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Baufinanzierung im Alter: So macht ihr es richtig

Ihr habt euch jahrelang im Berufsleben engagiert, eure Rente ist gesichert, und bald naht der Ruhestand. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, noch einmal über den Erwerb von Wohneigentum nachzudenken. Doch leider macht die Bank unerwartete Schwierigkeiten, denn sie lehnt eine Baufinanzierung im Alter ab. Was sind die Hintergründe – und was ist jetzt zu tun?

Für euch ist es die Erfüllung eines großen Traums: Ihr möchtet ein Haus nach euren Wünschen bauen. Vielleicht wollt ihr eine bestehende Immobilie altersgerecht renovieren. Vielleicht möchtet ihr aber auch noch einmal ganz neu bauen und dabei eure Vorstellungen von eurem individuellen Traumhaus umsetzen. Doch schon beim ersten Gespräch mit der Bank tauchen unerwartete Probleme auf. Eure Bitte um eine Baufinanzierung im Alter wird abgelehnt.

Leider sind Ablehnungen von Darlehensanfragen für die Generation 50plus eher die Regel als die Ausnahme. Noch schlimmer ist es, wenn ihr bald in Rente geht oder schon Rentner seid. Die Bank geht dann davon aus, dass ihr nicht mehr lange genug lebt, um ein Darlehen vollständig zurückzuzahlen.

Aus diesem Grund genehmigt sie eine Baufinanzierung im Alter nicht. Unter Umständen verlangt sie eine so hohe Tilgung, dass die monatliche Rate für euer Darlehen sehr hoch wird. In dieser Situation tröstet es wenig, dass viele ältere Darlehensnehmer von ähnlichen Probleme berichten.

Die Altersgrenze bei der Vergabe von Baukrediten

Eine offizielle Vorgabe des Gesetzgebers zu einer Altersgrenze für die Genehmigung von Immobiliendarlehen gibt es nicht. Die meisten Banken setzen ein Höchstalter von 65 Jahren oder 70 Jahren für einen Darlehensnehmer fest.

Letztlich hat aber jede Bank ihre eigenen Regeln für eine Baufinanzierung im Alter. Diese sind für den Antragsteller nicht unbedingt nachvollziehbar. Ihr seid also gezwungen, euren Darlehensantrag bei der Bank einzureichen und die Antwort abzuwarten.

Allerdings liegt in der fehlenden gesetzlichen Regelung für eine Altersgrenze auch eine gewisse Chance. Es ist bei manchen Banken nämlich durchaus möglich, eine Baufinanzierung im Alter zu bekommen, wenn ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Sofern ihr ein paar hilfreiche Tipps rund um eure Immobilienfinanzierung beachtet, ist es leichter, doch noch einen Kredit zu vernünftigen Konditionen zu bekommen.

Der Einfluss der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR)

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie – kurz als WIKR bezeichnet – gilt seit 2016. Sie besagt im Kern, dass Immobilienkredite nur für Kreditnehmer genehmigt werden, bei denen man sicher ist, dass sie die Rate für das Darlehen auf lange Sicht bezahlen können.

Gerade im Hinblick auf das Alter sind die Regularien durch die WIKR strenger geworden. Bei der Genehmigung des Darlehens ist nun genau abzuwägen, ob der Kreditnehmer noch lange genug lebt, um seine Finanzierung vollständig zu bezahlen.

Bei ihrer Entscheidung für oder gegen die Genehmigung einer Baufinanzierung im Alter soll der Bankberater ein größeres Gewicht auf die voraussichtliche Lebenserwartung des Kreditnehmers legen. Häufig wird die Wohnimmobilienkreditrichtlinie sehr eng ausgelegt.

Studien wollen belegen, dass es in den Jahren 2016 und 2017 verstärkt zu Ablehnungen bei einer Baufinanzierung im Alter kam. Im Jahr 2018 soll sich die Situation nach neuen Untersuchungen jedoch verbessert haben. Durch die seit Mai 2018 geltende Immobiliar-Kreditwürdigkeitslinien-Verordnung kommt der statistischen Lebenserwartung wieder etwas weniger Bedeutung zu.

Nach dieser Vorgabe muss nur noch eine dauerhafte Bedienbarkeit der Finanzierung gewährleistet sein. Damit dürfte die Genehmigung einer Baufinanzierung im Alter wieder leichter werden.

Gründe, um im Alter zu bauen

Der Traum vom Bauen im Alter oder dem Kauf eines Eigenheims steht bei vielen Menschen sehr weit oben auf der Liste der Dinge, die sie im Lauf eines Lebens erledigen wollen. Doch gerade in jungen Jahren sprechen einige Gründe dagegen.

Zunächst muss man die Ausbildung und das Studium beenden. Danach heißt es, im Berufsleben Fuß zu fassen und sich die ersten Lorbeeren zu verdienen. Häufig wird zeitgleich eine Familie gegründet. Sobald Kinder kommen, arbeitet einer der beiden Partner nur noch Teilzeit, oder er bleibt vorübergehend ganz zu Hause. Damit sinkt das verfügbare Einkommen.

