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Vollfinanzierung beim Hausbau: Finanzierung ohne Eigenkapital

Die Vollfinanzierung beim Hausbau ist eine Alternative zur klassischen Teilfinanzierung, bei der Bauherren Eigenkapital mitbringen. Diese Form der Baufinanzierung ist mit Vor- und Nachteilen behaftet, jedoch nur für wenige Kreditnehmer eine echte Option. Warum das so ist und was sonst noch rund um die Vollfinanzierung beim Hausbau wichtig ist, verraten wir euch in diesem Beitrag.

Von einer Vollfinanzierung beim Hausbau ist immer dann die Rede, wenn das Kreditinstitut das vom Kreditnehmer benötigte Darlehen vollumfänglich vergibt. Eigenkapital kommt im Rahmen der Vollfinanzierung beim Hausbau überhaupt nicht zum Einsatz. Die Bank leiht dem Bauherren somit den kompletten Betrag, der zur Finanzierung des Eigenheims benötigt wird.

Infrage kommen die folgenden Finanzierungsanlässe, für die Banken bei Erfüllen der Voraussetzungen Vollfinanzierungen anbieten:

  • Hausbau
  • Hauskauf
  • Wohnungskauf

Die Vollfinanzierung beim Hausbau lässt sich in die Nettovollfinanzierung und die Bruttovollfinanzierung einteilen. Während die Bank bei der Nettovollfinanzierung den reinen Kaufpreis der Immobilie als Darlehen vergibt, fließen bei der Bruttovollfinanzierung die Nebenkosten in den zur Verfügung gestellten Darlehensbetrag ein.

Die Kaufnebenkosten verursachen meist einen spürbaren Risikoaufschlag und machen zwischen 9 und 16 Prozent der Nettovollfinanzierung aus: Neben den Kosten für den Grundbucheintrag und den Notar fallen Maklergebühren sowie die Grunderwerbssteuer an.

Der Unterschied zwischen Vollfinanzierung und Teilfinanzierung

Der größte Unterschied zwischen der Teilfinanzierung und der Vollfinanzierung beim Hausbau ist das Eigenkapital. Während eigene Ersparnisse bei einer Netto- oder Bruttovollfinanzierung nicht nötig sind, verlangen Banken im Rahmen einer Teilfinanzierung Eigenkapital.

Bauherren sollten demnach so viel Geld wie möglich ansparen, wenn sie die Voraussetzungen für eine Vollfinanzierung beim Hausbau nicht erfüllen und ihnen lediglich die Teilfinanzierung bleibt. Das Immobiliendarlehen fällt umso günstiger aus, je mehr Kapital angespart werden konnte.

20 Prozent der Gesamtkosten sollten dies mindestens sein. Bereits vorhandene Immobilien oder bezahlte Grundstücke, Wertpapiere, Lebensversicherungen, Vermögen in bar oder auch Ersparnisse auf Giro- und Tagesgeldkonten: All diese Posten gelten als Eigenkapital.

Bei einer Vollfinanzierung spielt das keine Rolle. Weitere Unterschiede zur Teilfinanzierung sind in der Höhe der Laufzeit und Zinsen zu finden. Fehlendes Eigenkapital führt zu längeren Laufzeiten und höheren Zinsen. Zahlungsausfälle werden aus Sicht der Bank wahrscheinlicher, was sie sich auch bezahlen lässt.

Vor- und Nachteile einer Vollfinanzierung beim Hausbau

Die Vollfinanzierung beim Hausbau ist mit einigen Vor- und Nachteilen verbunden. So verlangen Kreditinstitute hohe Tilgungsleistungen um die 2 bis 3 Prozent. Bei gleichzeitig hoher Darlehenssumme sind Kreditnehmer Monat für Monat stark belastet.

Auf der anderen Seite bedeuten hohe Tilgungsleistungen eine vergleichsweise frühe Schuldenfreiheit. Ein ganz bedeutender Nachteil sind die im Vergleich zu Teilfinanzierungen höheren Zinssätze.

Mit Eigenkapital fallen jene schon mal um die 0,3 Prozentpunkte geringer aus. Jedoch kann sich der Abschluss einer Vollfinanzierung beim Hausbau während einer Niedrigzinsphase buchstäblich auszahlen.

Beim Zinsanstieg könnte das Eigenkapital nämlich geschmälert werden und die Teilfinanzierung unattraktiver machen. Positiv fällt ganz grundlegend ins Gewicht, dass Bauherren unverzüglich ohne langwieriges Ansparen von Eigenkapital mit der Netto- oder Bruttovollfinanzierung beginnen können.

