Hanggrundstücke beim Hausbau – für Bauherren, die das Besondere lieben

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Sie sind beliebt, nicht immer einfach zu finden und oftmals mit hohen Kosten und längeren Bauarbeiten verbunden: Hanggrundstücke. Welche Vor- und Nachteile sie bieten und auf was ihr beim Bauen in Hanglage achten solltet, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Ein geeignetes Grundstück zu finden, stellt oftmals die erste Hürde beim Hausbau dar. In einigen Regionen gilt das Hanggrundstück als eine Besonderheit, was die Suche nicht unbedingt vereinfacht.

Wer hier bauen möchte, sollte sich damit abfinden, dass das Vorhaben ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen kann und die Kosten im Vergleich zum Hausbau auf der Ebene deutlich höher ausfallen. Wer die charakteristische Lage der Immobilie aber für sich zu nutzen weiß, profitiert auch von den Vorteilen, die der Hang bietet.

Das Hanggrundstück – was ist das eigentlich?

Hügel und Berge haben die Landschaft seit jeher geprägt. Sicherlich wird es an sehr steilen oder sogar senkrechten Wänden schwierig bis unmöglich sein, ein Bauvorhaben umzusetzen. Bei Hängen stellt sich die Ausgangslage indes ein wenig anders dar. Denn je nach Größe, Neigungswinkel und Beschaffenscheit der Schräge kann hier durchaus gebaut werden.

Vor allem im Voralpenland und in den Mittelgebirgen hat sich eine besondere Tradition über viele Generationen hinweg entwickelt. Zwar mögen moderne Verfahren und robuste Materialien den Bau heute vereinfachen – das Wissen, selbst schwierige Hänge zu nutzen, ist aber schon mehrere Jahrhunderte alt.

Hanggrundstücke beim Hausbau besitzen allerdings auch diverse Tücken. Etabliert haben sich dabei vor allem zwei Vorgehensweisen: Einerseits kann – wenn möglich – eine Baugrube ausgehoben und das Fundament des Gebäudes dort gelegt werden. Andererseits ist es in einigen Regionen einfacher, das künftige Haus auf Stelzen auf den Hang zu stellen.

Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich zudem der Split-Level-Bau als sinnvoll erwiesen. Bei ihm folgen die Räume der Neigung des Hangs. Das Haus scheint sich also dem Gefälle optimal anzupassen. Auf welche Bauweise letztlich zurückgegriffen wird, kann aber oftmals erst nach einer Analyse der Bodenbeschaffenheit bestimmt werden.

Welche Vorteile kennen Hanggrundstücke beim Hausbau?

Zunächst einmal solltet ihr als Bauherren das Grundstück auswählen, weil es euch von der Lage her gefällt. Und tatsächlich kann der Hang einige Besonderheiten bieten, die das Bauen auf der Ebene nicht kennt.

Etwas höher gelegene Hänge sorgen für eine wunderbare Aussicht. Oft kann der Blick viele Kilometer in die Ferne schweifen. Wer dabei das Glück hat, in die unbebaute Natur, auf das Wasser oder in ähnlich malerische Szenarien zu blicken, wird sein Hanggrundstück wohl nicht mehr verkaufen wollen. Zudem schirmt der Hang das Gebäude vor lauten Geräuschen aus der Stadt sowie vom Verkehr ab und schützt vor kräftigen Windböen.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich für alle Personen, die vor dem Bau eine Grube im Hang errichten, um dort das Fundament zu legen: Je weiter das Haus in die Schräge gebaut wird, desto mehr werden einige Räumlichkeiten später vom Erdreich umgeben. Hierbei ergibt sich eine ganz besondere und vor allem natürliche Wärme- und Energieeffizienz.

Auf diese Weise lassen sich künftig also auch Kosten sparen. Wer das Haus zudem an einem Südhang errichtet, darf sich über zahlreiche Sonnenstunden freuen, die dank einer Solaranlage auch effektiv für den Eigenbedarf genutzt werden können.

Die Nachteile beim Bauen am Hanggrundstück

Doch die Neigung eines Hügels oder eines Berges kann auch einige Risiken hervorrufen. Insbesondere bei starken Regenfällen sowie nach einem schneereichen Winter wird es immer wieder zu herabfließendem Wasser kommen. Dieses erreicht zuweilen ein hohes Tempo und kann dabei schon kleinere Gegenstände rund um das Haus mit sich reißen.

Wirklich gefährlich wird der Wasserlauf, wenn er das unter dem Gebäude liegende Erdreich beschädigt oder dort nach und nach die oberen Schichten abträgt. Bereits bei sehr geringen Hängen können sich dadurch über viele Jahre hinweg Veränderungen in der Statik der Immobilie ergeben.

Wer Hanggrundstücke beim Hausbau optimal für sich nutzen möchte, wird im Regelfall ein einzigartiges Gebäude entwerfen. So kann bereits die Anordnung der Räumlichkeiten zu einem echten Problem reifen: Welche Zimmer werden zur Aussichtsseite, welche zum Hang errichtet?

Als kompliziert erweist sich oftmals auch das Schaffen von Zugängen zum Haus. Meist werden dabei im und um das Gebäude herum deutlich mehr Treppen als beim Bauen auf der Ebene eingeplant. Wird auf der Nordseite eines Hanges gebaut, müssen besondere Licht- und Wärmeverhältnisse im Haus geschaffen werden, um das Wohnen hier auch in den Wintermonaten eines jeden Jahres komfortabel zu gestalten.

Warum gelten Hanggrundstücke beim Hausbau als schwierig?

