Tiny House – der günstige Weg ins Eigenheim

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In einer Zeit des Wohnungsmangels widmen sich mediale Darstellungen immer häufiger dem sogenannten „Tiny House“. Hinter dem dynamischen Begriff verbirgt sich für manche eine wahre Revolution des Wohnungsmarktes. Andere sehen dahinter einen nur kurzfristig stabilen Trend. Doch kann die Entwicklung schon bald für Bauherren in Deutschland relevant sein?

Da das deutsche Baugesetz noch immer einen Bogen um den Trend der Tiny Houses macht, hilft bei der Definition zunächst die englische Übersetzung des Begriffs weiter. Die Rede ist von einem „winzigen Haus“, welches in verdeutschter Form auch als „Kleinsthaus“ bezeichnet werden könnte. Damit grenzt sich der Bau klar vom klassischen Einfamilienhaus ab.

In den USA schaffte es das Tiny House bereits in die gesetzlichen Vorgaben aufgenommen zu werden. Als wichtigstes Kennzeichen der Identifizierung wird die Grundfläche von höchstens 37 Quadratmetern gewählt. Damit sind selbst sehr große Exemplare der Tiny Houses rund dreimal kleiner, als ein kleines Eigenheim.

Keine Unterscheidung findet in den USA zwischen mobilen und stationären Tiny Houses statt. Dank der breiten Straßen und der großzügigen Verkehrsordnung können in den Vereinigten Staaten selbst große Exemplare auf Trailer verladen werden. In Deutschland stößt das mobile Eigenheim ab einer Länge von sieben Metern an natürliche Grenzen. Soll das Kleinsthaus noch länger werden, so muss ein Konzept für einen stationären Bau entwickelt werden.

Das Tiny House und seine Anfänge in den USA

Bereits in den 1990er Jahren sprachen sich Stimmen in den USA für die sparsame und umweltbewusste Form des Wohnens im Tiny House aus. Eine zunächst kleine Gruppe von Personen interessierte sich für die kreativen Entwürfe der Designer.

Zunächst zählten Arbeitsnomaden zur Zielgruppe des Angebots, die ein klassisches Eigenheim nicht mit ihren wechselnden Arbeitsorten in Einklang bringen konnten. Für sie wurde eine Alternative zum Leben im Wohnwagen geschaffen, welche im ganzen Land gerne angenommen wurde.

Schon in den 2000er Jahren versuchten sich auch in Deutschland Architekten und Designer am Entwurf kleiner Behausungen. Die entstandenen Konstrukte, die in Gärten oder auf Dachterrassen und Parkplätzen aufgestellt werden sollten, blieben in der Mehrzahl in der Planungsphase stecken.

Erst in den letzten Jahren wurden auch in Deutschland mehr Menschen auf die Entwicklung aufmerksam. Im Jahr 2018 fand in Karlsruhe zum ersten Mal ein Tiny House Festival statt. Dieses sollte allen Interessierten neue Möglichkeiten des direkten Austausches gewähren. Im ganzen Land sind inzwischen mehr als 30 Hersteller damit beschäftigt, den Traum ihrer Kunden von den eigenen vier Wänden zu erfüllen.

Die Vorteile im Überblick

Doch was versprechen sich Käufer von der Investition in ihr Tiny House? Dem aktuellen Meinungsbild zur Folge spielt kostenbewusstes Wohnen eine wichtige Rolle. Um ein Eigenheim in gutem Zustand zu erwerben, sind selbst im ländlichen Raum Summen von mehr als 250.000 Euro fällig.

In einigen Metropolen Deutschlands werden inzwischen Reihenhäuser für mehr als 600.000 Euro gehandelt. Wer nicht dazu bereit ist, einen bedeutenden Teil des lebenslangen Lohns auf diese Anschaffung zu verwenden, verfügt mit dem Tiny House über eine preiswerte Alternative.

Experten betonen weiterhin, dass der aktuelle Wandel der Arbeitswelt einen großen Einfluss auf den Trend der Tiny Houses hat. Immer mehr Arbeitgeber setzen einen flexiblen Wohnortwechsel ihrer Mitarbeiter voraus. Der Kauf eines Eigenheims stellt wiederum eine Form der lokalen Bindung dar, die damit kaum in Einklang zu bringen ist. Der Umzug in einem Tiny House nimmt zumeist nur einen Tag in Anspruch und gliedert sich damit in die Welt der neuen Ansprüche ein.

Doch mit dem Minimalismus beim Hausbau muss nicht zwingend ein Bruch gesellschaftlicher Konventionen verbunden sein. So kann etwa ergänzender Wohnraum für ein klassisches Eigenheim geschaffen werden. Das Tiny House wird etwa zu einer wetterfesten Erweiterung der Terrasse oder kann als externer Büroraum genutzt werden, in dem es sich ungestört arbeiten lässt. Durch die Modulbauweise, die viele Hersteller inzwischen anbieten, lässt sich die zur Verfügung stehende Fläche zudem flexibel erweitern.

