Das barrierereduzierte Haus – Maßnahmen und Förderung

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Wer ein neues Haus baut, steht meist in der Mitte des Lebens und denkt wenig an Behinderung oder das Alter. Damit ihr in den selbst gebauten vier Wänden möglichst lange wohnen bleiben könnt, ist es aber äußerst sinnvoll, schon beim Hausbau an das Thema barrierefreies Wohnen zu denken.

Früher oder später ist jeder mit Einschränkungen beim Gehen, Sehschwächen oder Problemen mit dem Gleichgewicht konfrontiert. Gut, wenn man sich auf diese Lebensumstände rechtzeitig vorbereitet hat. Viele Ergänzungen, Nachrüstungen und Umbauten, wie beispielsweise Rampen oder Treppenlifte, lassen sich später wesentlich leichter umsetzen, wenn schon beim Neubau bestimmte Vorgaben eingehalten wurden.

Wenn bereits Einschränkungen der Mobilität vorliegen, sind Maßnahmen zum barrierefreien Wohnen unabdingbar. Doch auch wenn die Bewohner noch fit sind, bietet ein barrierereduziertes Haus Vorteile: Elektronische Assistenzsysteme erhöhen den Wohnkomfort und eine schwellenarme Bauweise verhindert häusliche Unfälle.

Barrierereduziert, barrierearm, schwellenarm – was bedeutet das eigentlich?

Barrierereduziert, barrierearm, behindertengerecht, seniorengerecht oder schwellenarm: Diese allesamt etwas sperrigen Begriffe sind nicht durchgängig definiert. Nur für die Begriffe „barrierefrei“ und „rollstuhlgerecht“ gibt es DIN-Vorgaben.

Unter all den genannten Begriffen werden zum einen bauliche Gegebenheiten zusammengefasst, also beispielsweise ein schwellenarmes Badezimmer, eine optimierte Wohnraumgeometrie oder auch die Rampe zur Wohnungstür. Zum zweiten sind damit intelligente Assistenzsysteme gemeint, die ein selbstständiges Leben trotz Einschränkungen ermöglichen, also beispielsweise Treppenlifte bzw. Fahrstühle oder Bedienelemente für Lichtschalter, Rollläden oder Türe. Barrierearm bauen ist also ein äußerst vielfältiges Thema!

Wer kann uns bei der Planung gut beraten?

Wer seinen Neubau mit einem Hausbauunternehmen oder Architekten plant, kann gleich bei der Auswahl darauf achten, dass es oder er über Erfahrungen im Bereich Barrierefreiheit hat. Vielleicht haben die Hausbauunternehmen oder der Architekt bereits einige gute Referenzobjekte, die ihr euch anschauen könnt.

Manchmal ist ein Gespräch mit einem Pflegestützpunkt hilfreich. Pflegestützpunkte beraten unabhängig zu allen Fragen der Pflege und wissen genau, worauf es in der Praxis ankommt.

Kommunen und Landkreise bieten zum Teil Beratungsstellen oder so genannte Seniorenbüros an, bei denen ebenfalls praxisorientierte Beratungsleistungen zum Thema barrierefrei Bauen in Anspruch genommen werden können.

Innerhalb des eigenen Gewerks ist auch der Handwerker ein guter Ansprechpartner. Er hat zwar nicht den Überblick über die Maßnahmen beim kompletten Neubau, kann aber über sein jeweiliges Fachgebiet sehr kompetent informieren, wie das Haus barrierereduziert gestaltet werden kann.

Maßnahmen des barrierereduzierten Bauens

Wer barrierearm bauen möchte, sollte systematisch die wesentlichen Aspekte prüfen und die Pläne gegebenenfalls so anpassen, dass später ohne großen Aufwand (und damit hohe Kosten) Anpassungen an veränderte Wohnbedürfnisse vorgenommen werden können.

Zugangswege zum Haus

Ist die Wohnungstür von außen überhaupt noch erreichbar, wenn der Bewohner einen Rollator oder Rollstuhl braucht? Rampen oder Lifte können helfen. Zwar gibt es für Rampen im privaten Bereich keine zwingend einzuhaltenden Vorgaben – sie sollten dennoch sicher und praktikabel sein.

Bei Rampen sollte ein bestimmter Neigungswinkel nicht überschritten werden. Die Rampe braucht zum Beispiel Platz, damit sie nicht zu steil wird. Sie sollte auch ausreichend breit sein – 120 cm sind ein gutes Maß.

Stufen sollten grundsätzlich trittfest sein und mit einem stabilen Geländer versehen sein. Eine leistungsstarke Beleuchtung reduziert die Gefahr des Stolperns in der Dämmerung oder in der Nacht.

Treppen und Stufen im Haus

Treppen und Stufen sollten so gebaut werden, dass bei Bedarf eine Rampe oder ein Lift nachgerüstet werden kann. Das bedeutet: Sie sollten vor allem bei einem Innendurchmesser unter 200 cm gerade verlaufen.

Die Trittstufen dürfen nicht über die Setzstufen ragen. Handläufe sollten so angebracht werden können, dass keine Unterbrechungen entstehen und sie oben und unten an der Treppe noch mindestens 30 cm in den Raum ragen.

