Ein Fernseher, eine komplette Reihe Küchenhängeschränke oder sogar eine Markise: Auch an Fertighauswänden lassen sich hohe Lasten sicher befestigen. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Gewicht, sondern vor allem der konkrete Wandaufbau. Wir erklären euch, wann eine Holzschraube ausreichen kann, wann Hohlraumdübel oder Traversen nötig sind, weshalb ein schwenkbarer Fernseher stärker an der Wand zieht und warum eine Markise immer in der tragenden Konstruktion verankert werden muss.
Viele angehende Bauherren fragen sich, ob eine Fertighauswand schwere Gegenstände überhaupt tragen kann – schließlich wirkt sie im Vergleich zu einer massiven Beton- oder Ziegelwand oft schlanker und klingt beim Anklopfen teilweise hohl.
Diese Sorge ist meist unbegründet. Moderne Fertighäuser verfügen über technisch abgestimmte Wandaufbauten, die je nach Hersteller aus Gipsplatten, Gipsfaserplatten, Holzwerkstoffplatten, Holzständern, Dämmung und weiteren Funktionsschichten bestehen. Welche Lasten ihr wo befestigen dürft, unterscheidet sich jedoch von System zu System.
Eine allgemeingültige Aussage wie „Diese Wand hält 100 Kilogramm“ wäre deshalb unseriös. Ein Fernseher mit flacher Halterung belastet die Wand anders als ein gleich schweres Gerät an einem weit ausziehbaren Schwenkarm. Ein leerer Küchenschrank ist deutlich leichter als derselbe Schrank voller Teller. Und bei einer Markise kommen neben dem Eigengewicht erhebliche Wind- und Hebelkräfte hinzu.
Die kurze Antwort
✓ Leichte Gegenstände lassen sich an fast jeder Fertighauswand befestigen, sofern Schraube oder Dübel zur Beplankung passen.
✓ Fernseher und Küchenhängeschränke können häufig an einer tragfähigen Holzwerkstoff- oder Gipsfaserplatte montiert werden.
✓ Bei hohen Lasten, großen Hebelarmen und beweglichen Halterungen sind Holzständer, Traversen oder geplante Verstärkungen die sicherere Lösung.
✓ Markisen gehören nicht in Putz oder Dämmung, sondern müssen ihre Kräfte in die tragende Konstruktion einleiten.
✓ Verbindlich sind immer die Unterlagen und Freigaben eures Haus- sowie Befestigungssystemherstellers.
Wie viel Gewicht hält eine Fertighauswand aus?
Die Tragfähigkeit einer Fertighauswand hängt von mehreren Bauteilen ab. Dazu zählen insbesondere:
- Art und Dicke der sichtbaren Wandplatte,
- Anzahl der Beplankungslagen,
- eine eventuell dahinterliegende OSB- oder andere Holzwerkstoffplatte,
- Lage und Abstände der Holzständer,
- vorhandene Traversen oder Querriegel,
- verwendete Schrauben, Dübel und Montageschienen,
- Abstände zwischen den Befestigungspunkten und
- Form, Tiefe und Nutzung des befestigten Gegenstands.
Schon die technischen Angaben verschiedener Platten- und Wandsysteme zeigen, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sein können. Bei bestimmten Trockenbauwänden werden zulässige Konsollasten pro Meter Wandlänge angegeben.
Hersteller robuster Gipsfaserplatten nennen dagegen teilweise Lasten pro Befestigungspunkt. Fertighausanbieter können wiederum eigene, geprüfte Werte für ihren kompletten Wandaufbau festlegen.

Solche Werte dürft ihr nicht miteinander vergleichen oder auf eine andere Wand übertragen. Sie gelten nur für den jeweils geprüften Aufbau, die angegebene Plattendicke, das passende Befestigungsmittel und die vorgegebenen Randbedingungen.
Einen guten Eindruck von diesen Unterschieden vermitteln die technischen Hinweise von Rigips zur Lastenbefestigung und die Angaben von fermacell für den Holzbau.
Wichtig bei Traglastangaben
Eine Angabe pro Schraube ist nicht dasselbe wie eine zulässige Last pro Befestigungspunkt oder pro Meter Wand. Auch mehrere eng nebeneinander gesetzte Dübel vervielfachen die Tragfähigkeit nicht automatisch. Mindestabstände, Randabstände, Plattenstöße und die Stabilität der gesamten Wand müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Der Wandaufbau entscheidet über die richtige Befestigung
Beim Fertighaus gibt es nicht den einen Standardwandaufbau. Selbst zwei Häuser in derselben Holzständerbauweise können im Detail unterschiedlich aufgebaut sein.