Leider bieten nur wenige Kreditinstitute eine Vollfinanzierung beim Hausbau an. Diejenigen Banken, die dies tun, sind dann aber sehr erfahren. Achtung auch beim Zwangsverkauf: Hohe Zahlungsverpflichtungen nach kurzer Tilgungsphase bestehen fort.

Wer kann eine Vollfinanzierung beim Hausbau erhalten?

Eine Vollfinanzierung beim Hausbau steht nicht jedem Interessierten zur Verfügung. Die Banken sind sehr wählerisch und achten darauf, dass potenzielle Kreditnehmer mit einem überaus stabilen Einkommen überzeugen können. Eine hohe Bonität und keinerlei negative Einträge bei der Schufa oder anderen Wirtschaftsauskunfteien sind Grundvoraussetzung.

Die Einkommensverhältnisse sollten demnach sowohl nachhaltig als auch gehoben sein, um eine Vollfinanzierung beim Hausbau zu erhalten. Häufig rechnen Banken so, dass Kreditnehmer jeden Monat maximal 40 Prozent ihres Einkommens verwenden sollten, um das Darlehen zu tilgen.

Allein dies zeigt euch, dass euer Einkommen recht hoch sein muss. An einem sicheren Job führt kein Weg vorbei, sodass Freiberufler und Selbstständige von vornherein schlechte Karten haben.

Es kommt aber auch auf die Immobilie an, die im Fall der Fälle zu einem entsprechenden Preis von der Bank verkauft werden kann. Die Chancen auf eine Vollfinanzierung beim Hausbau in einer schlechten Lage sinken demnach. Soll das Haus als Eigenheim dienen – beispielsweise für Familien – sehen dies Kreditinstitute sehr positiv.

Wann ergibt eine Vollfinanzierung beim Hausbau Sinn?

Eine Vollfinanzierung beim Hausbau ist immer dann sinnvoll, wenn Bauherren über kein Eigenkapital verfügen. Viele Banken setzen mindestens 20 Prozent Eigenkapitalquote an, was für ebenso viele Menschen mit dem Wunsch nach einem Eigenheim nicht realisierbar ist.

Demnach ergibt eine Vollfinanzierung beim Hausbau auch dann Sinn, wenn keine Zeit zum Ansparen des Eigenkapitals bleibt. Soll es besonders schnell gehen mit dem Bau des Eigenheims, sind beispielsweise die oftmals sechs bis acht Jahre Ansparphase eines Bausparvertrags zu lang.

Sinnvoll erscheint eine Brutto- oder Nettovollfinanzierung zudem für besonders vorsichtige Menschen. So ist es möglich, dass sich jene für diese Art der Baufinanzierung entscheiden, obwohl ausreichend Eigenkapital vorhanden wäre.

Anstatt das Geld im Rahmen einer Teilfinanzierung als Eigenkapital einzusetzen, dient es schlichtweg als Notreserve und Rücklage für unvorhergesehene Ereignisse. Wer die dadurch entstehenden höheren Zinsen akzeptiert, kann eine Vollfinanzierung beim Hausbau angehen.

Darauf solltet ihr bei einer Vollfinanzierung achten

Wenn ihr euch für eine Vollfinanzierung beim Hausbau interessiert, solltet ihr grundsätzlich die verschiedenen Anbieter beziehungsweise deren Angebote miteinander vergleichen. Bereits kleinste Unterschiede beim Zinssatz können mehrere tausend Euro wert sein.

Erwägt den Abschluss einer Risikolebens- oder Restschuldversicherung, um das Darlehen abzusichern. Um sich generell die Chance auf eine Vollfinanzierung beim Hausbau zu sichern und auch möglichst wenig Zinsen zu zahlen, sorgt ihr vor eurer Anfrage bei einer Bank für eure Schuldenfreiheit.

Beachtet zudem unbedingt, dass zwischen Netto- und Bruttovollfinanzierung ein finanzieller Unterschied besteht. Nach Möglichkeit zahlt ihr die Kaufnebenkosten selbst, um dem Risikoaufschlag der Bank zu entgehen. Dies führt auch gleich dazu, dass ihr euch aufgrund der geringeren Darlehenssumme monatlich weniger belastet.

Wie bei so vielen Krediten gilt auch hier: Vereinbart Sondertilgungen sowie flexible Rückzahlungsoptionen und bindet euch in Niedrigzinsphasen möglichst lange an den Zins.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit einer Vollfinanzierung beim Hausbau sammeln können oder Gedanken zum Thema, die euch auf der Seele brennen? Dann kommentiert gerne unseren Blogbeitrag.

Bildquelle: nattanan23 | pixabay.de

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