Der erste Bausparvertrag in Europa geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Grund genug, um den Sparvertrag etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, die Vor- und Nachteile gegenüberzustellen und ein Fazit zu ziehen, ob der Bausparvertrag auch heute noch zeitgemäß für den Hausbau ist. 

Der Mensch hat verschiedene Existenzbedürfnisse wie Trinken, Essen und auch Schlafen – zudem kommen noch Grundbedürfnisse und Luxusbedürfnisse hinzu. Viele träumen von den eigenen vier Wänden, wobei, in der Regel, das Ersparte nicht ausreicht und eine Fremdfinanzierung benötigt wird. Wenn Sie schon in jungen Jahren an die Zukunft denken und einen Bausparvertrag abschließen, können Sie am Ende durchaus davon profitieren.

Bausparvertrag: Die Geschichte und der Ursprung

Schon im England des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Bausparverträge angeboten. In Birmingham wurde bereits im Jahr 1775 die erste Bausparkasse gegründet.

Da in den industriellen Ballungszentren eine akute Wohnungsnot herrschte, machte die Not erfinderisch. So verwirklichte eine Gruppe Menschen die Idee – wenn regelmäßige Sparleistungen aller eintrafen – jedem Einzelnen schneller das gewünschte Wohneigentum zu verschaffen.

Eine Idee, die sich durchgesetzt hat. Heute gibt es alleine in Deutschland mehr als 30 private und öffentliche Bausparkassen, die das britische Prinzip verfolgen.

Die drei Phasen des Sparvertrages

Beim Bausparen kommen zahlreiche Menschen zusammen, die in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Das Guthaben wird in weiterer Folge gesammelt und als Darlehen an die verschiedenen Sparer ausbezahlt.

Die Darlehen können dann für den Hausbau oder den Kauf einer Wohnung genutzt werden. Die Fremdfinanzierung wird in verzinsten Raten zurückbezahlt, sodass ein Kreislauf entsteht, bei dem die gewählte Bausparkasse als Verwahrer des Guthabens auftritt und auch für die Organisation zuständig ist.

Die Bausparverträge sind flexibel. Daher gibt es unterschiedliche Förderungen und verschiedene Verwendungsmöglichkeiten. Am Prinzip hat sich bis heute nichts geändert, weshalb sich der Bausparvertrag noch immer in drei Phasen untergliedert. Dabei handelt es sich um die Anspar-, die Zuteilungs- und die Darlehensphase, die wir Ihnen im Folgenden kurz erläutern:

1. Die Ansparphase

Befinden Sie sich in der Ansparphase, so sparen Sie Ihren Vertrag mit unregelmäßigen Beträgen oder in monatlichen Raten an, sodass Sie irgendwann ein zinsgünstiges Darlehen nutzen können. Ratsam ist, dass Sie mindestens 40 bis 50 Prozent der im Vorfeld vereinbarten Bausparsumme ansparen.

Für die Sparleistung werden Guthabenzinsen berechnet, die zum 31. Dezember gutgeschrieben werden und dafür sorgen, dass die Sparsumme steigt.

2. Die Zuteilungsphase

Die Zuteilungsphase haben Sie erreicht, sobald der Bausparer zuteilungsreif geworden ist. Das heißt, dass Sie das im Vorfeld vereinbarte Mindestsparguthaben angespart haben.

Ab diesem Zeitpunkt haben Sie das Recht auf ein Bauspardarlehen. Die Bausparkassen berechnen, ob und wann überhaupt der Vertrag zuteilungsreif ist. Für diese Berechnung wird eine bestimmte Bewertungszahl herangezogen, die je nach Bausparkasse unterschiedlich aufgebaut ist.

3. Die Darlehensphase

Da Sie einen Bausparvertrag haben, erwerben Sie einen Anspruch auf die Darlehensphase. Das Darlehen kann nach der Zuteilung des Vertrages ausbezahlt werden.

Das Kapital, das durch die Menschen, die sich noch in der Ansparphase befinden, in die Verträge fließt, wird Ihnen, sofern Sie in der Darlehensphase sind, ausbezahlt. Der Bausparer finanziert also den Darlehensnehmer.

Sie tilgen, wenn Sie zum Darlehensnehmer geworden sind, das Darlehen mit den Raten, sodass abermals Geld zur Verfügung steht. Dieses kann schließlich als Bauspardarlehen ausbezahlt werden. Zuerst sind Sie also der Bausparer, während Sie im Anschluss zum Darlehensnehmer werden.

Die Vorteile des Bausparvertrages

Ein Bausparvertrag ist eine Kombination aus Sparanlage und Darlehensoption, mit der Sie nach einer bestimmten Dauer eine Immobilie oder den Hausbau finanzieren können. Zu beachten ist, dass es sich um eine sehr sichere Anlageform handelt, die zudem auch recht flexibel ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie auch Zuschüsse vom Staat erhalten – etwa im Rahmen einer Arbeitnehmersparzulage oder auch durch eine Wohnungsbauprämie. Das Darlehen, das Ihnen optional zugesichert wurde, müssen Sie aber nicht zwingend aufnehmen, wenn Sie dieses dann doch nicht benötigen.

Die Entscheidung, ob Sie das Geld für den Hausbau oder den Kauf einer Immobilie verwenden oder auf das Darlehen verzichten, können Sie erst Jahre später treffen.

Die Nachteile für Bausparer

Derzeit gibt es nur sehr schwache Guthabenzinsen. Sie müssen daher davon ausgehen, dass die Sparsumme nur sehr langsam steigt. Zudem profitieren von den Zuschüssen nur Personen, die ein geringes Einkommen haben – Besserverdiener erfüllen in der Regel nicht die Voraussetzungen, sodass Sie keine staatlichen Förderungen bekommen.

Denken Sie auch an die Abschlussgebühr, die zwischen 1,0 bis 1,5 Prozent liegt und nach dem Abschluss fällig wird. Wird eine Bausparsumme von 50.000 Euro erreicht, müssen Sie eine Gebühr zwischen 500 und 750 Euro bezahlen.

Zudem gibt es noch weitere Kosten – wie etwa die Kontoführungsgebühr, die Sie berücksichtigen müssen. Schlussendlich fressen derartige Kosten auch die Sparsumme auf.

Sind Bausparverträge noch zeitgemäß?

Auch wenn Bausparverträge – so scheint es – immer unattraktiver werden, handelt es sich noch immer um eine sehr gute Lösung, wenn Sie sich den Traum der eigenen vier Wände erfüllen wollen. Möchten Sie jedoch kein Bauspardarlehen aufnehmen oder haben Sie bereits eine Finanzierung am Laufen, sollten Sie mitunter eine andere Anlageform wählen. Die Zinsen sind derart unattraktiv, dass Sie womöglich nur geringe Gewinne erzielen werden.

Haben Sie einen Bausparvertrag, um den Bau Ihres Fertighauses zu finanzieren? Wenn ja, dann verraten Sie uns gerne in den Kommentaren, warum Ihre Entscheidung auf diese Form des Sparens fiel oder welche Erfahrungen Sie mit dem Bausparvertrag gemacht haben.

Bildquelle: blickpixel | pixabay.de

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