Ein Trend zeichnet sich in immer mehr Immobilien ab: Das Wohnzimmer und die Küche verschmelzen zu einer Einheit, die nicht durch Türen und Wände voneinander getrennt ist. Doch worauf ist beim Umsetzen eines solchen Vorhabens zu achten?

Wer sich einmal die Grundrisse jener Häuser und Wohnungen ansieht, die bis weit in das ausgehende 20. Jahrhundert hinein erbaut wurden, der stellt oft eine Gemeinsamkeit fest: Die Anordnung der Räumlichkeiten erfolgte sehr strikt – Berührungspunkte zwischen den Zimmern gibt es kaum einmal.

Wände und Türen versperren die Sicht auf das Geschehen in den anderen Räumen. Für diese Gestaltung gab und gibt es sicherlich praktische Gründe. So sollte erreicht werden, dass in jedem Zimmer eine gewisse Abgrenzung möglich war. Wer wollte, konnte sich ein kleines Stück Privatsphäre bewahren, indem er lediglich die Türe schloss.

Das macht eine offene Küche aus

Die offene Küche weicht von diesem strengen Prinzip ab. Sie wird vielmehr derart frei begehbar gestaltet, dass sie kaum einmal von Wänden durchzogen wird. Herd, Kühlschrank und Schränke sind fest in einen größeren Wohnbereich integriert und somit untrennbar mit diesem verbunden.

Voraussetzung für eine solche Planung ist natürlich, dass der zu verwendende Raum auch tatsächlich groß genug ist, um einerseits die Küche, andererseits aber Tische, Sitzgelegenheiten, vielleicht auch den Fernseher und Bücherregale zu beherbergen. Allerdings weist ein derartiges Konzept neben diversen Vorzügen auch einige Nachteile auf.

Der Unterschied zur gewöhnlichen Küche

Die Grundidee einer offenen Wohnküche klingt innovativ. Tatsächlich ist der Gedanke aber beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Ursprünglich basierte diese Form der Planung auf dem engen Zusammenleben in Höhlen und kleinen Hütten. Aber auch in den fortschrittlichen Kulturen Asiens, Griechenlands und Roms war die Küche vielfach fest mit dem Wohnbereich verbunden.

Die offene Küche kehrt also ein wenig zu diesem früheren Gedanken zurück. Jedoch ist eine solche Gestaltung nur dann möglich, wenn die Immobilie die notwendigen Voraussetzungen dafür aufweist. Damit der Koch- und der Wohnbereich harmonisch miteinander verschmelzen, braucht es mehr als einen großen Raum.

Die offene Wohnküche zeichnet sich durch ein hohes Maß an Transparenz aus. So ist sie kaum einmal von Wänden und Türen umgeben. Ihr Interieur fügt sich nahtlos in den Wohnbereich ein. Auch ihre Schränke sind meist offen einsehbar gestaltet – Geschirr, Töpfe und Pfannen sind also für jedermann sichtbar.

Die offene Küche besitzt daher auch nicht die enge Aura eines isolierten Raumes – eher wirkt sie wie eine großzügige Einzimmerwohnung. Die Wege vom Herd zum Tisch sind dabei denkbar kurz. Nicht selten wird das Kochareal um eine kleine Bar ergänzt. Merkmale, die eine herkömmliche Küche nicht kennt.

Welche Vorzüge bietet die offene Wohnküche?

Bereits der Gedanke an so viel Transparenz lässt schnell die Vorahnung einer freien und ungestörten Kommunikation aufkommen. Alle im Raum befindlichen Personen können miteinander reden, gemeinsam Musik hören oder an dem im Fernsehen gezeigten Film teilhaben. Wer am Herd steht, ist also nicht ausgegrenzt.

Ein solcher Wohnbereich wirkt daher sehr lebendig und gesellig. Und wenn einmal keine Lebensmittel zubereitet werden, so verfügt das gesamte Areal doch über genügend Platz: Kinder können hier spielen, unterschiedliche Gruppen finden an den Tischen oder der Bar zahlreiche Möglichkeiten, um sitzend oder stehend ins Gespräch zu kommen.

Insgesamt reift somit eine transparente und beinahe grenzenlose Atmosphäre in dem Raum. Verschmelzen die offene Küche und der Wohnbereich zu einer harmonischen Einheit, so entfaltet das Ergebnis einen hohen Komfort. Kein Wunder, immerhin werden einengende Elemente entfernt, die Zahl der Wände wird auf ein Mindestmaß reduziert, die Koch- und Wohneinheit bietet jederzeit einen freien Blick.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Personen im Raum kann dadurch sogar gestärkt werden, das Zubereiten der Speisen reift zu einem gemeinschaftlichen Projekt – zu dessen Abschluss in geselliger Runde gegessen und getrunken wird. Eine offene Küche darf daher nicht nur als Koch- und Arbeitsbereich angesehen werden. Vielmehr fördert sie die Kommunikation und die Interaktion unter den Anwesenden.

