Bauen mit Luftraum: So plant ihr Häuser mit offenen Galerien richtig

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Richtig geplant und ausgeführt kann eine offene Galerie im eigenen Haus zahlreiche Vorteile mit sich bringen. Nicht nur das, sie sorgt auch für ein einzigartiges Raumgefühl und avanciert zu einem echten Hingucker. Was ihr sonst noch über das Bauen mit Luftraum wissen solltet, verraten wir euch in diesem Beitrag.

Ist die Entscheidung für den eigenen Hausbau gefallen, folgt zumeist recht schnell die Planung des späteren Grundrisses. Für viele angehende Bauherren stellt sich spätestens in diesem Prozess die Frage, ob sie eine große oder kleine Galerie im Haus unterbringen möchten.

Eine offene Galerie verspricht nicht nur ein großzügiges Raumgefühl und sehr viel Tageslicht, der Luftraum trägt mit seinem besonderen Gefühl der Transparenz zu einem gesteigerten Wohnwert und einem individuellen Wohnprofil bei. Falsch geplant kann eine offene Galerie allerdings auch schnell zu einem anhaltenden Störfaktor werden, der die Idylle des zukünftigen Zuhauses wesentlich beeinträchtigt.

Wann man von einer offenen Galerie im Haus spricht

Als offene Galerie wird in baulichen Kontexten generell jener Freiraum bezeichnet, der sich ergibt, wenn das Obergeschoss nicht auf der gesamten Hausfläche ausgeführt wird und somit ein ununterbrochener architektonischer Raum vom Erdgeschoss bis zum Dach des Gebäudes entsteht. Begleitet wird dieser offene Luftraum oftmals von einem Laufgang, der die freie Fläche umrandet und dabei die Zimmer des Obergeschosses verbindet.

Der Bau derartiger Galerien geht zumeist mit bestimmten funktionalen Ideen – wie etwa der Schaffung eines Arbeitsortes mit weitläufiger Aussicht – einher. Als gestalterisches Element sorgen offene Galerien vor allem für ein uneingeschränkteres Raumgefühl sowie für die Zunahme der natürlichen Raumhelligkeit durch die größere Einfallfläche an Tageslicht.

Die optimale Platzierung offener Galerien

Prinzipiell kann eine offene Galerie in jedem Raum umgesetzt werden, der über eine ausreichende Deckenhöhe verfügt. Trotzdem haben sich in der modernen Architektur vor allem drei Anwendungsformen etabliert, die jeweils spezifische Ideen und Konzepte zum Ausdruck bringen.

Zu den häufigsten Varianten einer offenen Galerie zählt sicherlich der erweiterte Luftraum im Treppenhaus und im Flur. In diesen Fällen wird die Treppe zumeist freistehend oder einseitig freistehend angelegt und das Geländer im Obergeschoss als Begrenzung des Laufgangs fortgeführt. Nicht nur gewinnt der ansonsten oftmals rein funktionale Flur durch diese Bauform an Offenheit und Transparenz – im selben Moment sorgt eine offene Galerie in diesem Bereich stets für einen eindrucksvollen und eleganten ersten Eindruck.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Umsetzung einer Galerie in Schlaf- und Kinderzimmern, durch welche sich der Raum etwa effektiv in eine Ruhe- und eine Arbeitszone unterteilen lässt. Häufig wird hierzu einfach eine Zwischenebene in den vorhandenen Raum eingezogen, um somit mehr Wohn- beziehungsweise Nutzfläche zu kreieren. Diese Variante lohnt sich insbesondere in Altbauwohnungen, in denen die teils sehr großzügigen Deckenhöhen ausreichend Spielraum für entsprechende Erweiterungen bieten.

Ein Haus mit Galerie im Wohnzimmer stellt hingegen für viele Menschen die optimale Variante eines Luftraums dar. Denn gerade in diesem Bereich der Wohnung erzeugen erweiterte Deckenhöhen ein besonderes Gefühl der Transparenz und Weitläufigkeit. Zudem lässt sich eine offene Galerie dort sehr gut mit funktionalen und repräsentativen Zwecken – wie etwa einer mehrgeschossigen Bücherwand – verbinden.

Allerdings gilt es bei einem Haus mit Galerie im Wohnzimmer stets zu beachten, dass der Luftraum einen unmittelbaren Eingriff in die alltägliche Wohnsituation darstellt. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, die damit verbundenen Vor- und Nachteile vorab sorgfältig abzuwägen.

Welche Vorteile eine offene Galerie mit sich bringt

Ganz gleich, ob es sich um eine große oder kleine Galerie im Haus handelt, jeder Luftraum nimmt letztlich einen direkten Einfluss auf das gemeinsame Zusammenleben in dem eigenen Zuhause. Beim Bauen mit Luftraum lohnt es sich deshalb stets, die folgenden Aspekte im Hinterkopf zu behalten und sich bereits während der Planungsphase über die eigenen Prioritäten klar zu werden.

