Der offene Grundriss – das moderne Bauen ohne Wände

offener-grundriss

Vielleicht kennt ihr das Problem: Gebäude, die schon manches Jahrzehnt überdauert haben, wirken oftmals verwinkelt. Viele kleine Zimmer bilden eine Etage. Das mag gemütlich wirken, lässt bei vielen Personen aber auch ein Gefühl der Einsamkeit entstehen. Besser sind dagegen offene Räume und flexible Wohnzonen.

Ein offener Grundriss – was ist das eigentlich?

Wenn ihr euer Traumhaus noch vor wenigen Jahren gebaut hättet, dann wäre beim ersten Termin mit dem Architekten ein ordentliches Maß an Kreativität gefragt gewesen, denn die Anordnung der einzelnen Zimmer im Innenbereich des Gebäudes stellt sich oftmals als komplexe Aufgabe heraus. Hier müssen immerhin Lösungen gefunden werden, die den Wünschen und den Bedürfnissen der Bewohner entsprechen.

Ein offener Grundriss weicht von diesem Konzept jedoch ab. Hier steht das Ziel im Vordergrund, möglichst wenige Türen und Wände zu installieren. Vermieden wird somit alles, was eine tatsächliche Trennung der einzelnen Bereiche bedeuten würde. Im Ergebnis entstehen flexible Wohnzonen, die fließend ineinander übergehen. Die Küche kann dabei direkt in das Esszimmer münden, der Wohn- geht in den Arbeitsbereich über.

Etwa seit der Jahrtausendwende liegt das Bauen ohne Trennwände ganz im Trend. Wände und Türen werden lediglich dort eingesetzt, wo sie unvermeidlich sind. Zu denken wäre hier an das Bad oder das Schlafzimmer, ebenso können natürlich andere sensible Bereiche des Hauses vor Blicken und dem Zutritt geschützt werden. Alle anderen Räume stehen dagegen in enger Verbindung zueinander. Gleiches gilt für die Bewohner: Offene Räume begünstigen die Kommunikation, sollen zu Gesprächen führen und das Miteinander fördern.

Besonders beliebt ist es dabei, die Küche mit dem Wohnbereich und dem Esszimmer als einen großen Raum zu planen. Im Umkehrschluss bedeutet solch ein Vorhaben natürlich auch, dass die Last des Gebäudes auf einigen wenigen Trägern liegt. Diese müssen besonders stabil sein und einer gewissen Statik entsprechen.

Welche Vorteile bringen flexible Wohnzonen mit?

Ein offener Grundriss erlaubt zunächst einmal eine Bewegung ohne Barrieren für Menschen und Möbel. Gerade Personen, die aufgrund des Alters, einer Erkrankung oder wegen körperlicher Schwächen auf Gehhilfen angewiesen sind, werden offene Räume also zu schätzen wissen. Auch das Licht kann sich ungehindert im gesamten Wohn- und Arbeitsbereich ausdehnen, was den Wohlfühlfaktor erhöht.

Erfahrungsgemäß lässt sich auf diese Weise über viele Stunden des Tages hinweg eine natürliche Helligkeit nutzen, die gänzlich ohne Strom und Lampen auskommt. Ein Vorteil, der die Haushaltskasse spürbar entlastet und der abermals der Sicherheit und der Vermeidung von Unfällen dient.

Ein weiterer Pluspunkt: Die miteinander verbundenen Zimmer wirken größer und transparenter, wodurch sich meist ein besonderer Komfort für die Bewohner einstellt. Denn es kann durchaus gemütlich sein, in einer loftartigen Wohnung zu leben, in der es keine klare Abgrenzung einzelner Räume mehr gibt.

Der Umstand, die anderen Personen jederzeit sehen und hören zu können, dient dem eigenen Wohlbefinden. Flexible Wohnzonen müssen zudem nicht bedeuten, dass es im gesamten Haus keine Möglichkeit des Rückzugs mehr gibt. Schließlich entscheidet ihr selbst, welche offenen Räume und welche abgeteilten Bereiche es geben wird. Wer einmal für sich alleine sein möchte, wird dazu auch künftig die Gelegenheit finden.

Letztlich dient ein offener Grundriss aber immer auch dem Kontakt zwischen den Menschen. Egal, ob es sich dabei lediglich um die Bewohner handelt – oder ob dann und wann auch Besuch zugegen ist. Das Konzept der fehlenden Wände führt zu einer Sicht- und Hörbarkeit der Anwesenden.

Das gesprochene Wort soll sich verbreiten können, das Gefühl der miteinander verbundenen Gemeinschaft nimmt zu. Sicherlich mag es hier und da einmal zum Streit kommen. Die nunmehr vorhandene offene Bauweise kann aber dabei helfen, für klare Verhältnisse zu sorgen. Das Beisammensein steht somit im Vordergrund – die Abgrenzung einzelner Personen wird vermieden.

