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Seit der Einführung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hat sich beim Hausbau vieles verändert. Für angehende Bauherren bringt das Gesetz klare Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden mit sich – und damit auch neue Herausforderungen, aber ebenso Chancen. Wir erklären euch, was hinter dem Gebäudeenergiegesetz steckt, welche Vorgaben gelten und was das für euren Hausbau bedeutet.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt seit 2020 die energetischen Anforderungen an Neubauten und Bestandsgebäude in Deutschland. Es fasst frühere Regelwerke wie die
- Energieeinsparverordnung (EnEV),
- das Energieeinspargesetz (EnEG) und
- das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)
in einem einheitlichen Gesetz zusammen.
Ziel des GEG ist es, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern.
Für euch als Bauherren bedeutet das: Wer ein Haus baut, muss die gesetzlichen Anforderungen an den Primärenergiebedarf, die Wärmedämmung und die Heiztechnik erfüllen. Das GEG sorgt somit für mehr Klarheit und einheitliche Standards beim energieeffizienten Bauen.
Aktuelle Änderungen im Gebäudeenergiegesetz 2025
Mit der jüngsten Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, die 2025 in Kraft tritt, treibt die Bundesregierung die Energiewende im Gebäudesektor weiter voran. Eine zentrale Neuerung betrifft Heizungen: Ab 2025 müssen neu installierte Heizsysteme zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das gilt sowohl für Neubauten als auch für Heizungserneuerungen im Bestand.
Darüber hinaus gilt künftig der Effizienzhausstandard EH55 als Maßstab für Neubauten. Damit dürfen Wohnhäuser nur noch 55 Prozent der Primärenergie eines Referenzgebäudes verbrauchen.
Diese Verschärfung betrifft insbesondere Bauherren, die ihre Planung noch auf ältere Energiestandards ausgerichtet haben. Eine frühzeitige Anpassung der Bauplanung ist daher unerlässlich.
Übergangsregelungen für das Gebäudeenergiegesetz 2025
Viele Bauherren fragen sich, ob bereits begonnene Projekte den neuen Anforderungen entsprechen müssen. Grundsätzlich gilt:
✓ Bauvorhaben, die vor dem 1. Januar 2025 genehmigt wurden, dürfen noch nach den alten GEG-Regeln fertiggestellt werden.
✓ Bei Heizungsanlagen gibt es Übergangsfristen von bis zu drei Jahren, insbesondere wenn eine Modernisierung geplant, aber noch nicht umgesetzt ist.
✓ Wer sich unsicher ist, sollte die Bauaufsicht oder einen Energieberater konsultieren – denn je nach Bundesland können zusätzliche Fristen oder Sonderregelungen gelten.
Welche Pflichten ergeben sich für Bauherren?
Das Gebäudeenergiegesetz betrifft euch in mehreren Punkten:
1. Energieausweis
Jedes neue Wohngebäude muss über einen Energieausweis verfügen, der die energetische Qualität des Hauses dokumentiert. Der Ausweis zeigt, wie effizient das Gebäude im Vergleich zu ähnlichen Objekten ist, und dient später auch als Nachweis beim Verkauf oder der Vermietung.
Wichtig ist, dass er von einem qualifizierten Energieberater erstellt wird und auf aktuellen Berechnungen beruht. Ihr solltet darauf achten, dass alle verwendeten Materialien und technischen Anlagen korrekt angegeben sind, um spätere Nachbesserungen zu vermeiden.
2. Nachweispflicht
Ihr müsst nachweisen können, dass euer Haus die energetischen Anforderungen des GEG erfüllt. Diese Nachweise werden meist über Berechnungen des Energiebedarfs und der Transmissionswärmeverluste geführt.
In der Praxis übernimmt das häufig euer Architekt oder Energieberater, der die Unterlagen beim Bauantrag einreicht. Eine sorgfältige Dokumentation ist hier entscheidend, da fehlende Nachweise zu Verzögerungen bei der Baugenehmigung oder zu Bußgeldern führen können.
3. Erneuerbare Energien
Bei Neubauten ist die Nutzung erneuerbarer Energien verpflichtend – etwa über eine Wärmepumpe, eine Solarthermie- oder Photovoltaikanlage. Ihr könnt auch hybride Systeme einsetzen, die mehrere Energiequellen kombinieren, um den geforderten Anteil zu erreichen.
Wichtig ist, dass die Anlage dauerhaft betrieben und fachgerecht gewartet wird, damit sie die geforderte Effizienzleistung erbringt. Wer diese Verpflichtung ignoriert, riskiert nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern auch höhere Betriebskosten über die Lebensdauer des Gebäudes hinweg.
4. Dämmung
Außenwände, Dach und Fenster müssen so ausgelegt sein, dass sie den vorgeschriebenen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) einhalten. Das bedeutet, dass hochwertige Dämmstoffe und Fenster mit Dreifachverglasung heute praktisch Standard sind.