Es sind nicht alleine die bereits genannten Nachteile, mit denen ihr als Bauherr umgehen müsst. Schon die Vermessung des am Hang gelegenen Grund und Bodens gestaltet sich nicht allzu einfach, zumal dieser Prozess immer mit einer Analyse der oberen und tieferen Schichten des Erdreiches einhergeht.

Hierbei wird nicht nur Zeit verloren, vielmehr entsteht ein zusätzlicher Kostenfaktor. Ob gebaut werden darf, entscheidet sich daher in Einzelfällen zuweilen erst nach vielen Monaten, in denen manchmal sogar Bodenproben entnommen und überprüft werden. Selbst wenn das Bauamt seine Zustimmung zum Errichten einer Immobilie erteilt, erfolgt diese Entscheidung teilweise nur mit strengen Auflagen.

Auch das Bauen am Hanggrundstück selbst erweist sich als komplex. So müssen immer wieder Pfeiler in das Erdreich getrieben oder kleine Mauern auf dem Grund errichtet werden, um etwa herabstürzende Wassermassen oder sogar einen Erdrutsch zu verhindern.

Die Statik des Hangs wird zudem schon durch relativ geringe Einflüsse verändert. Bereits Straßenbauarbeiten und das dabei verwendete schwere Gerät sind in der Lage, ein Abbrechen oberer Erdschichten auszulösen. Ein Prozess, der für das am Hang errichtete Gebäude gravierende Konsequenzen haben kann. Werden dabei die Bauvorschriften nicht streng eingehalten, dürfte der Traum vom idyllischen Eigenheim schnell zum Albtraum werden.

Mit welchen zusätzlichen Kosten ist beim Hanggrundstück zu rechnen?

Insgesamt ist festzuhalten, dass Hanggrundstücke beim Hausbau zwar einige Vorteile besitzen – sich das gesamte Verfahren rund um das Errichten der Immobilie aber mühsam gestalten wird. Nicht vergessen werden darf dabei, dass die erforderlichen Analysen des Bodens nicht durch das Bauamt bezahlt werden.

Für diese Maßnahmen hat der Bauherr selbst aufzukommen. Zumal das Ergebnis einer solchen Investition immer auch ein wenig einem Glücksspiel gleicht: So kann das teure und zeitaufwendige Gutachten tatsächlich ergeben, dass an dem gewünschten Hanggrundstück nicht oder nicht in der gewünschten Weise gebaut werden darf.

Doch selbst eine positive Entscheidung der Behörden dürfte zusätzliche Kosten auslösen. Denn nicht nur das Bauen am Hang stellt sich zuweilen als kompliziert dar. Auch das Befördern aller dafür benötigten Hilfsmittel und Maschinen kann zu einem echten Problem reifen.

Mag es auf ebenem Baugrund noch möglich sein, den Bagger zu manövrieren oder den viele Meter hohen Kran optimal aufzustellen, so verkommen derartige Routinevorgänge beim Hanggrundstück zu einem Balanceakt. Dieser wiederum erfordert sorgfältige Vorarbeiten, die Zeit, Kraft und damit auch Geld beanspruchen. Zu denken wäre etwa an das Planieren von Wegen oder an das Schaffen von festen Untergründen. Ein Aufwand, der in Einzelfällen das Volumen des gesamten Bauvorhabens deutlich erhöht.

Ein weiteres Problem stellt sich immer dann dar, wenn die Hanggrundstücke beim Hausbau noch nicht erschlossen sind. Das bedeutet, dass sie noch über keinerlei Zugänge zu Wasser und Abwasser verfügen. Auch Strom, Gas und sonstige Annehmlichkeiten des modernen Lebens können hier nicht genutzt werden.

Einerseits verkomplizieren sich dadurch die Bauarbeiten, da alle benötigten Ressourcen nun auf anderen Wegen an den Hang transportiert werden müssen. Andererseits gilt es als vergleichsweise teuer, ein einzelnes Grundstück zu erschließen. Neben den reinen Baumaßnahmen sollte der Eigentümer des Bodens also mit zahlreichen Nebenkosten rechnen, die das Gesamtprojekt spürbar verteuern.

Welche Tipps vereinfachen das Bauen am Hanggrundstück?

Wer seinem Traum vom Hanghaus trotz aller Kosten und Mühen folgen möchte, sollte schon möglichst früh mit der konkreten Planung beginnen. Hierbei ist es wichtig, die Beschaffenheit des Hanges genau zu kennen und diese für sich zu nutzen.

Insbesondere die Raumaufteilung spielt hier eine große Rolle. Wohn- und Schlafzimmer werden meist so geplant, dass sie einen ungetrübten Ausblick ermöglichen. Toiletten sowie Stauräume und Abstellflächen werden zum Hang hin errichtet.

Das gesamte Vorhaben gilt als derart komplex, dass es nur von einem Architekten begleitet werden sollte, der sich in den Eigenarten des Bauens am Hang auskennt. Unter den verschiedenen Verfahren wählt er jenes, das dem Wesen des Hanges einerseits, andererseits aber auch den Wünschen des Bauherrn entspricht.

Erfolgt die Organisation sorgfältig und werden alle eventuell auftretenden Zusatzkosten schon vorab in die Finanzplanung einbezogen, lassen sich sogar schwierige Hanggrundstücke beim Hausbau zähmen. Gelingt das, so entsteht meist eine wahre Traumimmobilie, die alleine durch ihren fantastischen Ausblick und das leicht abgelegene Wohnen alle Mühen beim Bau vergessen lässt.

Bildquelle: jarmoluk | Pixabay.de

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