Für wen eignet sich ein offener Grundriss?

Das Bauen ohne Trennwände gilt als modern. Es liegt zudem ganz im Trend des barrierefreien Grundrisses, der vor allem solche Menschen anspricht, die das Öffnen von Türen und das Übertreten von Schwellen als mühsam empfinden. Das Alter und körperliche Gebrechen können dazu führen, dass eine freie Bewegung im Haus nicht mehr möglich ist oder dass jede Wand als ein potenzielles Hindernis angesehen wird. Gerade Rollstuhlfahrer und Personen, die auf sonstige Gehilfen angewiesen sind, können sich flexible Wohnzonen daher besser erschließen. Auch ihnen wird damit eine Teilhabe an der gesamten Hausgemeinschaft ermöglicht.

Und diese Teilhabe ist es, die im Regelfall den Ausschlag für große und offene Räume gibt. Schon durch den Verzicht auf Wände wird die Interaktion der sich hier aufhaltenden Menschen erheblich begünstigt. Sich häufiger sehen, wieder vermehrt miteinander sprechen, in die Gedanken und Gefühle des Gegenübers einbezogen werden – es ist der Sozialgedanke, den ein offener Grundriss fördert.

Angesprochen werden damit Menschen, die gerne das Miteinander leben, die sich an der Anwesenheit von Familienmitgliedern und Gästen freuen oder die einfach nicht gerne alleine sein möchten. Denn klar ist auch: In transparenten Wohnbereichen gibt es immer etwas zu sehen und zu hören.

Offene Räume und flexible Wohnzonen sprechen darüber hinaus alle Bauherren an, die auf die Wertsteigerung ihrer Immobilie bedacht sind. Die Erfahrungen der letzten rund 20 Jahre zeigen, dass ein offener Grundriss nicht nur beliebt ist und bei Hausbesichtigungen immer häufiger nachgefragt wird – vielmehr sind Käufer auch bereit, dafür etwas höhere Preise zu zahlen.

Wenn ihr in der nahen Zukunft ein Haus bauen möchtet, dann wird euch der baldige Verkauf desselben natürlich noch nicht interessieren. Dennoch dürfte es sich lohnen, diesen kleinen Trumpf schon jetzt in der Hinterhand zu haben und ihn bei Gelegenheit jederzeit ausspielen zu können.

Worauf ist bei der Planung offener Räume zu achten?

Hat euch das Konzept überzeugt und soll ein offener Grundriss eure Traumimmobilie zieren, so bietet sich ein Gespräch mit dem Architekten an – alternativ ebenso mit dem Anbieter von Fertighäusern. Denn immer ist zu erfragen, welche Bedürfnisse und welche Wünsche ihr eigentlich umsetzen möchtet. Lassen sich diese in den transparenten Wohnbereich integrieren oder stehen sie ihm im Wege?

Dabei dürft ihr euren Vorstellungen freien Lauf lassen. Gerade beim ersten Austausch mit dem Architekten geht es schließlich darum, ein Haus zu erdenken, das ganz euren Ideen entspricht und in dem ihr euch wohlfühlen könnt.

Achtet dabei aber nicht alleine auf das Hier und Jetzt. Das Leben der Bewohner kann sich verändern. Vielleicht kommen Kinder hinzu – früher oder später werden sie das Haus verlassen. Fragt euch daher stets, ob flexible Wohnzonen und offene Räume für euch auch in wenigen Jahren noch so attraktiv sein werden wie ihr sie heute betrachtet.

Sicherlich ist es möglich, später einmal Trennwände zu errichten. Oftmals müssen dabei aber sämtliche Anschlüsse für Strom und Wasser neu verlegt werden, wodurch sich ein zusätzlicher Aufwand ergibt. Plant den Grundriss daher so ein, dass er auch in einigen Jahrzehnten noch alle eure Bedürfnisse erfüllt.

Unsere Erfahrungen zeigen darüber hinaus, dass die Bewohner immer auch einen Ort des Rückzugs wünschen. Neben den Schlafzimmern ist daher speziell für Kinder und Jugendliche ein eigenes Areal sinnvoll. Denn sie wollen sicherlich einmal ihre Ruhe haben, wollen ungestört in Büchern und Filmen versinken, möchten mit ihren Gedanken alleine sein. Wenn ihr dafür keine Räume abteilen möchtet, könnt ihr eine Abgrenzung im flexiblen Wohnbereich auch über die Belichtung, den Einsatz von Regalen als Trennwänden oder den Aufbau kleinerer Nischen erreichen.

Doch wie sieht es bei euch aus: Wirkt ein offener Grundriss für euer Bauvorhaben attraktiv oder setzt ihr weiterhin auf die klassische Variante mit abgegrenzten Zimmern?

Bildquelle: © Christian Hillebrand | stock.adobe.com

5 CommentsKommentar hinterlassen

Antwort hinterlassen

Your email address will not be published. Required fields are marked *