Welche Nachteile kennt die offene Wohnküche?

Wer jedoch häufiger am Herd steht, weiß um die dabei auftretenden Geräusche, die entstehende Hitze und manchen Geruch, der beißend in die Nase steigen kann. Da stellt sich schon die Frage, ob derartige Unannehmlichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Wohnbereich stattfinden sollen?

Zumal sich insbesondere die unterschiedlichen Aromen in Stoffmöbeln, den Gardinen oder dem Teppich festsetzen – und somit auch langfristig wahrnehmbar sein dürften. Die nicht selten in der Küche aufkommende Hektik würde sich zudem unweigerlich auf die anwesenden Personen erstrecken, kleine Missgeschicke beim Kochen bleiben künftig niemandem verborgen.

Auch für die Kinder hält eine offene Küche einige Gefahren bereit. Insbesondere in jungen Jahren weiß der Nachwuchs oft noch nicht um die Risiken, die eine heiße Herdplatte oder das zu Boden fallende Messer in sich tragen können. Von den Eltern wird hier also ein umfangreiches Maß an Weitsicht eingefordert, um Verletzungen zu vermeiden.

Gleiches gilt immer dann, wenn die Immobilie auch von Haustieren bewohnt wird. Können diese ungestört durch das Küchenareal laufen und kommen sie dabei sogar mit den meist nicht verschlossen stehenden Töpfen und dem Geschirr in Kontakt, kann das schon sehr unhygienisch wirken – und manchem Gast den Appetit verderben.

Für wen eignet sich eine offene Küche?

Die Einheit zwischen Koch- und Wohnbereich bietet sich daher für alle Menschen an, die Wert legen auf eine gewisse Geselligkeit. Die Interaktion und Kommunikation unter den anwesenden Personen sollte das erklärte Ziel darstellen.

Der Bauherr darf sich daher auch nicht zu schade sein, Gäste beim Kochen zuschauen zu lassen. Und er sollte sich nicht dafür schämen, wenn verschmutztes Geschirr einmal herumsteht oder wenn die Kochnische nicht ganz perfekt aufgeräumt ist. Die gewünschte Transparenz erreicht eben dort ihre Grenzen, wo sich kleinere Mängel nicht mehr verstecken lassen.

Eine offene Wohnküche eignet sich darüber hinaus nicht für Menschen, die sich beim Arbeiten leicht ablenken lassen. Wird beim Kochen viel Aufmerksamkeit und Konzentration verlangt, können hörbare Gespräche, die Musik oder der laufende Film schon erhebliche Störquellen darstellen. Auch ist zu überlegen, ob ein frei begehbarer Kochbereich verwendet werden soll, wenn Kleinkinder die Immobilie bewohnen.

Der spielende, tobende oder krabbelnde Nachwuchs sollte mit heißen Töpfen und scharfen Messern nicht in Kontakt kommen. Hier wäre zu fragen, ob der Umbau zur offenen Küche nicht erst dann erfolgen soll, wenn die Kleinen bereits ein gewisses Alter und damit auch eine grundlegende Reife erworben haben, um die lauernden Gefahren zu erkennen.

Tipps zur Planung der offenen Wohnküche

Neben den vorgenannten Überlegungen ist es wichtig, die offene Wohnküche optimal zu entwerfen. Dabei gilt es, den vorhandenen Raum möglichst effektiv auszunutzen und den Wohnbereich somit harmonisch um die Kochnische zu ergänzen. Für Herd, Tisch und Schränke sollten mindestens 15 Quadratmeter eingeplant werden – mehr ist gerne gesehen.

Die Anordnung der Möbel passt sich ganz den Gegebenheiten vor Ort an: Ob das Interieur ein- oder zweizeilig aufgebaut wird, muss individuell beantwortet werden. Sogar eine L-, U- oder G-förmige Ausrichtung der gesamten Ausstattung kann erfolgen, wenn genügend Platz für die Küche vorhanden ist.

Erfahrungsgemäß ist aber auch zu beachten, dass die offene Küche über ausreichende Optionen zur Be- und Entlüftung verfügt. Wird das Steak in der Pfanne scharf angebraten, so entstehen nicht alleine unangenehme Gerüche.

Schnell kann der Wohnbereich unter dichten Rauchschwaden kaum erkennbar sein. Ist es nun nicht möglich, einen schnellen Abzug des Qualms zu gewährleisten oder möglichst viele Fenster zum Lüften zu öffnen, kann das Wohlbefinden der Gäste doch erheblich beeinträchtigt werden.

Eine offene Wohnküche stellt somit eine gute Idee für modernes Wohnen und effizientes Zusammenleben dar – sie sollte aber weitblickend und sorgfältig geplant werden, um alle ihre Stärken ausspielen zu können.

Bildquelle: vimarovi | Unsplash.com

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