Gipskartonplatten
Gipskartonplatten bilden in vielen Häusern die sichtbare Oberfläche. Leichte Lasten lassen sich daran mit geeigneten Haken oder Gipskartondübeln befestigen. Für größere Lasten benötigt ihr je nach Wandaufbau Hohlraumdübel, eine tragfähige zweite Beplankung oder einen Anschluss an Ständer und Traversen.
Gipsfaser- und Hartgipsplatten
Diese Platten sind dichter und häufig belastbarer als herkömmliche Gipskartonplatten. Bei dafür geprüften Systemen können Schrauben oder spezielle Hohlraumdübel bereits hohe Lasten aufnehmen. Trotzdem bleibt die jeweilige Herstellerfreigabe entscheidend.
OSB- und andere Holzwerkstoffplatten
Eine durchgehende Holzwerkstoffplatte hinter der sichtbaren Beplankung kann Befestigungen erheblich vereinfachen. In einem freigegebenen Aufbau lassen sich viele Regale, Schränke und TV-Halterungen mit geeigneten Holzschrauben direkt befestigen.
Geht aber nicht automatisch davon aus, dass jede Fertighauswand eine solche Platte besitzt. Auch Plattenart, Dicke, Schraubendurchmesser, Einschraubtiefe und die Funktion der Platte im Wandaufbau sind wichtig.
Holzständer, Traversen und Querriegel
Holzständer bilden einen wesentlichen Teil der Tragkonstruktion. Traversen beziehungsweise Querriegel werden gezielt dort eingebaut, wo später hohe oder sicherheitsrelevante Lasten befestigt werden sollen. Typische Einsatzorte sind Küchenwände, Medienwände, Waschtische, Handläufe, Vordächer und Markisen.
Eine Traverse ist besonders wertvoll, wenn die spätere Position des Gegenstands bereits feststeht. Sie bietet eine größere zusammenhängende Befestigungsfläche und macht euch unabhängiger vom regulären Ständerabstand.
Installationsebene und luftdichte Ebene
Bei Außenwänden können sich hinter der Innenbekleidung eine Installationsebene und weiter außen die luftdichte Ebene befinden. Je nach Hersteller wird diese zum Beispiel durch eine verklebte Holzwerkstoffplatte oder eine Bahn hergestellt.
Kurze Befestigungen innerhalb einer dafür vorgesehenen Installationsebene erreichen die luftdichte Schicht möglicherweise gar nicht. Lange Schrauben, Durchgangsanker oder nachträgliche Leitungsdurchführungen können sie dagegen berühren oder durchdringen. Deshalb müsst ihr den konkreten Schichtenaufbau kennen.
Vier Fragen, die über die Befestigung entscheiden
1. Wie hoch ist das tatsächliche Gesamtgewicht?
Berücksichtigt nicht nur das Gewicht des Gegenstands. Zur tatsächlichen Last gehören beispielsweise:
- Fernseher und Wandhalterung,
- Küchenschrank und gesamter Inhalt,
- Regal und Bücher,
- Spiegelschrank und eingelagerte Produkte,
- Markise, Konsolen und Antrieb.
2. Wie groß ist der Hebelarm?
Je weiter der Schwerpunkt von der Wand entfernt ist, desto stärker werden die oberen Befestigungen auf Zug beansprucht. Deshalb ist ein tiefes Bücherregal anspruchsvoller als ein flaches Bild. Gleiches gilt für einen ausgezogenen TV-Schwenkarm im Vergleich zu einer festen Wandhalterung.
3. Ist die Last ruhig oder beweglich?
Ein fest montierter Gegenstand erzeugt überwiegend gleichbleibende Kräfte. Bewegliche Halterungen, ausziehbare Schränke, Handläufe und Markisen werden zusätzlich durch wechselnde Belastungen beansprucht. Solche Lasten benötigen größere Sicherheitsreserven.
4. Wie werden die Kräfte verteilt?
Eine Montageschiene oder eine ausreichend große Montageplatte kann Lasten auf mehrere geeignete Befestigungspunkte verteilen. Das ist meist günstiger als eine hohe Belastung an wenigen kleinen Punkten. Die Lastverteilung funktioniert allerdings nur, wenn sämtliche Befestigungen für den vorhandenen Wandaufbau geeignet sind.
