QNG-Siegel: 17 Kriterien für mehr Nachhaltigkeit beim Hausbau

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Mit dem QNG-Siegel beim Hausbau schafft das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, kurz BMI, ein neues Qualitätssiegel. Ziel ist es, die ökologische, soziokulturelle und ökonomische Qualität von Neubauten zu optimieren. Doch vor allem auf die staatliche Förderung von Gebäuden hat das Siegel Auswirkungen. Alles Wichtige über das QNG-Siegel beim Hausbau erfahrt ihr hier.

Was ist ein QNG-Siegel?

Das QNG-Siegel ist ein staatliches Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen. Die Abkürzung QNG steht dabei für Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude. Um das Siegel zu erhalten, müssen Gebäude bestimmte Anforderungen erfüllen, über die ein Nachweis erbracht werden muss. Hierzu zählen im Besonderen die Erfüllung bestimmter Standards in ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Bereichen.

Seit Ende April 2022 ist das QNG-Siegel beim Hausbau Voraussetzung, um weiterhin eine Förderung für energieeffiziente Gebäude beantragen zu können. Staatlich gefördert wird fortan nur noch der Baustandard Effizienzhaus 40 in Kombination mit dem QNG-Siegel. Dieser wird auch als „Effizienzhaus-Stufe 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse“ oder kurz „Effizienzhaus 40 NH“ bezeichnet.

Entgegen früherer Baustandards wird hierbei nicht nur der Energieverbrauch während der Nutzung des Gebäudes betrachtet. Ausschlaggebend ist auch die Nachhaltigkeit bereits während der Errichtung des Bauwerks. So stehen beispielsweise ein geringer Schadstoffausstoß bei der Produktion von Baumaterialien oder die Rückbaufreundlichkeit und das Recycling im Vordergrund.

So beeinflusst das QNG-Siegel den Hausbau

Durch das QNG-Siegel wird der staatlich geförderte Neubau vor allem für private Bauherren komplizierter. Um die hohen Anforderungen des Qualitätssiegels einhalten zu können, sind eine exakte Planung und Materialbeschaffung unabdingbar. Hierdurch können die Kosten für den Hausbau steigen. Seitens der Baubranche mehren sich zudem negative Stimmen, die vor allem die geringe Anzahl der Vergabestellen und die mangelnde Planungssicherheit kritisieren.

Bereits seit längerem wird energieeffizientes Bauen in Deutschland mittels verschiedener Förderungen erleichtert. Zeitweise nahmen allerdings so viele Bauwillige eine Förderung in Anspruch, dass die Finanzierung zunehmend schwieriger wurde. Ende Januar 2022 wurde daher die Förderung einiger energieeffizienter Neubaustandards gestoppt. Auch ein neu geschaffener Fördertopf für die Standards EH40 sowie EH40 Plus war nach kurzer Zeit erschöpft. Mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude als Bedingung soll die Förderung vor allem zielgerichteter erfolgen.

Wie ihr das QNG-Siegel beim Hausbau bekommt

Als Hausbauer müsst ihr das QNG-Siegel beim Hausbau selbst beantragen. Die Zertifizierung wird allerdings nicht vom Bundesbauministerium selbst vorgenommen. Stattdessen wird auf bestehende Bewertungssysteme unabhängiger Zertifizierungsstellen zurückgegriffen. Als zugelassene Systeme zur Nachhaltigkeitsbewertung listet das Bundesministerium verschiedene akkreditierte Zertifizierungsstellen auf.

Hierzu gehören das Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen GmbH (BIRN), die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) oder auch der Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau e.V. (NaWoh). Im Zuge des Zertifizierungsprozesses begleitet ein Auditor den Hausbau, der auch den Bauprozess protokolliert und die erforderlichen Unterlagen einreicht. Sowohl die Zertifizierung als auch die Baubegleitung durch den Auditor verursachen Zusatzkosten beim Hausbau.

Als erstes Haus überhaupt wurde das Musterhaus Villa 174 von Hanse Haus in der FertighausWelt Schwarzwald mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG-PLUS) zertifiziert. Auch das zweite Siegel, welches von der DGNB übergeben wurde, ging an Hanse Haus, genauer gesagt an die Villa 166 in der FertighausWelt Hannover (mehr dazu).

Diese 17 Kriterien müssen für das QNG-Siegel erfüllt werden

Um das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Ganze 17 Kategorien listet der QNG-Kriterienkatalog hier allein für Wohngebäude auf. Wir haben die Anforderungen kurz für euch aufgelistet.

