Bausachverständiger: Expertise für ein sorgenfreies Bauprojekt

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Beim Kauf oder Bau eines Hauses stehen erhebliche Summen auf dem Spiel. Ein Bausachverständiger kann euch dabei helfen, unangenehme finanzielle Überraschungen zu vermeiden und dringende Fragen zu beantworten. In diesem Artikel verraten wir euch, welche Aufgaben der Bausachverständige konkret übernimmt, wie er beauftragt wird und wann es sich lohnt, seine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Bausachverständige werden nicht nur von Bauherren beauftragt, welche die eigenen vier Wände errichten. Darüber hinaus spielt ihre Fachkenntnis beim Kauf eines Eigenheims eine zentrale Rolle.

Während fachliche Laien meistens nur auf offensichtliche Baumängel aufmerksam werden, erkennt ein Baugutachter weitere lauernden Gefahren. Daher lohnt es sich in einigen Fällen, ihn bei Unstimmigkeiten oder offenen Fragen heranzuziehen.

10 Aufgaben des Bausachverständigen beim Hausbau

Je nachdem, welcher Schritt beim Bau eures Eigenheims ansteht und welche Mängel vermutet werden, kann die Kompetenz des Bausachverständigen beim Hausbau auf ganz unterschiedliche Weise in Anspruch genommen werden.

Oftmals ist jedoch nicht ganz klar, in welchen Fällen euch ein Bausachverständiger unter die Arme greifen kann. Daher stellen wir euch im Folgenden die einzelnen Aufgaben des Bausachverständigen etwas genauer vor:

1. Baubegleitende Qualitätsüberwachung

In der baubegleitenden Qualitätsüberwachung überwacht der Bausachverständige kontinuierlich den Baufortschritt durch regelmäßige Baustellenbesuche. Er kontrolliert die Ausführung der Arbeiten auf Einhaltung der Baupläne, technischen Normen und Bauvorschriften. Dabei erkennt und dokumentiert er Baumängel frühzeitig und gibt Empfehlungen zur Mängelbehebung.

Zudem sorgt er für die Qualitätssicherung durch Überprüfung der verwendeten Baumaterialien und Bauprozesse. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass das Bauvorhaben termingerecht und qualitativ hochwertig abgeschlossen wird.

2. Erstellung von Gutachten

Bei der Erstellung von Gutachten bewertet der Bausachverständige den Zustand von Bauwerken und erkennt Baumängel oder Bauschäden. Er führt gründliche Inspektionen und Analysen durch, dokumentiert die Ergebnisse detailliert und erstellt einen umfassenden Bericht.

Der Bericht des Bausachverständigen enthält fundierte Empfehlungen zur Behebung der Mängel oder zur Sanierung. Die Gutachten dienen als wichtige Entscheidungsgrundlagen für

  • rechtliche Auseinandersetzungen,
  • Versicherungsfragen
  • oder Immobilienbewertungen,

indem sie objektive, fachkundige und nachvollziehbare Informationen bereitstellen.

3. Bauabnahme

Bei der Bauabnahme unterstützt euch der Bausachverständige durch eine gründliche Inspektion des fertigen Hauses. Er prüft die Ausführung der Bauarbeiten auf Übereinstimmung mit den Bauplänen, technischen Normen und vertraglichen Vereinbarungen. Dabei erkennt er eventuelle Baumängel und dokumentiert diese detailliert im Abnahmeprotokoll.

Der Sachverständige gibt Empfehlungen zur Mängelbehebung. Er sorgt dafür, dass diese innerhalb der Gewährleistungsfrist behoben werden. Durch sein Wissen stellt er sicher, dass euer Haus den Qualitätsanforderungen entspricht und rechtlich abgesichert übergeben wird.

4. Prüfung von Bauverträgen

Bei Bauverträgen nimmt der Bausachverständige die einzelnen Vertragsinhalte unter die Lupe. Er überprüft technische und rechtliche Aspekte, stellt sicher, dass alle Bauleistungen und -fristen detailliert festgehalten sind, und achtet auf faire Zahlungsbedingungen.