Wichtig zu wissen: Das Gewicht allein sagt wenig aus. Für die Auswahl der Befestigung zählen immer Gesamtgewicht, Abstand zur Wand, Bewegungen, Anzahl und Lage der Befestigungspunkte sowie der konkrete Untergrund.
Vor dem Bohren: Wandaufbau, Leitungen und Verstärkungen prüfen
Bevor ihr den Akkuschrauber ansetzt, solltet ihr möglichst genau wissen, was sich hinter der sichtbaren Wandoberfläche befindet. Die wichtigste Informationsquelle sind eure Bauunterlagen.
Hilfreich sind vor allem:
- Wandaufbau und Bauteilbeschreibung,
- Werk- und Ausführungspläne,
- Elektro-, Sanitär- und Lüftungspläne,
- Ständer- und Traversenpläne,
- Fotografien aus der Bauphase,
- Herstellerangaben zu zulässigen Befestigungen.
Wie ihr technische Zeichnungen besser einordnet, erfahrt ihr in unserem Beitrag zum Thema Baupläne lesen und verstehen. Bewahrt die finalen Pläne und Baufotos außerdem dauerhaft in eurem digitalen Hausordner auf.
Fehlen verlässliche Pläne, kann ein geeignetes Ortungsgerät dabei helfen, Holzunterkonstruktionen, Metalle und stromführende Leitungen zu finden. Das Messergebnis ist dennoch nur eine zusätzliche Orientierung. Materialkombinationen, Feuchtigkeit, geringe Abstände oder tiefer liegende Objekte können die Erkennung beeinflussen.
Installationszonen geben Hinweise darauf, wo elektrische Leitungen üblicherweise verlaufen. Verlasst euch bei einer schweren Befestigung aber nicht ausschließlich darauf. Gibt es widersprüchliche oder unklare Ergebnisse, solltet ihr auf eine Probebohrung verzichten und den Fertighausanbieter beziehungsweise einen Fachbetrieb hinzuziehen.
Bilder, Spiegel und Regale an der Fertighauswand befestigen
Bei leichten Bildern und kleinen Dekorationen reicht je nach Beplankung häufig ein geeigneter Bilderhaken, Nagel oder eine kleine Schraube. Bereits bei größeren Spiegeln, Garderoben und tiefen Regalen solltet ihr genauer hinschauen.
Für Plattenbaustoffe gibt es unterschiedliche Befestigungsmittel:
- Gipskartondübel für leichte Anwendungen,
- Metall-Hohlraumdübel für definierte Plattendicken,
- Kipp- und Klappdübel bei ausreichendem Hohlraum,
- systemgeeignete Schrauben für Gipsfaser- oder Hartgipsplatten,
- Holzschrauben für freigegebene Holzwerkstoffplatten und Holzständer.
Ein Universaldübel ist nicht automatisch universell sinnvoll. Entscheidend ist, wie er im vorhandenen Material funktioniert. Ein Spreizdübel für eine massive Wand verhält sich in einer dünnen Platte anders als ein Hohlraumdübel. Prüft deshalb immer die Lastentabelle, die zulässige Plattendicke und die Montageanleitung des Befestigungsmittelherstellers.
Bei tiefen Regalen und Garderoben entstehen zusätzlich Hebelkräfte. Plant dafür nach Möglichkeit Befestigungen in einer durchgehenden Holzwerkstoffplatte, einem Ständer oder einer Traverse ein.
TV an der Fertighauswand befestigen
Ein Fernseher gehört zu den häufigsten schweren Gegenständen, die nach dem Einzug an einer Fertighauswand montiert werden. Das ist in vielen Fällen problemlos möglich – vorausgesetzt, Wand und Halterung werden gemeinsam betrachtet.
Feste TV-Halterung
Eine flache, feste Halterung hält den Fernseher nah an der Wand. Dadurch bleibt der Hebelarm vergleichsweise klein. Bei einer tragfähigen Holzwerkstoff- oder Gipsfaserplatte kann eine systemgerecht montierte Halterung bereits ausreichen.
Neigbare oder schwenkbare TV-Halterung
Eine ausziehbare Halterung belastet die Wand stärker. Beim Bewegen ändern sich Hebelarm und Lastrichtung. Für große Fernseher und weit ausziehbare Schwenkarme empfehlen sich deshalb Befestigungen in Holzständern, einer Traverse oder einer ausdrücklich dafür freigegebenen Verstärkungsfläche.