Werden die Kinder älter, können beide Partner wieder voll arbeiten gehen, doch dann fehlt oft die Zeit für den Bau oder den Kauf einer Immobilie mit anschließender Renovierung. Für viele Menschen ist es deshalb häufig sinnvoller, dieses Vorhaben auf den Zeitpunkt zu verschieben, wenn die Kinder aus dem Haus sind und wenn der Ruhestand vor der Tür steht.

Auflagen der Banken an Darlehensnehmer im Alter 50plus

Die Voraussetzungen der Kreditgeber für die Genehmigung einer Baufinanzierung im Alter sind häufig enorm. Angefangen bei einem Eigenkapitalanteil in Höhe von 50 bis 60 Prozent über eine Tilgung von fünf bis zehn Prozent pro Jahr reicht das Spektrum, das manche Darlehensnehmer zuerst zur Verzweiflung bringt.

Auch die Forderung nach einer Restschuldversicherung in Form einer Risikolebensversicherung kann im Raum stehen, wobei diese aufgrund des fortgeschrittenen Alters teuer wird oder gar nicht mehr abgeschlossen werden kann.

Die eine oder andere Bank mag bei einer Baufinanzierung im Alter einen Bürgen als zusätzliche Sicherheit verlangen für den Fall, dass der Darlehensnehmer seine Raten nicht mehr bezahlen kann.

Gefahren für den Bauherren bei einer Finanzierung im Alter

Die Befürchtungen der Bank, dass eine Baufinanzierung im Alter nicht vollständig zurückgezahlt wird, sind nicht ganz unbegründet. Als Bauherr und als Darlehensnehmer müsst ihr wissen, welche Pflichten auf euch zukommen, wenn ihr eure Raten für das Darlehen nicht mehr bezahlen könnt.

Ihr solltet auch eine Lösung für den Fall eures Todes finden. Denn unter Umständen müssen sich eure Hinterbliebenen dann um die Forderungen der Bank kümmern.

Tipps für eine Baufinanzierung im Alter

Im Prinzip haben die meisten Forderungen der Banken für die Vergabe eines Darlehens an Kreditnehmer im Alter von 50plus durchaus ihre Berechtigung. Setzt den Anteil an Eigenkapital deshalb so hoch wie möglich an.

Denkt auch an Lebensversicherungen oder Bausparverträge, die jetzt ausgezahlt werden und die ihr als Eigenmittel einbringen könnt. Je mehr Eigenkapital ihr aufbringt, desto niedriger ist euer Darlehen.

Vereinbart für eure Baufinanzierung im Alter eine hohe Tilgung. Vielleicht kommt ein Tilgungswechsel in Frage, durch den ihr die Höhe eurer Tilgung während der Laufzeit des Darlehens verändern könnt.

Nutzt die Möglichkeit, kostenfreie Sondertilgungen zu leisten, um das Darlehen schneller zu entschulden. Eine lange Zinsbindung sichert euch günstige Zinsen.

Als Zugeständnis an eure Bank könnt ihr euch allerdings mit einer kurzen Zinsbindung einverstanden erklären, um ihre Sicherheit zu erhöhen. Auch der Abschluss einer Restschuldversicherung ist bei einer Baufinanzierung im Alter sinnvoll.

Die Baufinanzierung im Alter ist kein unerfüllbarer Traum

Wenn ihr im Alter von 50plus bauen wollt und eine Finanzierung sucht, gibt es einige Stellschrauben, mit denen ihr arbeiten könnt. Nutzt diese Möglichkeit, um eurer Bank die Sicherheit zu geben, dass ihr eure Finanzierung zurückbezahlt. Dadurch erhöht ihr eure Chance auf die Genehmigung eurer Baufinanzierung im Alter deutlich.

Bildquelle: PICNIC_Fotografie | pixabay.com

2 Gedanken zu „Baufinanzierung im Alter: So macht ihr es richtig“

  1. Liebes Baumentor Team,
    danke für den informativen und verständlichen Beitrag.
    Meine Großeltern haben sich genug für die Rente angespart und wollen den Enkeln und oder mir ein Haus hinterlassen, da sie ja recht alt sind und kurz vor der Rente stehen, wurden sie bislang immer abgewiesen. Ich habe gerade gelesen, dass es ja doch möglich sei… gibt es bestimmte Banken, die einen Hausbau für so einen Fall finanzieren würden oder ginge das theoretisch überall?
    Ich danke schon mal im Voraus für die Antwort.

    Liebe Grüße
    Marie Kramer

    1. Hallo Frau Kramer,

      es kommt natürlich immer darauf an, über wieviel Eigenkapital ihre Eltern bereits verfügen und wie aufgeschlossen die Bank ist, einen Kredit zu bewilligen. Je höher das Eigenkapital, umso besser sind die Chancen. Bestimmte Banken können wir Ihnen leider nicht empfehlen, aber es ist für Ihre Großeltern ratsam, bei mehreren verschiedenen Banken nachzufragen und die aktuellen Vermögensverhältnisse vorzulegen.

      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei und drücken Ihnen die Daumen,
      Ihr BauMentor-Team.

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