Heutzutage sind die meisten Häuslebauer eigentlich gar keine mehr. Der Großteil aller Neubauten wird schlüsselfertig angeboten. Statt das Eigenheim in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten zu planen und zu errichten, wird vermehrt auf Leistungen von Bauträgern gesetzt. Dabei bietet das Bauen mit Architekt hohes Sparpotenzial und viele Vorteile.

Das Hauptargument gegen einen Architekten besteht meist in der Annahme, dass das zu entrichtende Honorar für private Bauherren kaum erschwinglich sei. Das ist jedoch aus der Luft gegriffen. Gerade das Bauen in Kooperation mit einem Architekten schafft Kosten- und Planungssicherheit. Der Eigenheimbau wird somit nicht zum finanziellen Abenteuer.

Von Anfang an bezieht der Architekt sämtliche Kosten in die Planung ein. Lassen sich Wünsche durch das vorgegebene Budget nicht umsetzen, wird er schon in der Vorplanungsphase darauf hinweisen. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn werden dann bezahlbare Alternativen abgesteckt.

Besonderheiten des Grundstücks sowie landschaftliche Gegebenheiten berücksichtigt ein Architekt schon beim Erstentwurf. Er hat jedoch nicht nur kreative Aufgaben. Er kümmert sich genauso um baurechtliche Dinge, wozu etwa das Einholen von Genehmigungen bei den Ämtern gehört.

Nicht jeder, der Fachkenntnisse in der Baubranche hat, darf sich Architekt nennen. Die Architektenkammer entscheidet, wer die Berufsbezeichnung tragen darf.

Bauen mit Architekt: Hausbau ohne böse Überraschungen

Der Architekt ist wie kein anderer den Wünschen des Bauherrn verpflichtet. Während des gesamten Projekts tritt er als Koordinator, Planer und Sachwalter auf. Er ist der Fachmann, der die Interessen des zukünftigen Eigenheimbesitzers schützt. Seine Aufgabe besteht darin, aus dem vorgegebenen Budget ein Projekt unter Beachtung aller Vorgaben umzusetzen. Ihre Bedürfnisse stehen während der gesamten Planungs- und Bauphase im Mittelpunkt.

Sind größere Gebäudeeingriffe geplant, wobei die Statik sowie baurechtliche Aspekte zu berücksichtigen sind, ist generell der Sachverstand eines Spezialisten gefragt. Umbauten, Modernisierungen und energetische Sanierungen führen Architekten ebenso aus.

Sie rechnen Dienstleistungen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab. Grundlage ist die Norm DIN 276 zur Ermittlung der Projektkosten. Die Verordnung gliedert sich in fünf Honorarzonen und in neun Leistungsphasen. Sie führt alle relevanten Bauprozesse auf: von der Grundlagenermittlung über die Vorplanung bis hin zur Bauleitung und der umfassenden Dokumentation des Projekts.Die anrechenbaren Leistungen sowie die Zonen bestimmen letztendlich das Gesamthonorar. Ein unverbindliches Erstgespräch ist in der Regel kostenlos.

Wer beim Bau eines Einfamilienhauses die insgesamt neun Leistungsphasen in Anspruch nimmt, muss beim Architektenhonorar rund zwölf Prozent der Nettobausumme einkalkulieren.

Die Leistungsphasen werden bei der Gesamthonorarberechnung einzeln aufgeführt. Die größten Posten bilden die Bauüberwachung mit etwa 30 Prozent, gefolgt von der Ausführungsplanung mit rund 25 Prozent. Diese umfasst unter anderem alle Konstruktions-, Detail- und Ausführungszeichnungen sowie den jeweiligen Materialbedarf.

Während der Bauüberwachung tritt der Architekt als Bauleiter auf. Das Know-how im Umgang mit Handwerkern und Behörden ist inklusive. Er kontrolliert die ordnungsgemäße Durchführung der Bauarbeiten, wobei er beauftragte Dienstleister koordiniert. Er protokolliert Arbeiten und nimmt diese bei korrekter Erledigung ab. Der Architekt wacht zudem über die strikte Einhaltung des Zeitplans.