Montageplatte zur Lastverteilung
Liegen die Befestigungslöcher der TV-Halterung ungünstig zu den Ständern, kann eine statisch geeignete Montageplatte oder Schiene die Last auf mehrere sichere Punkte verteilen. Die Platte wird zunächst an den tragfähigen Bereichen befestigt, anschließend folgt die TV-Halterung.
Denkt bei der TV-Planung außerdem an Steckdosen, Netzwerkanschlüsse, Antennenkabel, Leerrohre und die spätere Kabelführung. Unser Beitrag zur Elektroausstattung im Fertighaus hilft euch dabei, diese Punkte frühzeitig einzuplanen.
TV-Wand frühzeitig planen
☐ genaue Position und Bildschirmgröße festlegen
☐ feste oder schwenkbare Halterung auswählen
☐ Gesamtgewicht aus Fernseher und Halterung ermitteln
☐ Wandaufbau und Verstärkungsbereich klären
☐ Steckdosen, LAN, Antenne und Leerrohr vorsehen
☐ Leitungsverlauf dokumentieren
☐ zulässige Schrauben und Befestigungspunkte schriftlich bestätigen lassen
Küchenhängeschränke sicher an der Fertighauswand montieren
Bei Küchenoberschränken wird die Belastung häufig unterschätzt. Zum Eigengewicht des Schranks kommen Teller, Gläser, Vorräte und Küchengeräte. Außerdem liegen die Schwerpunkte aufgrund der Schranktiefe deutlich vor der Wand.

Für eine neue Küche solltet ihr daher nicht nur das Leergewicht eines einzelnen Schranks betrachten, sondern die vollständig beladene Schrankreihe. Auch Dunstabzugshauben, Mikrowellen und offene Regale können zusätzliche Lasten einbringen.
Eine Aufhängeschiene verteilt die Lasten
Viele Küchen werden über eine durchgehende Aufhängeschiene montiert. Sie verteilt die Kräfte auf mehrere Befestigungspunkte und erleichtert die genaue Ausrichtung der Schränke. Eine solche Schiene ersetzt jedoch keinen tragfähigen Untergrund. Ihre Befestigungen müssen weiterhin zur Wand passen und die Gesamtlast aufnehmen können.
Traverse oder Verstärkungsplatte einplanen
Die beste Lösung ist eine bereits im Werk vorgesehene Verstärkungszone über die gesamte geplante Schrankreihe. Dafür benötigt der Fertighausanbieter möglichst früh:
- den Küchenplan,
- die genaue Lage der Oberschränke,
- die Höhe der Aufhängeschiene,
- Angaben zu besonders schweren Geräten und
- Positionen von Elektro-, Wasser- und Abluftanschlüssen.
Klärt diese Punkte idealerweise vor der Produktion der Wandelemente und spätestens im Rahmen der Bemusterung beim Fertighaus.
Fliesen und Küchenrückwand sind kein Traggrund
Eine Fliese, Glasplatte oder dekorative Küchenrückwand kann die Oberfläche schützen, trägt aber nicht die Küchenschränke. Die Befestigung muss durch die Oberflächenschicht hindurch in der dafür vorgesehenen Wandebene wirken. Auch das Bohrverfahren muss zur Oberfläche passen, damit Fliesen oder Glas nicht beschädigt werden.
Übergebt dem Küchenstudio beziehungsweise Montageteam die Wandbeschreibung und den Verstärkungsplan. Die Aussage „Das ist eine Fertighauswand“ reicht für eine fachgerechte Auswahl der Schrauben nicht aus.
Weitere schwere und sicherheitsrelevante Befestigungen
Neben TV und Küche gibt es weitere Bauteile, bei denen ihr die Befestigung frühzeitig planen solltet:
- wandhängende Waschtische und Sanitärkeramik,
- Halte- und Stützgriffe,
- Handläufe und Geländer,
- schwere Spiegelschränke,
- hängende Sideboards und Sitzbänke,
- Heizkörper, Speicher und technische Geräte,
- Vordächer, Klimageräte und Satellitenanlagen.
Bei Sanitärgegenständen und Haltegriffen wirken neben dem Eigengewicht hohe Nutzlasten. Hier sind dafür vorgesehene Tragständer, Montageelemente oder Traversen erforderlich. Solche Befestigungen sollten Fachbetriebe planen und ausführen.