Außerdem identifiziert er potenzielle Risiken und Schwachstellen im Vertrag. Dadurch werden Fallstricke und Verklausulierungen vermieden, die euch auf den ersten Blick nicht aufgefallen wären.

5. Mängel- und Schadensdokumentation

Bei der Mängel- und Schadensdokumentation erfasst der Bausachverständige detailliert alle Baumängel und Bauschäden. Er untersucht deren Ursachen, dokumentiert die Befunde mit Fotos und Berichten und bewertet die Auswirkungen auf die Bauqualität.

Der Sachverständige erstellt zudem Empfehlungen zur Behebung der Mängel und Schäden. Diese Dokumentation dient als Grundlage für rechtliche Auseinandersetzungen, Versicherungsansprüche und die Koordination von Reparaturmaßnahmen, um die Bauqualität und Sicherheit eures künftigen Eigenheims zu gewährleisten.

6. Sanierungs- und Modernisierungsberatung

Bei der Sanierungs- und Modernisierungsberatung unterstützt der Bausachverständige Bauherren durch die Bewertung des aktuellen Zustands eines Gebäudes und die Identifizierung notwendiger Maßnahmen. Er erstellt Sanierungs- und Modernisierungskonzepte, empfiehlt geeignete Materialien und Techniken und schätzt die Kosten.

Zudem überwacht er die Durchführung der Arbeiten, um sicherzustellen, dass sie fachgerecht und nach aktuellen Bauvorschriften erfolgen. Seine Beratung zielt darauf ab, den Wert und die Energieeffizienz eures Hauses nachhaltig zu verbessern.

7. Schadensbewertung und -regulierung

Bei der Schadensbewertung und -regulierung analysiert der Bausachverständige die Ursachen von Bauschäden und bewertet deren Umfang und Auswirkungen. Er dokumentiert die Schäden detailliert und erstellt Gutachten, die als Grundlage für Versicherungsansprüche und rechtliche Schritte dienen.

Außerdem berät er euch über die besten Methoden zur Schadensbehebung und überwacht die Reparaturarbeiten. Ziel ist es, eine fachgerechte, faire und kosteneffiziente Lösung zu finden.

8. Streitbeilegung

Bei der Streitbeilegung fungiert der Bausachverständige als neutraler Mediator zwischen Bauherren und Bauunternehmen. Er bewertet objektiv die strittigen Punkte, erstellt Gutachten und bietet fachkundige Empfehlungen zur Konfliktlösung.

Durch seine Erfahrung klärt er technische Fragen, dokumentiert Mängel und Schäden und unterstützt bei Verhandlungen. Eine einvernehmliche und faire Lösungen sollen gefunden werden, um rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, die den Bauprozess verlangsamen und die Kosten erhöhen.

9. Energieberatung

Bei der Energieberatung bewertet der Bausachverständige den energetischen Zustand eines Gebäudes und identifiziert Einsparpotenziale. Er analysiert die Wärmedämmung, Heizungs- und Lüftungssysteme und den Energieverbrauch.

Daraufhin erstellt er ein umfassendes Energiekonzept mit Empfehlungen zur Verbesserung der Energieeffizienz, wie die Nutzung erneuerbarer Energien, Dämmmaßnahmen und moderne Heiztechniken. Zudem unterstützt er bei der Beantragung von Fördermitteln und erstellt Energieausweise.

10. Baustellenbegehungen

Bei Baustellenbegehungen überwacht der Bausachverständige regelmäßig den Fortschritt der Bauarbeiten. Er überwacht die Einhaltung der Baupläne, Bauvorschriften und Qualitätsstandards. Dabei erkennt und dokumentiert er frühzeitig mögliche Baumängel und Abweichungen.

Er bespricht notwendige Korrekturmaßnahmen mit den Bauunternehmen und stellt sicher, dass diese zeitnah umgesetzt werden. Des Weiteren dient er als Ansprechpartner für technische Fragen und Konfliktlösungen vor Ort.

Wann solltet ihr einen Bausachverständigen hinzuziehen?

