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Richtlinien bei der Elektroinstallation – die gesetzlichen VDE-Vorschriften

In einem modernen und zeitgemäßen Wohnbereich sind funktionierende Elektroanlagen ein bedeutender Bestandteil. Auch für erfahrene Handwerker gelten für die Elektroinstallation Sicherheitskriterien, die ein fachgerechtes Schalten durch einen Elektroinstallateur erforderlich machen.

Wer sich beim Hausbau mit den Anforderungen für die elektrischen Anlagen befasst, wird mit der sogenannten Anwendungsregel VDE-AR-N 4100:2019-04 konfrontiert. Hierbei handelt es sich um die gesetzlichen Regelungen für die entsprechenden Zähleranlagen im Stromversorgungssystem.

Die neue Anwendungsregel trat zum 1. April 2019 in Kraft und löste die bisherige Regel ab. Ziel der überarbeiteten Normen und Richtlinien ist eine Berücksichtigung der Vorgaben im Bereich der Energiewende. Alte Netze waren an die Gegebenheiten großer Wärmekraftwerke angepasst. Das Vorantreiben der erneuerbaren Energien führt zu einem hohen Bedarf an geeigneten Installationssystemen, die den zugehörigen VDE-Vorschriften Rechnung tragen.

Die neue Anwendungsregel legt verbindliche Mindestanforderungen fest, die beim Hausbau bei der Einrichtung der Zählerplätze berücksichtigt werden müssen. Sie gelten für bewohnte Gebäude, bei denen ein Anschluss an das Stromversorgungs-Niederspannungsnetz besteht und eine direkte Messung gegeben ist.

Regelungen der Elektroinstallation

Die gesetzlichen Maßgaben rund um die elektrischen Installationen beim Hausbau sind in einer Vielzahl von Bestimmungen und Normen geregelt. Hierbei handelt es sich einerseits um Vorschriften, die durch den VDE definiert wurden und andererseits um verschiedene DIN-Normen (DIN = Deutsches Institut für Normung), die hierzu als Standards festgelegt wurden.

Die zahlreichen Richtlinien regeln vor allem:

  • das Verlegen von Leitungen,
  • die Verteilermontage,
  • die elektrischen Sicherungen (Überstromschutzeinrichtungen)
  • die Schutzschalter für den Fehlerstrom (FI-Schalter),
  • die Schutzschalter für Leitungen (LS-Schalter),
  • die Steckverbindungen zwischen Leitungen (Steckdosen),
  • die diversen Schalter und Bedienelemente (Taster).

Es gibt für jeden einzelnen Bereich eine eigene DIN-Norm, bis hin zur Mindestanzahl der vorgeschriebenen Stromkreise sowie Steckdosen für jeden einzelnen Raum des Hauses.

Nach der Installation ist eine finale Messung erforderlich, die aufzeigt, ob die getroffenen Schutzvorkehrungen auch tatsächlich wirksam sind. Diese Messung wird durch den Elektroinstallateur vorgenommen, der dafür zuständig ist, die gefährdungsfreie Schaltung der einzelnen Komponenten zu regeln.

Das Experten-Netzwerk VDE

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) ist ein Fachverband, der seit mehr als 125 Jahren besteht. Es wurde ursprünglich von Delegierten der in Deutschland ansässigen Elektrotechnik-Vereine gegründet mit dem Ziel, Normen und Richtlinien für die elektrotechnische Versorgung zu erarbeiten.

Über die Jahrzehnte hinweg wurde der VDE zu einem wissenschaftlich-technischen Fachverband, der international vernetzt ist und die jeweils aktuellen Energiegesetze als Maßstab seiner Arbeit setzt. Der Verband verzeichnet über 36.000 Mitglieder, wobei allein 1.300 Unternehmen und 1.600 Mitarbeiter gelistet sind.

Zu den wesentlichen heutigen Aufgaben der Organisation zählen die Normung, die wissenschaftliche Entwicklung und die Prüfung von Produkten. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main unterhält zahlreiche Landesvertretungen und Bezirksvereine und hat Niederlassungen im europäischen Raum, Nordamerika und Asien. Im Rahmen von Fachgesellschaften befasst sich der VDE mit Medizintechnik, Informationstechnik sowie Energie- und Elektrotechnik.

Im Bereich der elektrotechnischen Normung erarbeitet eine eigene Kommission die Richtlinien bei der Elektroinstallation. Sie basieren auf Sicherheitsbestimmungen, die deutschlandweit verbindlich sind und im Rahmen von Anwendungsregeln die Zuverlässigkeit der Funktionalität von Übertragungs- und Verteilernetzen gewährleisten.

Überblick über die VDE-Vorschriften

Die Anwendungsregel definiert die einzelnen Vorschriften im Rahmen von Mindestanforderungen, die in Bezug auf die Zählerplätze einzuhalten sind.