Markise am Fertighaus befestigen
Eine Markise ist mit einem Fernseher oder Küchenschrank nicht vergleichbar. Sie besitzt ein hohes Eigengewicht, ragt weit von der Fassade ab und wird durch Wind belastet. Dadurch entstehen große Zug-, Druck- und Hebelkräfte an den Konsolen.
Fachinformationen zur Befestigung an Wärmedämmverbundsystemen ordnen Markisen als schwere und häufig sicherheitsrelevante Anbauteile ein. Solche Lasten müssen in den tragfähigen Untergrund eingeleitet werden. Putz und Dämmung allein sind dafür nicht geeignet.
Ausführliche Hinweise dazu stellt unter anderem EJOT zur Befestigung schwerer Anbauteile bereit.
Beste Lösung: Markise vor der Wandproduktion planen
Steht bereits fest, dass ihr eine Markise möchtet, besprecht sie möglichst früh mit dem Fertighausanbieter. Für die Planung sind unter anderem folgende Angaben wichtig:
- Markisenmodell und Eigengewicht,
- Breite und Ausfall,
- Anzahl und Lage der Konsolen,
- Montagehöhe,
- Wand-, Decken- oder Dachsparrenmontage,
- elektrischer Anschluss und Steuerung,
- regionale Windbeanspruchung.
Der Planer kann daraufhin beispielsweise einen verstärkten Riegel, eine ausreichend dimensionierte Traverse oder ein zugelassenes Montageelement vorsehen. Gleichzeitig lassen sich Wärmebrücken, Druck auf den Dämmstoff und das Eindringen von Schlagregen vermeiden.
Markise nachträglich montieren
Auch eine nachträgliche Montage kann möglich sein. Sie erfordert jedoch eine genaue Prüfung des vorhandenen Wandaufbaus. Hausanbieter, Tragwerksplaner und Markisenfachbetrieb müssen klären,
- wo tragfähige Holzständer oder Riegel verlaufen,
- ob deren Abmessungen und Anschlüsse die Kräfte aufnehmen können,
- wie die Dämmung druckfest überbrückt wird,
- welches Befestigungssystem für genau diesen Untergrund zugelassen ist,
- wie die Durchdringungen luft- und schlagregendicht ausgeführt werden und
- ob ein statischer Nachweis erforderlich ist.
Wichtig: Ein für Beton oder Mauerwerk zugelassenes Abstandsmontagesystem darf nicht automatisch an einer Holzrahmenwand eingesetzt werden. Zulassungen und Lastwerte gelten für die darin genannten Untergründe und Systemkomponenten. Für massive gedämmte Wände gibt es spezielle thermisch getrennte Abstandsmontagen; bei einem Holzfertighaus braucht ihr dagegen eine für den tatsächlichen Holzbauaufbau nachgewiesene Lösung.
Alternativen zur Wandmontage
Ist eine sichere Wandmontage nicht sinnvoll, kommen je nach Haus und Produkt andere Lösungen infrage. Viele Markisen können auch an einer tragfähigen Decke oder geeigneten Dachsparren montiert werden. Weitere Möglichkeiten sind Pergolamarkisen, Systeme mit vorderen Stützen oder freistehende Sonnenschutzlösungen.
Welche Varianten es gibt, erfahrt ihr in unserem Beitrag über die Markise als Sonnenschutz sowie in der Podcast-Episode zu den besten Beschattungslösungen.
Markise am Fertighaus: niemals improvisieren
Eine Markise darf weder nur am Außenputz noch ausschließlich in der Dämmung oder einer dünnen Beplankung hängen. Lasst Befestigung, Lastannahmen, Abdichtung und thermische Trennung von Fachleuten auf den konkreten Wandaufbau abstimmen.
Luftdichtheit, Feuchteschutz und Wärmebrücken beachten
Die Gebäudehülle eines Neubaus muss dauerhaft luftundurchlässig ausgeführt sein. Diese Anforderung ist in § 13 des Gebäudeenergiegesetzes festgehalten.
Das bedeutet nicht, dass jede kleine Schraube in einer Innenbekleidung sofort die Luftdichtheit des gesamten Hauses gefährdet. Entscheidend ist, welche Schicht die luftdichte Ebene bildet, wo sie liegt und wie tief die Befestigung reicht.