Welche Nachteile bringt ein Tiny House mit sich?

Angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen fällt es schwer, das Tiny House mit einem klassischen Eigenheim zu vergleichen. Wird das Kleinsthaus zum Hauptwohnsitz, so ist damit eine starke Reduktion des Hausstandes verbunden.

Die begrenzte Fläche lässt nur zu, sich mit den wichtigen Dingen des Lebens zu umgeben. Ist kein zweiter Wohnsitz vorhanden, so erfordert der Minimalismus beim Hausbau, dass ein Großteil des bisherigen Hausrates anderweitig versorgt wird.

Zudem stellt sich für die Besitzer eines Tiny Houses die Frage, wo sie ihr Lager überhaupt aufschlagen können. Zwar gibt es längst die Forderung nach Sonderbewilligungen, welche die Suche nach einem Stellplatz erleichtern. Doch bislang konnten in den Städten Deutschlands nicht die gewünschten Erfolge erzielt werden. Selbst der eigene Bauplatz, welcher eigentlich als sicheres Terrain gilt, macht ein langwieriges Genehmigungsverfahren samt Bauantrag erforderlich.

Innovative Stadtplaner sehen eine Chance, um Tiny Houses schon bald zur Verdichtung des städtischen Wohnraums einzusetzen. Die günstigen Unterkünfte könnten etwa in Hinterhöfen, auf Flachdächern und in verschiedenen Baulücken Platz finden. Beim Aufbau einer solchen Siedlung gilt in Mitteleuropa derzeit die Stadt Basel als Vorreiter.

Was kostet ein Tiny House?

Wer auf das kostenbewusste Wohnen im Tiny House setzt, macht den preislichen Rahmen zu einem wichtigen Kriterium der eigenen Wahl. Je nach Ausstattung sind Tiny Houses bereits ab 40.000 Euro zu haben.

Da das Wachstum der Grundfläche bei diesem Konzept begrenzt ist, ist mit einer Mehrinvestition zumeist ein höherer Komfort verbunden. Besonders Wasseraufbereitung, Wärmedämmung und Heizung spielen bei den Angeboten der Hersteller inzwischen eine zentrale Rolle.

Wer dazu in der Lage ist, beim Innenausbau selbst Hand anzulegen, kann bei vielen Herstellern einen Rohbau erwerben. Die Aufteilung der Fläche, die Möblierung und die Verkleidung werden anschließend selbst durchgeführt.

Der Lohn für die getane Arbeit zeigt sich nicht nur in einem Eigenheim, welches genau den eigenen Vorstellungen und Ideen entspricht. Darüber hinaus lässt sich der Kaufpreis auf rund 20.000 Euro reduzieren.

Gibt es Förderungen für Tiny Houses?

Bund und Länder erkennen Tiny Houses bislang nicht als vollwertige Immobilie an. Zur Enttäuschung der Besitzer und Interessierten zeigt sich dies an fehlenden Förderungen. Diese werden bislang nicht angeboten. Lediglich fest verbaute Minihäuser, die etwa als zusätzlicher Büroraum neben dem Eigenheim genutzt werden, können derzeit mit einer finanziellen Vergünstigung verbunden sein.

Ähnliche Schwierigkeiten zeigen sich im Hinblick auf die Fremdfinanzierung. Da Tiny Houses die Bedingungen eines Baukredits nicht erfüllen, muss in diesem Fall ein teurer Ratenkredit hinzugezogen werden, sofern die Anschaffungskosten nicht vollständig von eigenem Kapital gedeckt werden können.

Wer profitiert vom Bautrend?

An der Ausrichtung der Hersteller wird deutlich, welche Zielgruppen zukünftig auf die neue Art des Wohnens setzen sollen. Dazu zählt zunächst die stetig wachsende Gruppe der Singles in Deutschland. Sie sind dazu in der Lage, ihr Leben auf wenigen Quadratmetern zu organisieren und können dadurch eine neue Form der Flexibilität erreichen.

Arbeitsnomaden mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die sich bis dato bewusst gegen den Erwerb von Wohneigentum entschieden haben, können das Tiny House ebenfalls in ihr Lebensumfeld integrieren. Für sie handelt es sich um einen Weg, eine mobile Bleibe zu finden und sich sogleich klar vom Leben auf dem „Campingplatz“ abzugrenzen.

Wie steht ihr zum Trend rund um die Tiny Houses? Oder habt ihr bereits ernsthaft über den Bau eines der kleinen und flexiblen Häuser nachgedacht? Wenn ja, dann hinterlasst uns gerne einen Kommentar.

Bildquelle: Victoria_Borodinova | Pixabay

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