1. Zählerplatz-Aufbau

Ein Zählerplatz muss mehrere Funktionsflächen mit verbindlichen Maßen aufweisen. Hierzu zählen der anlagenseitige Anschlussraum, das Zählerfeld sowie der netzseitige Anschlussraum.

2. Technische Ausführung

Grundlage für die Zählerplätze sind ein Bemessungsstrom von 63 Ampere, eine Raumtemperatur unter 30 Grad Celsius und gesicherte Zählerfelder.

3. Anlagenseitiger Anschlussraum (AAR)

Die Vorgabe zur Unterbringung der Betriebsmittel sieht Hauptschalter, Freigaberelais, Übertragungsschnittstellen, Schutzschalter und Überspannungsschutz in einer definierten Anordnung vor.

4. Zählerfeld (ZF)

Die Maße sind festgelegt, und bei der Unterbringung ist Platz für die Messeinrichtung, sowie Zusatzanwendungen zu berücksichtigen.

5. Netzseitiger Anschlussraum (NAR)

Hierfür sind Richtlinien zur Einführung der Hauptleitung, zum Anschluss des Selektiven Leitungsschutzschalters (SLS) und zum Überspannungsschutz festgehalten.

6. Separate Zählerschrank-Spannungsabgriffe

Die Vorschriften beinhalten Maßgaben zur Spannungsversorgung und zum Schutz vor Überlastung und Kurzschluss.

7. Kommunikationstechnik

Im Zählerschrank ist ein Bereich für die Schnittstelle zwischen dem kommunikationstechnischen Übergabepunkt (Telefonanschluss) und dem Zählerschrank erforderlich. Dieser sogenannte Abschlusspunkt Zählerplatz (APZ) muss über eine Spannungsversorgung verfügen.

Durchführung der Elektroinstallation durch einen Fachmann

Häufig stellt sich beim Hausbau die Frage, ob die erforderlichen Elektroinstallationen von einem Fachmann durchgeführt werden müssen oder ob auch ein versierter Laie diese Aufgabe übernehmen darf. Der Gesetzgeber legt sich hier eindeutig fest. Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) schreibt vor, dass elektrische Installationen, die mit einem Anschluss an das öffentliche Elektrizitätsversorgungsnetz verbunden sind, ausschließlich durch einen Fachmann vorgenommen werden dürfen.

Darüber hinaus muss jede elektrische Anlage im Rahmen der VDE-Vorschriften von einer Elektrofachkraft abgenommen werden. Dieses Vorgehen erfolgt nach entsprechenden VDE-Prüfnormen, ist gesetzlich verpflichtend und mit einem Abnahmeprotokoll verbunden.

Lediglich Zuarbeiten, die mit dem Fachmann abzusprechen sind, können gegebenenfalls übernommen werden. Hierzu zählen Tätigkeiten, die im gänzlich stromlosen Zustand möglich sind, beispielsweise das Setzen von Unterputzdosen oder das Stemmen von Schlitzen. Die erforderlichen Arbeiten sollten jedoch immer mit dem Elektriker geklärt werden, der diese Vorarbeiten anschließend für die Installation nutzen soll.

Der Hintergrund für diese Richtlinien ist in der Definition der Elektrotechnik selbst begründet. Sie wird auch als „gefahrengeneigtes Handwerk“ bezeichnet und ist in der Ausübung mit einem Meisterbrief verbunden. Fehlerhaft installierte elektrische Anlagen sind grundsätzlich mit einer Vielzahl möglicher Folgeprobleme verbunden, deren Schäden ein erhebliches Ausmaß annehmen können.

In vollem Umfang haftbar

Elektroinstallationen, die unsachgemäß durchgeführt werden, können zu Überspannungen, Stromschlägen, Kurzschlüssen oder Kabelbränden führen. Im Ernstfall besteht Lebensgefahr für Dritte oder es entstehen möglicherweise Sachschäden in erheblicher Höhe.

Wer beim Hausbau die Elektroinstallation in die eigene Hand nimmt, ist in vollem Umfang für jeglichen damit verbundenen entstandenen Schaden haftbar. Dies gilt nicht nur für die genannten Personen- und Sachschäden, sondern auch für Leistungen von Herstellern.

Kommt es beispielsweise zu Defekten an im Haushalt befindlichen Elektrogeräten, die auf eine unsachgemäße Elektroinstallation zurückgehen, erlischt auch die Herstellergarantie für das betroffene Produkt.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Elektroinstallation beim Bau eures Hauses? Habt Ihr weitere Tipps und Anregungen? Wir freuen uns über einen Kommentar.

Bildquelle: jarmoluk | pixabay.de

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