Besonders aufmerksam solltet ihr bei folgenden Arbeiten sein:
- langen Schrauben und Durchgangsankern in Außenwänden,
- nachträglichen Kabel- oder Rohrdurchführungen,
- Montagen durch Dämmung und Außenputz,
- dem späteren Entfernen tief reichender Befestigungen.
Durchdringungen der Fassade müssen zusätzlich dauerhaft gegen Feuchtigkeit und Schlagregen geschützt werden. Metallische Komponenten brauchen einen geeigneten Korrosionsschutz.
Bei gedämmten Fassaden ist außerdem eine druckfeste und möglichst thermisch getrennte Lastübertragung erforderlich. Mehr über die unterschiedlichen Systeme erfahrt ihr in unserem Ratgeber zur Fassadendämmung beim Hausbau.
Verwendet für solche Anschlüsse keine improvisierte Universallösung. Abdichtungsstoffe, Montageelemente und Befestigungsmittel müssen zum Fassaden- und Wandsystem passen.
Beeinflusst das Bohren die Gewährleistung?
Eine gewöhnliche, fachgerechte Nutzung des Hauses führt nicht automatisch dazu, dass sämtliche Gewährleistungsansprüche entfallen. Entsteht ein Schaden jedoch durch eine ungeeignete oder fehlerhaft ausgeführte Eigenmontage, kann die Zuordnung der Verantwortung schwierig werden.
Ob und welche Ansprüche betroffen sind, hängt vom Vertrag, der Schadensursache und dem Einzelfall ab. Besonders bei Eingriffen in Tragkonstruktion, Fassade, Abdichtung oder luftdichte Ebene solltet ihr deshalb:
- die Montage vorab schriftlich mit dem Hausanbieter abstimmen,
- dessen Systemvorgaben einhalten,
- einen qualifizierten Fachbetrieb beauftragen,
- Pläne, Freigaben, Rechnungen und Fotos aufbewahren.
Weitere allgemeine Informationen findet ihr in unserem Beitrag zur Gewährleistung beim Fertighaus.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine technische und redaktionelle Orientierung. Vertragliche Ansprüche und Verantwortlichkeiten können sich je nach Bauvertrag, Montageauftrag und Schadensbild unterscheiden. Im konkreten Streitfall ist eine individuelle fachliche oder rechtliche Prüfung erforderlich.
Wandverstärkungen bereits bei der Hausplanung festlegen
Beim Fertighaus liegt ein großer Vorteil in der Vorfertigung: Verstärkungen lassen sich dort einbauen, wo ihr sie später tatsächlich benötigt. Dafür müsst ihr eure Einrichtung allerdings rechtzeitig mitdenken.
Geht Raum für Raum durch und markiert mögliche schwere Befestigungen:
- Wohnzimmer: TV, Medienwand, hängendes Sideboard, große Regale
- Küche: Hängeschränke, Haube, offene Regale, schwere Geräte
- Bad: Waschtisch, Spiegelschrank, Stützgriffe, Heizkörper
- Flur: Garderobe, Sitzbank, große Spiegel
- Hauswirtschaftsraum: Hängeschränke, Regalsysteme, technische Geräte
- Außenbereich: Markise, Vordach, Außenleuchten, Satellitenanlage, Rankhilfe
Übergebt eure Wünsche dem Fertighauanbieter oder Architekten möglichst mit Maßen, Montagehöhen und Produktinformationen. Eine vage Notiz wie „hier später TV“ genügt nicht, wenn noch offen ist, ob eine kleine feste Halterung oder ein großer Bildschirm an einem langen Schwenkarm geplant ist.
Diese Fragen solltet ihr dem Fertighausanbieter stellen
☐ Wie ist die betreffende Wand genau aufgebaut?
☐ Gibt es eine vollflächige Holzwerkstoff- oder Gipsfaserplatte?
☐ Wo liegen Holzständer, Riegel und Traversen?
☐ Welche Lasten sind unter welchen Bedingungen zulässig?
☐ Welche Schrauben beziehungsweise Dübel sind freigegeben?
☐ Darf die Last an beliebiger Stelle oder nur in Verstärkungszonen befestigt werden?
☐ Wo verlaufen Strom-, Wasser- und Lüftungsleitungen?
☐ Wo liegt die luftdichte Ebene der Außenwand?
☐ Erhalten wir einen Ständer-, Leitungs- und Verstärkungsplan?