Eine gute Dämmung reduziert nicht nur den Heizenergiebedarf, sondern verbessert auch den sommerlichen Wärmeschutz – ein wichtiger Faktor für den Wohnkomfort. Achtet außerdem darauf, dass Wärmebrücken vermieden werden, da sie den Energieverbrauch und das Schimmelrisiko deutlich erhöhen können.
Welche Auswirkungen hat das Gebäudeenergiegesetz auf die Baukosten?
Energieeffizientes Bauen erfordert in der Regel höhere Investitionen, insbesondere bei der Gebäudedämmung und der Heiztechnik. Eine Wärmepumpe oder Photovoltaikanlage verursacht anfangs höhere Kosten, senkt aber langfristig die Betriebskosten erheblich.
Zudem könnt ihr von staatlichen Förderprogrammen profitieren – etwa über die KfW-Förderung für klimafreundliche Neubauten. Diese unterstützt energieeffiziente Bauvorhaben mit zinsgünstigen Krediten und Tilgungszuschüssen.
Wer frühzeitig plant und die Anforderungen des GEG berücksichtigt, kann so seine Gesamtkosten senken und gleichzeitig die Umwelt schonen.
So plant ihr euer Haus GEG-konform
Um sicherzustellen, dass euer Neubau den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes entspricht, solltet ihr folgende Schritte beachten:
1. Frühzeitige Energieberatung
Lasst euch bereits in der Planungsphase von einem Energieberater begleiten. Dieser analysiert euer Bauvorhaben und erstellt einen individuellen Energieplan, der alle gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt.
Durch seine Beratung könnt ihr frühzeitig Einsparpotenziale erkennen und Fördermöglichkeiten gezielt nutzen. Außerdem sorgt der Energieberater dafür, dass alle relevanten Berechnungen für den Bauantrag korrekt erstellt werden.
2. Ganzheitliche Planung
Bezieht Heizung, Dämmung, Fenster, Lüftung und erneuerbare Energien von Beginn an in euer Konzept ein. Nur wenn alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind, lässt sich das volle Energieeinsparpotenzial ausschöpfen.
Ein gut abgestimmtes Gesamtsystem verhindert ineffiziente Wärmeverluste und sorgt für eine ausgewogene Energieverteilung. Achtet darauf, dass auch die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung korrekt dimensioniert ist, um ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten.
3. Fördermöglichkeiten prüfen
Informiert euch über aktuelle KfW- und BAFA-Programme, um finanzielle Vorteile zu nutzen. Viele dieser Förderungen setzen voraus, dass ihr bestimmte Effizienzhaus-Standards erreicht – etwa den EH40- oder EH55-Standard.
Ein rechtzeitiger Antrag vor Baubeginn ist zwingend erforderlich, damit ihr die Fördermittel auch tatsächlich erhaltet. Zudem können regionale Programme zusätzliche Zuschüsse bieten, etwa für Photovoltaik oder Batteriespeicher.
4. Nachweise rechtzeitig einreichen
Der Energieausweis und die GEG-Berechnung müssen spätestens mit der Fertigstellung vorliegen. Fehlende Unterlagen können zu Bauverzögerungen oder Problemen bei der Abnahme führen.
Es ist empfehlenswert, alle Nachweise digital zu archivieren, um sie bei Bedarf schnell nachweisen zu können. Achtet darauf, dass alle Berechnungen von einem zertifizierten Fachplaner stammen, um mögliche Rückfragen der Behörden zu vermeiden.
Eine durchdachte Planung spart nicht nur Energie, sondern auch zukünftige Umbaukosten, falls sich gesetzliche Anforderungen weiter verschärfen.
Kritik und Zukunft des Gebäudeenergiegesetzes
Das Gebäudeenergiegesetz wird regelmäßig überarbeitet, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Kritiker bemängeln, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien kurzfristig zu teuer sei und Bauherren überfordere.
Befürworter sehen im GEG dagegen einen notwendigen Schritt, um die Energieeffizienz im Gebäudesektor zu verbessern – einem Bereich, der für rund 35 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich ist.
Langfristig wird das GEG weiter angepasst werden, um den Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045zu ebnen. Bauherren, die heute energieeffizient bauen, sind also bestens für zukünftige Entwicklungen gerüstet.
Das Gebäudeenergiegesetz als Chance nutzen
Das Gebäudeenergiegesetz stellt klare Anforderungen an alle, die ein neues Haus bauen oder ein bestehendes sanieren möchten. Auch wenn die Umsetzung zunächst komplex erscheinen mag, bietet das Gesetz langfristige Vorteile – niedrigere Energiekosten, höhere Förderchancen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Wenn ihr euer Traumhaus plant, lohnt es sich also, die GEG-Vorgaben von Anfang an zu berücksichtigen. So profitiert ihr nicht nur finanziell, sondern schafft auch ein zukunftsfähiges Zuhause für kommende Generationen.
3 Gedanken zu „Energieeffizient bauen mit dem Gebäudeenergiegesetz: Das müsst ihr beachten“