Schwellenarmes Bad

Der Zugang zur Dusche sollte so beschaffen sein, dass keine Schwelle überwunden werden muss. Der Bodenbelag sollte rutschhemmend sein. Eine Badewanne kann mit Hilfe eines Badewannenlifts so gestaltet werden, dass die Bewohner sie auch bei Gehbehinderungen selbstständig nutzen können.

In einem barrierereduzierten Bad sollte auf einen Abstand zwischen Toilette und Wand von mindestens 20 cm geachtet werden. Der Waschplatz sollte auch im Sitzen genutzt werden können.

Allgemeine Raumausstattung

In einem barrierefreien Haus muss überall genügend Platz sein, um mit dem Rollator oder Rollstuhl bequem durchzukommen. Dafür sind Bewegungsflächen mit Mindestmaßen von 120 x 120 cm auf dem Flur, in den Räumen und gegebenenfalls auch auf dem Balkon vorgesehen. Zwischen den Räumen dürfen keine Schwellen sein – auch nicht bei der Tür zum Balkon oder zur Terrasse.

Türen und Fenster müssen einfach zu öffnen und zu schließen sein. Dafür müssen sich davor genügend große Bewegungsflächen befinden. Türen sollten mindestens 80 cm breit und 205 cm hoch sein.

Türklinken, Steckdosen und Lichtschalter sollten sich auf 85 cm Höhe befinden. Alle Bedienelemente sollten 50 cm Abstand zu Raumecken oder Begrenzungen haben.

Die Bodenbeläge müssen rutschhemmend und fest verlegt sein. Sie brauchen Kontraste und dürfen nicht blenden oder spiegeln.

Sicherheit und Bedienelemente

Mit elektronischen Assistenzsystemen beziehungsweise Smart Homes können weite Teile der Haustechnik gesteuert werden, ohne aufstehen zu müssen:

  • Lichtschalter
  • Türöffner
  • Heizung und Klimatechnik

Ruf- und Notrufsysteme sorgen im Ernstfall zudem für schnelle Hilfe, zum Beispiel im Falle eines Sturzes.

Fördermöglichkeiten

Von Förderdarlehen und Zuschüssen der KfW-Bank haben die meisten Häuslebauer schon gehört. Doch fast jedes Bundesland bietet darüber hinaus eigene Programme für Neu- und Umbauten. Wer eine Förderung bekommt und welche Maßnahmen förderungswürdig sind, entscheidet jedes Bundesland selbst. Meist ist eine Förderung von Einkommensgrenzen und der so genannten sozialen Dringlichkeit abhängig.

Eine komplette Übersicht über alle Fördermöglichkeiten findet ihr beispielsweise unter dem folgenden Link: https://barrierefrei.de/foerderung.

Wichtig für alle Anträge: Wenn ihr bereits mit dem Bau begonnen habt, ist es für einen Förderantrag in aller Regel zu spät. Wenn ihr barrierearm bauen und dabei eine der Fördermöglichkeiten nutzen möchtet, solltet ihr euren Förderantrag unbedingt rechtzeitig im Voraus stellen.

KfW-Förderung für Neubauten

Beim Neubau eines barrierereduzierten Hauses kann eine günstige Finanzierung aus dem Wohneigentumsprogramm 124 beantragt werden. Der effektive Jahreszins liegt bei unter zwei Prozent p.a. und die Darlehen punkten mit einer bis zu dreijährigen zinsfreien Anlaufzeit.

KfW-Förderung für Umbauten

Zur Förderung von Umbaumaßnahmen gibt es eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten mit günstigen Krediten und Zuschüssen. Für Modernisierungsmaßnahmen, die den Wohnkomfort und die Sicherheit erhöhen, ist bei der KfW unabhängig vom Alter ein Förderkredit in Höhe von bis zu 50.000 Euro möglich. Der Zuschuss beträgt bis zu 6.250 Euro.

Die Zuschüsse werden aus dem Bundeshaushalt finanziert. Ist der Zuschusstopf erschöpft, werden für das jeweilige Jahr keine weiteren Anträge mehr genehmigt. Damit die Fördermöglichkeiten der KfW genutzt werden können, muss ein entsprechend zertifizierter Fachbetrieb beauftragt werden.

Fazit: Aufwand, der sich lohnt

Sicher ist ein Hausbau ohnehin schon eine herausfordernde, anstrengende und zeitintensive Angelegenheit. Und jetzt sollt ihr auch noch barrierearm bauen? Unbedingt ja, denn die demografische Entwicklung zeigt, dass wir immer älter werden. Altersbedingte Einschränkungen gehen damit früher oder später einher. Dabei möchte man im Alter eigentlich in den eigenen vier Wänden bleiben, solange es geht.

Wer also beim Neubau vorausschauend geplant hat, steht mit 65 Jahren nicht vor der Frage „Umzug oder Komplettumbau?“, sondern kann bei Bedarf mit wenigen Kniffen und geringem Aufwand sein Haus barrierearm beziehungsweise barrierefrei machen – sofern es das nicht sowieso schon ist.

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