Fertighäuser aus Holz sind besonders langlebig, aber warum eigentlich?

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Früher hieß es, dass ein Fertighaus ungefähr 50 Jahre hält. Ein großer Pluspunkt für Massivhäuser, die damals als weitaus robuster galten und sich damit an einer größeren Beliebtheit erfreuten. Aber wie sieht es heutzutage aus? In diesem Artikel möchten wir eine Lanze für Fertighäuser brechen, insbesondere für jene, die aus Holz gefertigt werden.

Es ist inzwischen sogar wissenschaftlich erwiesen, dass moderne Fertighäuser, besonders dann, wenn sie aus Holz gebaut sind, mit Blick auf ihre Lebensdauer neue Maßstäbe setzen. Dabei werden sämtliche gesetzlichen Anforderungen an die Wärmedämmung, den Luftaustausch und den Brand- und Schallschutz sogar übererfüllt. Gerade in der Holzbauweise können Fertighäuser mehrere hundert Jahre überdauern, vorausgesetzt, es wird von Anfang an Wert auf eine hohe Qualität gelegt.

Die Qualitätsgemeinschaft deutscher Fertigbau (QDF) hat sich diesbezüglich eine ganz besondere Frage gestellt:

„Wie lange hält ein Fertighaus?“

Unter diesem Aspekt hat sich die QDF intensiv mit den Qualitätskriterien, die die Lebensdauer eines Fertighauses auf mehr als 100 Jahre bringen, beschäftigt. Dabei kam die QDF zu dem Entschluss, dass die Art der Nutzung eine entscheidende Rolle spielt. Zum einen muss ein hygienisches Raumklima gemäß DIN 4108 gewährleistet sein und zum anderen braucht gerade ein Holzhaus eine regelmäßige Pflege und Wartung. Die meisten Hersteller von Holz-Fertighäusern nehmen QDF-Vorgaben sehr ernst und unterweisen ihre Kunden ausführlich mit ihren Pflege- und Wartungsanleitungen.

Das Fertighaus auf Augenhöhe mit dem Massivhaus

Das Fertighaus verfügt über einen sehr robusten Wandaufbau. Zudem halten die Außenwände äußeren Einflüssen problemlos Stand .

Die Einzelteile bei einem Fertighaus werden im Vorfeld in trockenen Fabrikhallen produziert. Das ist bei einem Massivhaus ganz anders, denn dessen Baumaterial ist zum Teil monatelang im Außenbereich Wind und Wetter ausgesetzt. Die Aufstellung eines Fertighauses dauert dagegen selten länger als eine Woche.

Bei Verwendung hochwertiger Baumaterialien und regelmäßiger Pflege und Wartung erreicht ein modernes Fertighaus eine Lebensdauer, die dem Massivhaus, das ebenfalls auf Reparaturen angewiesen ist, in Nichts nachsteht.

Hört passend hierzu gerne auch mal in unsere zweite Podcast-Episode rein:

Wie lässt sich die Lebensdauer eines Fertighauses erhöhen?

Pflege ist das Zauberwort, denn die meisten Baustoffe können nahezu ewig halten, geht man die Sache richtig an. Als Beispiel seien hier die viele Jahrhunderte alten Fachwerkhäuser genannt. Das Wichtigste ist der Schutz gegen die äußeren Witterungseinflüsse, wobei ein Hauptaugenmerk darauf zu legen ist, dass keine Feuchtigkeit nachhaltig eindringen kann, denn diese führt beim Baustoff Holz zu Schimmelbildung und Vermoderung.

Tatsächlich werden die häufigsten Verschleißerscheinungen durch mangelnde Objektpflege verursacht. Dies kann zu ganz erheblichen Wertminderungen eines Hauses führen. Insofern lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob ihr so einen angebotenen Wartungsvertrag mit den Herstellerunternehmen, der gegebenenfalls auch Garantien beinhaltet, abschließen solltet.

Natürlich besteht jedes Haus auch aus vielen unterschiedlichen Komponenten, die ihrerseits jede für sich genommen ein eigenes „Verfallsdatum“ aufweisen. Bei der Frage „Wie lange hält ein Fertighaus“ müssen wir in der Tat stark differenzieren.

Bauliche Elemente im Außenbereich

Ein Rohbau aus Holz hält mindestens 70 Jahre, die Regel sind aber eher 120 Jahre, wenn bei der Holzqualität und der Holzbehandlung nicht zu sehr gespart wurde. Bei der Fassade spielen das verwendete Material und die Oberflächenbehandlung eine entscheidende Rolle. Gut 20 Jahre sollten hierbei kein Problem sein, wenn regelmäßige Reinigungen und Pflege sowie hin und wieder Witterungsschutzbehandlungen durchgeführt werden.