  1. Flächeninanspruchnahme: Bewertung der Flächeninanspruchnahme mit dem
    Ziel, den Flächenverbrauch und die Bodenversiegelung zu minimieren.
  2. Ressourceninanspruchnahme und Umwelteinwirkung: Bewertung des Verbrauchs natürlicher Ressourcen und von Auswirkungen des Gebäudes auf die globale
    Umwelt, um natürliche Ressourcen zu schonen und die Umwelt besser zu schützen.
  3. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Gewichtung der Anpassbarkeit an veränderte
    Nutzerbedürfnisse und Bedingungen, um die dauerhafte Nutzbarkeit der Immobilie zu gewährleisten.
  4. Trinkwasserbedarf während der Nutzung: Bewertung des Gebäudebedarfs an Wasser während der Nutzungsphase, mit dem Ziel, natürliche Ressourcen zu schonen.
  5. Rückbaufreundlichkeit und Recycling: Abschätzung der Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit von Bauwerkskonstruktionen, um Stoffkreisläufe zu verlangsamen und das Recycling von Baustoffen zu optimieren.
  6. Risiken für Gesundheit und Umwelt: Bewertung der Bauprodukte mit dem Ziel, hohe Schadstoffgehalte oder Schadstofffreisetzungen zu vermeiden oder zu minimieren, um das Risiko der Umweltbelastung zu verringern und die Gesundheit der Menschen zu schützen.
  7. Barrierefreiheit für Bewohner: Betrachtung der Barrierefreiheit rund um das Gebäude und in ausgewählten Nutzungsbereichen, um Menschen mit Einschränkungen eine unabhängige Lebensführung und die Teilhabe an allen Lebensbereichen zu ermöglichen.
  8. Voraussetzungen für die Bewirtschaftung: Wertung von Art und Umfang der
    Voraussetzungen für die optimierte Gebäudenutzung und Bewirtschaftung, um Parameter beim Betriebs sowie der Nutzung zu verbessern.
  9. Flächeneffizienz: Bewertung der Ausführung des Gebäudegrundrisses hinsichtlich der bebauten Fläche, mit dem Ziel der effizienteren Ausnutzung bebauter und versiegelter Flächen.
  10. Erfüllen der Nutzeranforderungen: Bewertung hinsichtlich der Erfüllung von wesentlichen Nutzungsanforderungen, um eine hohe Nutzerzufriedenheit zu ermöglichen.
  11. Thermischer Komfort: Betrachtung des thermischen Komforts im Hinblick auf die Sommermonate, mit der Zielsetzung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Nutzer zu fördern.
  12. Visueller Komfort: Art und Qualität des Einfalls von Tageslicht und künstlichem Licht sowie Sichtbeziehungen nach außen werden bewertet, um Zufriedenheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten.
  13. Schallschutz: Der Schutz vor den unerwünschten Einwirkungen durch Schall wird bewertet, um Bewohnergesundheit, Leistungsfähigkeit, Privatheit, Vertraulichkeit und Nutzerzufriedenheit zu fördern.
  14. Nachhaltige Beschaffung: Bewertung der Prozesse hinsichtlich der Auswahl und Beschaffung von Bauprodukten und Leistungen in Anbetracht von Sozialstandards und Umweltstandards, mit dem Ziel Menschenrechte zu schützen und den Arbeits- und
    Umweltschutz zu gewährleisten.
  15. Lebenszykluskosten: Gewichtung bestimmter Kosten während des Lebenszyklus, um
    volkswirtschaftlich wirtschaftlichen Umgang mit finanziellen Ressourcen zu optimieren.
  16. Qualität der Projektvorbereitung: Prozesse der Ermittlung von Bedürfnissen der Hausbauer und Nutzer werden bewertet, um die Nutzerzufriedenheit zu erhöhen und
    Bauprozesse zu verbessern.
  17. Qualitätskontrolle der Bauausführung: Bewertung von Prüfverfahren und Messverfahren im Zusammenhang mit Planungszielen und zur Feststellung der Mängelfreiheit des Bauwerks.

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude – was ist eure Meinung

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude verändert das Bauen in Deutschland. So wird es unter anderem schwieriger, an eine entsprechende Förderung für nachhaltiges Bauen zu gelangen. Was denkt ihr über das QNG-Siegel beim Hausbau? Denkt ihr, es ist eine gute Neuerung, die auch dem Umweltschutz dient? Oder empfindet ihr die Auflagen als Schikane beim Hausbau?

Bildquelle: © malp | stock.adobe.com

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