Manchmal sind Bauverträge von Fertighausanbietern nur auf den ersten Blick attraktiv. Die günstigen Festpreise stellen zwar eine lohnende Option zum Architektenhaus dar, fehlen jedoch wichtige Leistungen, so fallen mitunter erhebliche Mehrkosten an. Bei unvollständigen Verträgen ist Ärger vorprogrammiert. Sind notwendige Aufwendungen nicht enthalten, müssen sie vom Bauherrn gegebenenfalls selbst erbracht werden.

Ein enormer Vorteil beim Bauen mit einem Architekten besteht in der Einbringung von individuellen Eigenleistungen. Diese lassen sich im aufgestellten Budget festhalten. Möchte ein Elektriker etwa Leitungen in seinem Haus verlegen oder ist der Bauherr imstande das Dach selbst zu decken, lassen sich Baukosten erheblich senken.

Den perfekten Architekten finden

Bei der Wahl des Hauskonstrukteurs empfiehlt sich, ausschließlich Architekten aus der Region in Erwägung zu ziehen. Zur Suche eignet sich das Telefonbuch genauso wie das Internet.

Um einen groben Überblick zu erhalten, welche Architekten infrage kommen, bietet der Bund Deutscher Architekten (BDA) eine Onlinesuche an. Wenden Sie sich nur an Architekten für den privaten Haus- und Wohnungsbau.

Für Spezialisten, die sich eher mit der Planung großer Gewerbekomplexe befassen, sind Eigenheime oft nur Peanuts. Nicht immer dürfen Sie die erforderliche Unterstützung und volle Aufmerksamkeit bei Ihrem Bauvorhaben erwarten. Das Architektenbüro sollte nicht weiter als 40 Kilometer vom Bauplatz entfernt liegen. So ist ein Ansprechpartner stets vor Ort und immer greifbar.

Entscheidend ist generell der persönliche Kontakt, die Chemie muss zwischen Bauherr und Architekt stimmen. Erst im Gespräch stellt sich heraus, ob beide Parteien zusammenpassen. Im Vorfeld können Sie Anschreiben verfassen, in denen Sie Angebote anfordern, Ihr Bauvorhaben kurz vorstellen und um die Angabe von Referenzobjekten in Ihrer Nähe bitten.

Sehen Sie sich Referenzobjekte vorerst alleine und ohne den Architekten an. Wenn möglich suchen Sie das direkte Gespräch mit dem Bauherrn. Äußert er sich positiv, können Sie mit dem Architekten in den ernsthaften Dialog treten. Wenn Sie Ihre Träume verwirklichen wollen, müssen Sie sehr eng und zeitintensiv mit ihm zusammenarbeiten.

Teilen Sie dem Architekten so früh wie möglich Ihre Wünsche, Ideen und Anregungen mit. Das sollte bereits vor der Planungsphase geschehen. Ist der Bau bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, lassen sich signifikante Änderungen nur schwer oder gar nicht umsetzen. Darüber hinaus entstehen durch die nachträgliche Einarbeitung von Gebäudeelementen Mehrkosten.

Bauen mit Architekt: Auf den Punkt gebracht

Bauen mit einem Architekten hat den Ruf, kostspielig zu sein. Doch auch mit vergleichsweise geringem Budget lassen sich individuelle und eindrucksvolle Häuser bauen. Somit sind die Leistungen auch für Familien und Einzelpersonen attraktiv, die sich bei der Finanzierung langfristige Planungs- und Kostensicherheit wünschen.

Private Bauherren können sich auf ein festes Budget ohne Wenn und Aber verlassen, böse Überraschungen und Kostenfallen sind nicht zu befürchten. Fertighausanbieter sollten in der Regel ebenfalls über einen Architekten verfügen, der Sie bei der Planung und Umsetzung Ihrer Wünsche unterstützt.

Ist Ihnen ein maßgeschneidertes Architektenhaus zu teuer? Welche Erfahrungen haben Sie mit Fertighausanbietern und mit Architektenbüros gemacht? Unsere Leser sind auch auf Ihre Meinung neugierig – hinterlassen Sie einfach einen Kommentar.

Bildquelle: Daniel McCullough | Unsplash

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