Bei den Fenstern und Türen ist ebenfalls zu differenzieren, denn Produkte aus Metall oder Kunststoff halten durchaus 40 Jahre lang. Bei Türen und Fenstern aus Holz ist davon auszugehen, dass ein Austausch nach 30 Jahren ansteht.

Obwohl das Dach jeden Tag allen möglichen Witterungsbedingungen oder einer großen Schneelast ausgesetzt ist, hält eine Dacheindeckung mindestens 50 Jahre lang. Es sei denn, durch Sturm wird ein Baum umgeworfen, der das Dach teilweise zerstört und eine Neueindeckung erforderlich macht. Bei der Dachrinne solltet ihr von ungefähr 25 Jahren ausgehen, bis eine Erneuerung angesagt ist.

Bauliche Elemente im Innenbereich

Ein Innenputz auf der Wand hält grundsätzlich länger als im Außenbereich. Von circa 40 Jahren könnt ihr hierbei ausgehen. Tapeten werden im Zuge von Renovierungen deutlich früher ausgetauscht oder überklebt. Geht ihr aber nur von ihrer „Haltbarkeit“ aus, können sie bis zu 20 Jahre lang ihren Dienst leisten. Dielen und Parkett aus Echtholz halten je nach Stärke und Qualität zwischen 40 und 80 Jahren, während ein Teppichboden schon nach zehn Jahren sehr unansehnlich sein kann.

Die elektrischen Leitungen sollten nach ungefähr 40 Jahren erneuert werden. Innerhalb solcher Zeiträume ändern sich ohnehin die Sicherheitsstandards und gesetzlichen Vorgaben, sodass entsprechende Maßnahmen auch dann erforderlich sind, wenn die Kupferlitzen noch völlig intakt sind. Eine ähnliche Argumentation gilt für die Heizungsanlage, die zum Beispiel nach 20 Jahren möglicherweise nicht mehr die neueren Abgasvorschriften erfüllen kann. In dieser Sache wird euch der Schornsteinfeger, der stets über alle Bestimmungen im Bilde ist, gern beraten.

Das Fertighaus aus Holz ist besonders langlebig

Wie bei jedem anderen Haus müssen dringende Reparaturen unmittelbar in Angriff genommen werden. Wenn zum Beispiel die Heizung ausgefallen ist, kann es in kalten Winternächten schnell zum Bersten mehrerer Wasserleitungen kommen. Die sich daraus ergebenden Schäden sind dann gerade bei Holzhäusern kaum zu beziffern.

Was mindestens ebenso wichtig ist, das ist zum einen die Vorbehandlung und zum anderen die regelmäßige Pflege des Holzes. Viele Menschen sind heute keine Freunde von Holzschutzmitteln und/oder Imprägnierungsmitteln, weil sie davon ausgehen, dass dies ständige Quellen von Wohngiften sind. Im Prinzip ist das auch richtig. Allerdings gibt es da eine wesentliche Einschränkung.

Wenn das Holz bereits im Rohbau professionell behandelt wird und danach die Holzkonstruktion unter der Wärmedämmung und starken Gipskartonplatten verschwindet, ist die Gefahr gebannt. Solange solche Stoffe unangetastet unter Wandelementen fest verschlossen sind, geht keine Gesundheitsgefahr von ihnen aus. Erst dann, wenn sich Aktionismus breit macht und immense Sanierungsmaßnahmen vollzogen werden, vermischen sich die hochgradig gefährlichen Fasern mit dem Staub in der Luft.

Welche Vorteile hat eine lange Lebensdauer eines Fertighauses?

Keine Frage, je länger die Lebensdauer eines Fertighauses ist, desto mehr wird das Haus insgesamt dadurch aufgewertet. Die ersten Häuser dieser Art, die in Deutschland in den 1960er-Jahren produziert wurden, waren tatsächlich noch nicht von besonders hoher Qualität und man konnte froh sein, wenn sie überhaupt 50 Jahre lang gehalten haben. Weil bereits die zweite Generation oftmals mit einem kostspieligen Abriss konfrontiert war, hat dies dem Fertighaus einen relativ schlechten Ruf eingebracht.

Heute ist die Situation eine ganz andere. Wenn ein modernes Fertighaus 50 Jahre alt ist, werden noch gut und gerne zwei weitere Generationen darin ihr Glück finden. Das bedeutet auch, dass der Wiederverkaufswert zu diesem Zeitpunkt kaum geschmälert sein wird.

Eine prinzipielle Entscheidung darüber, ob ihr lieber ein Massivhaus oder ein Fertighaus baut, muss also nicht mit so endgültiger Konsequenz getroffen werden, wie das früher gewiss der Fall war. Fertighäuser sind robust, langlebig und genießen viele weitere Vorteile, wie zum Beispiel die kürzere Bauzeit, dass alles aus einer Hand kommt, eine gute Qualität der Baustoffe, eine individuelle Planung sowie eine hohe Energieeffizienz.

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