Zu den entscheidenden Vorteilen einer offenen Galerie zählt sicherlich, dass eine entsprechende Erweiterung des architektonischen Raums für mehr Offenheit und Transparenz innerhalb des Gebäudes sorgt. So weckt die besondere Raumhöhe nicht nur ein Gefühl der Größe und Weite, sondern es lässt sich durch den gezielten Einsatz von Glaselementen zusätzliches Tageslicht in das Haus leiten und eine visuelle Verbindung zu der landschaftlichen Szenerie im Außenraum herstellen. Neben dem gesteigerten Wohnwert erhöht eine offene Galerie häufig den repräsentativen Charakter des Innenraums.

Richtig konzipiert und umgesetzt kann eine offene Galerie darüber hinaus zur Schaffung von weiterem Arbeits- und Nutzraum dienen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die verfügbare Höhe – wie etwa bei der Realisierung einer mehrgeschossigen Bücher- oder Gemäldewand – gezielt für innenarchitektonische Maßnahmen herangezogen wird. Die Unterteilung einzelner Zimmer mit einer Zwischenebene ermöglicht außerdem selbst in kleinen Räumen eine effektive Trennung von Arbeits- und Wohnbereich.

Mit ihrem offenen Charakter können Lufträume im selben Moment positiv zur Kommunikation und sozialen Interaktion innerhalb der Familie beitragen. Denn innerhalb eines Gebäudes wirkt ein Luftraum zumeist wie ein verbindendes Element, das die klare Abgrenzung zwischen einzelnen Räumen oder Stockwerken aufhebt. Somit stellen offene Galerien die besondere Option für Rückzugsräume bereit, die zum ungestörten Arbeiten einladen, in denen man aber nicht gänzlich vom restlichen Wohngeschehen abgeschnitten ist.

Was es bei offenen Galerien zu beachten gilt

Trotz ihrer zahlreichen Vorteile bringen offene Galerien für gewöhnlich auch Einschränkungen mit sich, die es bereits im Vorfeld zu überdenken gilt. So geht der Bau einer offenen Galerie in der Regel unmittelbar mit einem Verlust an potenziellem Wohnraum einher, da sich die freie Raumhöhe nur bedingt für Einrichtungszwecke nutzen lässt. Insofern sollte stets darauf geachtet werden, dass ausreichend Platz in dem Gebäude zur Verfügung steht.

Zusätzlich dazu können offene Galerien ebenso zu akustischen und geruchlichen Beeinträchtigungen beitragen. Da die einzelnen Stockwerke bei einer offenen Galerie durch eine direkte Luftschleuse verbunden sind, breiten sich vorhandene Geräusche und Gerüche schneller im gesamten Haus aus. Dies kann erfahrungsgemäß vor allem bei Familien mit mehreren Kleinkindern zu einem anhaltenden Problem führen.

Darüber hinaus ist die Umsetzung von offenen Galerien häufig mit zusätzlichen baulichen Maßnahmen verbunden. So gilt es bereits bei der Planung, bauliche Vorkehrungen gegen das Entstehen von Zugluft und das unkontrollierte Entweichen von Wärmeenergie durch den Luftraum miteinzubeziehen.

Als ebenso zentral zeigen sich bauliche Maßnahmen, die eine ausreichende Lärmdämmung, die sichere Nutzung von Galeriegang und Treppe sowie eine angemessene Versorgung mit Licht gewährleisten. Aufgrund der zusätzlichen Planungs- und Bauarbeiten ist bei der Umsetzung von offenen Galerien folglich in der Regel mit einem erhöhten Zeit- und Kostenaufwand zu rechnen.

Für wen sich der Bau einer offenen Galerie im eigenen Haus lohnt

In Anbetracht der aufgezeigten Aspekte lässt sich festhalten, dass sich eine offene Galerie im eigenen Haus vor allem für Menschen empfiehlt, die eine klare Vorstellung von ihrem zukünftigen Zuhause haben und einen Luftraum somit bereits in der frühen Planungsphase ästhetisch und funktional in die Gesamtarchitektur des Gebäudes einbinden können. Als ein weiteres wichtiges Kriterium zeigt sich zudem die ausreichende Verfügbarkeit von Wohnraum, da dieser üblicherweise selbst durch eine kleine Galerie im Haus wesentlich reduziert wird.

Um die Vorzüge einer offenen Galerie langfristig genießen zu können, sollte darüber hinaus auch das mögliche Auftreten akustischer und geruchlicher Beeinträchtigungen in Erwägung gezogen werden. Während sich diese Faktoren im Falle eines Paares oder einer Kleinfamilie leichter kontrollieren lassen, tragen offene Galerien in Haushalten mit mehreren Kindern eventuell dauerhaft zu einer angespannten Wohnsituation bei. Dies gilt insbesondere für ein Haus mit Galerie im Wohnzimmer, da dieser Raum häufig den zentralen Lebensmittelpunkt des familiären Zusammenlebens einnimmt.

Bildquelle: © Karin & Uwe Annas | stock.adobe.com

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