Einem Bausachverständigen obliegen eine Menge Aufgaben. Kein Wunder, gibt es beim Hausbau eine Menge zu tun. Zudem können ein Pfusch am Bau oder falsch interpretierte Bauverträge ziemlich teuer werden, sodass es sich für euch als Laie durchaus lohnt, einen Experten zu beauftragen.

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Es gibt viele Gründe für den Bausachverständigen – Bild: © Vittaya_25 | stock.adobe.com

In der folgenden Auflistung haben wir zehn Beispiele für euch, wann ein Bausachverständiger vor, während und nach dem Hausbau relevant für euch werden könnte:

1. Baumängel während der Bauphase

Ein Bausachverständiger wird hinzugezogen, um die Bauqualität zu überprüfen und frühzeitig Mängel zu erkennen.

2. Abnahme des Hauses

Vor der offiziellen Abnahme stellt ein Bausachverständiger sicher, dass alle Arbeiten korrekt und vertragsgemäß ausgeführt wurden.

3. Kauf einer Bestandsimmobilie

Ein Bausachverständiger überprüft den baulichen Zustand der Immobilie und erkennt versteckte Mängel.

4. Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten

Ein Bausachverständiger bewertet den Zustand des Gebäudes und plant notwendige Sanierungsmaßnahmen.

5. Streitigkeiten mit Bauunternehmern

Ein Bausachverständiger beurteilt und dokumentiert objektiv Baufehler oder Vertragsverletzungen.

6. Energieberatung

Ein Bausachverständiger plant energetische Sanierungsmaßnahmen und erstellt einen Energieausweis.

7. Feuchteschäden und Schimmelbildung

Ein Bausachverständiger analysiert die Ursachen und plant geeignete Sanierungsmaßnahmen.

8. Wertgutachten

Ein Bausachverständiger ermittelt den aktuellen Marktwert einer Immobilie für Finanzierungen oder Verkäufe.

9. Baugenehmigungen und Bauvorschriften

Ein Bausachverständiger berät hinsichtlich der Einhaltung von Bauvorschriften und Genehmigungsanforderungen.

10. Mängelrügen nach Bauabnahme

Ein Bausachverständiger unterstützt bei der Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen gegenüber dem Bauunternehmer.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit einem Bausachverständigen ab?

Wollt ihr auf Nummer sicher gehen, könnt ihr die Bauphase von Anfang an von einem Bausachverständigen begleiten lassen. Dieser überprüft die Finanzierung, den Kaufvertrag und energetische Konzepte.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, regelmäßige Begehungen der Baustelle zu unternehmen. So können eventuelle Mängel, die zum Beispiel nur in der Phase des Rohbaus sichtbar sind, besser ausfindig gemacht werden.

Die Begleitung durch den Baugutachter kann bis zum Ende der Gewährleistungsfrist reichen, die in der Regel fünf Jahre beträgt. Denn zu den Aufgaben eines Bausachverständigen gehört es, einen Blick auf versteckte Mängel zu werfen, die womöglich erst nach dem Einzug festgestellt werden konnten.

Unterstützung während der Planung

Während der Planung eines Hauses begutachtet der Bausachverständige die Baupläne auf technische und rechtliche Mängel. Er berät euch bei der Auswahl geeigneter Materialien und Bauverfahren, um Qualität und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Zudem analysiert er die Kostenkalkulation, um finanzielle Risiken zu minimieren.

Der Sachverständige hilft auch bei der Vertragserstellung mit Bauunternehmen, um faire und transparente Bedingungen sicherzustellen. Durch seine Expertise in der Planung sorgt er dafür, dass das Bauprojekt von Anfang an solide und gut durchdacht ist.

Unterstützung während des Baus

Während des Baus überwacht der Bausachverständige regelmäßig die Baustelle, um die Einhaltung der Baupläne, Qualitätsstandards und Bauvorschriften sicherzustellen. Er erkennt frühzeitig Baumängel und dokumentiert diese, gibt Empfehlungen zur Behebung und sorgt für deren Umsetzung.

Er wirft außerdem einen Blick auf die verwendeten Materialien und untersucht Bauprozesse auf ihre Tauglichkeit und Sicherheit. Der Sachverständige dient für euch als Ansprechpartner für technische Fragen und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gewerken.

