau
den Grundriss hat erdacht genau,
dem Maurermeister, der sodann
das Werk mit sicherer Hand begann
sei heut ein volles Glas geweiht
mit Glück und Heil zu aller Zeit.
Nicht minder sollen die Gesellen,
die mit den Äxten und den Kellen
gezimmert und gemauert hier
ein Segenswort erlauben mir.

Prost!

Gott schütze dieses neue Haus
und alle, die da gehen ein und aus.
Er schütze auch vor dieser Tür
das Finanzamt und den Gerichtsvollzieher.

Prost!

Wenn nun das Glas in Scherben springt
noch einmal unser Gruß erklingt
hinaus mit Freude und Gebraus:
Glück und Segen diesem Neuen Haus!“

Der Richtspruch wird sehr oft durch den Zimmermann in gerahmter Form dem Bauherrn als Geschenk überreicht, der dann im fertigen Haus aufgehängt wird.

Nachdem er allen künftigen Bewohnern des neuen Hauses viel Segen und Glück gewünscht hat, wird gemeinsam auf deren Wohl angestoßen. Die leeren Gläser werden dann auf den Boden geworfen, sodass sie in Scherben zerbersten. Diese sollen der Familie Glück und Wohlergehen bringen. Nur, wenn die Gläser zerbrechen, stehen der weitere Hausbau und das Haus, wenn es fertig ist, unter einem guten Stern.

Sollte einmal ein Glas heil bleiben, schenkt man einfach ein neues Gläschen Schnaps hinterher und wiederholt den Vorgang. Nach dieser Zeremonie werden alle Gäste zu einem gemeinsamen leckeren Essen, dem sogenannten Richtschmaus, gebeten.

Es ist jedoch schon vorgekommen, dass man unwirschen, von Geiz geprägten Bauherren, anstelle des wunderschön geschmückten Richtkranzes einen alten Besen mit wenigen Borsten und einem angehängten toten Hering auf den Dachstuhl befestigte.

Die Hausinschrift – Individualität, die Segen für das Haus und dem Hausherrn bringt

Dies ist einer der Bräuche beim Hausbau, der heute nicht mehr so häufig angewendet wird. Inschriften dieser Art sind aber auch heute noch in ländlichen Gegenden zu finden.

Hier können Sie kunstvoll angefertigte Inschriften über der Haustür, an der Fassade oder im Hausgiebel sehen. In früheren Zeiten baten die Bauherren mit derartigen Inschriften Gott um Schutz für ihr Haus.

Brot und Salz zum Einzug – ein Brauch mit alter Tradition

Ist das Haus fertiggestellt, kann das letzte Fest der Bräuche beim Hausbau, die Hauseinweihung, mit den beteiligten Handwerkern, Helfern, Freunden und Nachbarn gefeiert werden. Früher wurde das Haus geräuchert und geweiht, um böse Geister von ihm und seinen Bewohnern fernzuhalten. Dieser Brauch ist heute nicht mehr aktuell, aber die Tradition, zur Einweihung kleine Geschenke mitzubringen, ist geblieben.

Nicht nur bei Hochzeiten werden dem jungen vermählten Paar Brot und Salz gereicht, wenn es das gemeinsame Heim betritt, sondern auch bei der Hauseinweihung und beim Eintritt in das neu erbaute Haus reicht man dem Bauherrn traditionell diese beiden Grundnahrungsmittel.

Brot und Salz zum Einzug stehen symbolisch dafür, dass in diesem Hause niemand hungern muss. Außerdem stehen sie für Wohlstand, Gemeinschaft und Sesshaftigkeit. Salz war früher ein sehr wertvolles, mit Zöllen belegtes Nahrungsmittel, was nicht nur Wohlstand bringen, sondern auch Unglück, Krankheit und Dämonen abwehren sollte. Deshalb brachte man zur Hauseinweihung Brot und Salz als Geschenk mit. Diese Tradition wird bis heute gewahrt. Auch heute noch wird dem Hauseigentümer ein kleines Geschenk in Form von Brot und Salz zum Einzug überreicht.

Die Haussegnung beim Einzug in das neue Haus – Abwendung von Unheil

In christlichen Gegenden trifft man beim Einzug in das neue Haus sehr oft auf einen Priester, der das Haus segnet, um das Unheil von ihm fernzuhalten. Dies geschieht durch Sprechen eines Gebetes mit der Bitte um Segen und der Besprengung des Bauwerkes mit geweihtem Wasser.

Auch Christusmonogramme, die auf der Fassade aufgebracht wurden, sollen diesen Zweck erfüllen. Sie können derartige Inschriften an vielen alten Häusern, vor allem in ländlichen, christlichen Gegenden, wie zum Beispiel in Bayern, finden.

Das Aufstellen eines Baumes

Der Brauch, zum Bau eines neuen Hauses auch einen „Hausbaum“ zu pflanzen, geht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Dieser Baum diente als Andenken und Symbol und sollte das Haus und dessen Bewohner vor Unheil bewahren und Schutz bieten.

Wenn Sie einen Hausbaum pflanzen möchten, sollten Sie sich vorher darüber im Klaren sein, wo Sie ihn pflanzen möchten. Sie sollten für das Bepflanzen einen Platz auswählen, der sich nicht zu dicht am Haus befindet, um so zu vermeiden, dass der Baum zu viel Licht wegnehmen kann.

Als Hausbaum werden sehr oft Linden, Ahornbäume, Apfelbäume oder Zierkirschen gepflanzt. Familiäre und private Höhepunkte, wie der Hausbau oder die Heirat, werden auch in der heutigen Zeit noch mit dem Pflanzen eines Baumes markiert. Dies stellt eine schöne alte Tradition dar, die auch in die Kategorie der Bräuche beim Hausbau eingegangen ist.

Fazit zu den Bräuchen und Traditionen

Der Bau eines neuen Hauses stellt für den Bauherrn eine große Herausforderung dar, denn von der Grundsteinlegung bis zur Bauabnahme ist es oft ein steiniger Weg. Das war schon vor Jahrhunderten so und ist auch heute noch ein großes Abenteuer. Da sind die überlieferten alten Traditionen und Bräuche beim Hausbau eine willkommene Abwechslung.

Die Grundsteinlegung und der erste Spatenstich, das Richtfest und die Hauseinweihung sind nur einige Bräuche beim Hausbau, die auf jahrhundertalte Traditionen beruhen und heute noch gefeiert werden. Sie bieten zum einen Abwechslung in den doch recht anstrengenden Bauablauf und zum anderen ermöglichen sie das bessere Kennenlernen aller Beteiligten und der neuen Nachbarschaft.

Bräuche und Traditionen gehören zum Hausbau dazu und sollten auch künftig gewahrt werden. Oder wie ist Ihre Meinung dazu?

Bildquelle: Nordwing | Pixabay

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