Bausachverständiger Kosten: Damit müsst ihr rechnen

Die Kosten für einen Bausachverständigen können stark variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits gibt es erhebliche regionale Preisunterschiede, andererseits unterscheiden sich der Arbeitsaufwand und die angeforderten Leistungen je nach Haus und spezifischen Anforderungen.

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Der Bausachverständige kostet Geld, zahlt sich oftmals jedoch aus – Bild: © snowing12 | stock.adobe.com

Energieberatung nach KfW-Richtlinien

Bei einem Einfamilienhaus müsst ihr für eine Energieberatung nach KfW-Richtlinien mit Kosten zwischen 700 und 1.000 Euro rechnen. Zusätzlich kann der Bausachverständige die Antragstellung bei der KfW übernehmen, einschließlich des dafür erforderlichen Sachverständigengutachtens, was etwa weitere 150 Euro kostet.

Beratung beim Hauskauf

Der Einsatz eines Bausachverständigen beim Hauskauf kann sich für euch durchaus lohnen. Bei einem Einfamilienhaus belaufen sich die Beratungskosten auf etwa 400 Euro.

Bei einem Zweifamilienhaus liegen sie zwischen 500 und 700 Euro. Diese Kosten decken die Begehung des Hauses und eine mündliche Beratung ab. Für schriftliche Berichte und Dokumentationen können zusätzliche Kosten anfallen.

Baubegleitung

Am höchsten sind die Kosten, wenn der Bausachverständige die komplette Baubegleitung übernehmen soll. Dies erfordert eine größere Anzahl von Terminen vor Ort und regelmäßige schriftliche Berichte.

Die Baubegleitung für ein typisches Einfamilienhaus wird derzeit mit 3.000 bis 6.000 Euro berechnet. Es ist zu bedenken, dass bereits kleinere, rechtzeitig entdeckte Mängel vor der Bauabnahme ausreichen können, um diese Kosten zu amortisieren.

Wählt den richtigen Partner zum Bauen

Einige Kosten für den Bausachverständigen spart ihr euch, wenn ihr euch von Anfang an für einen fairen, leistungsstarken und erfahrenen Baupartner entscheidet. Wie euch das gelingt, erfahrt ihr hier:

Richtigen Fertighausanbieter finden leicht gemacht: Mit diesen 9 Tipps klappt´s

Für wen lohnt sich der Bausachverständige?

Ob sich die Beauftragung eines Bausachverständigen in eurem Fall lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits spielt das Finanzvolumen des Projekts eine entscheidende Rolle. Je höher die Kosten des Hauses, desto größer sind auch die finanziellen Risiken durch mögliche Mängel.

Andererseits spielt eure Erfahrung beim Hausbau und das Fachwissen im Bauwesen eine bedeutende Rolle. Seid ihr beruflich in der Branche tätig, verfügt ihr oft bereits über ausreichende Kenntnisse, um die Bauqualität selbst einschätzen zu können.

Für Laien, die sich an ein Hausbauprojekt wagen, ist die Hinzuziehung eines Bausachverständigen natürlich sinnvoll. So wird verhindert, dass Baufehler übersehen werden und die Kosten für deren Beseitigung letztlich selbst getragen werden müssen.

Auch beim Kauf älterer Immobilien ist der Rat eines erfahrenen Bausachverständigen äußerst wertvoll. Er kann die notwendigen Renovierungskosten abschätzen und den Zustand der Immobilie beurteilen. Dies hilft potenziellen Käufern, die tatsächlichen Gesamtkosten, inklusive notwendiger Sanierungen, zu ermitteln und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wenn der Bausachverständige vom Kauf oder Bau des Hauses zum aktuellen Preis abrät, mag dies zunächst enttäuschend sein. Doch dieser Rat sollte als wertvolle Empfehlung verstanden werden, die euch vor unerwartet hohen Kosten schützt.

Die Kosten für einen Bausachverständigen können also immer eine sinnvolle Investition sein, um finanzielle und bauliche Risiken zu minimieren.

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Titelbild: © Natee Meepian | stock.adobe.com

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