Autark wohnen liegt im Trend. Offenbar wünschen sich immer mehr Menschen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, wenn es um grundlegende Versorgungsgüter wie Strom oder Wasser geht. Autarkes Wohnen gewinnt daher immer mehr mediale Aufmerksamkeit.

Der Begriff wird dabei aber oft etwas schwammig verwendet. Vieles, was streng genommen noch nicht wirklich ein Selbstversorgerhaus ist, wird heute im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion so bezeichnet. Doch wirklich autark gewohnt wird in Deutschland selten.

Während noch im 18. Jahrhundert autarke Häuser meist die Regel waren, sind sie heute rare Ausnahmeerscheinungen. Oft fehlen die Rahmenbedingungen, um autark zu bauen und zu wohnen.

Was heißt „autark“ eigentlich?

„Autark“ bedeutet im Grunde so etwas wie Unabhängigkeit und Losgelöstsein von äußeren Einflüssen. Hier stellt sich schon die Frage, wie unabhängig ein Haushalt sein muss, um als autark zu gelten.

Für manche reicht es schon, wenn der Strom selbst erzeugt wird, andere hingegen pochen auf Autarkie pur – also die vollständige Unabhängigkeit von allen externen Versorgungseinrichtungen.

Das ist in Deutschland schon aus baurechtlichen Gründen kaum möglich. Schließlich ist selbst die Erschließung eines Hauses mit einer Straße schon eine Art der externen Versorgung und ökologisch gesehen ein massiver Umwelteingriff. Ob man von einem autarken Haus sprechen kann oder nicht, kommt daher auf den mehr oder weniger eng gefassten Begriff an.

Ein energetisch autarkes Haus

Oft bedeutet „autarkes Haus“ in erster Linie energetisch autark – in dieser Bedeutung taucht der Begriff auch oft in den Massenmedien auf. Ein autarkes Haus in diesem Sinn ist eigentlich schon jedes Gebäude, das über eine Photovoltaik-Anlage verfügt und seinen Strom nicht aus den öffentlichen Netzen bezieht. Angesichts der enormen technischen Entwicklung ist das heute keine besondere Leistung.

Der Traum vom autarken Leben geht darüber allerdings oft weit hinaus, funktioniert aber häufig schon aus rechtlichen Gründen kaum. Ein Kanalanschluss ist hierzulande Pflicht und damit verbunden ist meist auch automatisch eine Anbindung an das Wasserversorgungsnetz.

Zudem ist es in Deutschland nicht erlaubt, Regenwasser als Trinkwasser zu nutzen. Eine vollständige Autarkie auch bei Wasser ist in Deutschland daher nicht möglich, wenn man den gesetzlichen Vorschriften genügen will.

Ein autarkes Haus hat Vorteile und Nachteile

Doch auch wer sich „nur“ selbst mit Strom und Heizwärme versorgt, kann viele Vorteile genießen. Das Selbstversorgerhaus bringt in diesem Fall vor allem Unabhängigkeit. Man ist nicht der Preispolitik der Stromanbieter ausgesetzt und muss nicht unfreiwillig die Steuerlast, die man mit einer öffentlichen Versorgung in Kauf nimmt, mittragen.

Zudem lassen sich die Kosten nach der Amortisation der nötigen Erstinvestition deutlich reduzieren. Netzunabhängige Häuser bieten außerdem für die Zukunft Kostensicherheit.

Das energetische Selbstversorgerhaus hat allerdings auch Nachteile. Fallen die hauseigenen Systeme aus, bleibt es finster, kalt und auch mit dem Warmwasser ist Schluss. Energie vor Ort zu speichern, ist in technischer Hinsicht noch nicht gut gelöst und sehr teuer.

Die wichtigsten autarken Technologien

Strom

Strom für ein autarkes Haus lässt sich auf verschiedene Arten gewinnen: meist über Photovoltaik, aber auch mit Hilfe eines Windrads, eines Blockheizkraftwerks oder einer Windturbine auf dem Hausdach.

Mitunter werden auch mehrere Möglichkeiten kombiniert. Finanziell gesehen ist Photovoltaik am interessantesten, da die Kosten für diese Technik in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind. Die Speichertechnologien für eine echte Netz-Unabhängigkeit sind aber, wie bereits erwähnt, teuer und noch nicht ganz ausgereift.

Heizen

Bei Heizenergie ist Autarkie nicht ungewöhnlich. Wer sich nicht mit Fernwärme oder Gas versorgen lässt, heizt hausintern mit einem klassischen Ölkessel oder mit einer Wärmepumpe.

So gesehen sind viele Häuser autark, wenn es um das Heizen geht. Dies vor allem dann, wenn das Haus mit autarker Stromgewinnung kombiniert wird und daher etwa die Energie für die Heizungspumpe nicht vom öffentlichen Netz kommt.

Eine weitergehende Autarkie bietet die Scheitholzheizung. Sie braucht nur Holzscheite für ihren Betrieb, die sich regional meist leicht besorgen und sogar selbst vorbereiten lassen.

Wasserversorgung

Beim Selbstversorgerhaus ist die autarke Wasserversorgung über das Regenwasser theoretisch machbar. Die Niederschlagsmengen sind dafür in Deutschland bei entsprechenden Speicherungsvorrichtungen und gegebenenfalls bei geringfügigen Einsparungen beim Verbrauch ausreichend.

Jedoch erlaubt der Gesetzgeber die Regenwassernutzung in deutschen Haushalten nur für die Toilette, die Waschmaschine und für die Bewässerung des Gartens. Dafür muss man im Wasserleitungssystem zwei getrennte Kreise besitzen und dies auch nachweisen. Zudem wird für die gesamte Abflussmenge des Regenwassers eine Abwassergebühr verlangt – unabhängig davon, ob dieses genutzt wird, oder ob es versickert.

Wer Frischwasser autark nutzen möchte, braucht einen Brunnen auf dem eigenen Grundstück. Die Herstellung ist je nach Lage mehr oder weniger aufwendig. Mit einer hochwertigen Filteranlage lässt sich daraus Trinkwasser in guter Qualität gewinnen. Allerdings muss man damit rechnen, dass der Brunnen in langen Trockenphasen versiegt. Man benötigt daher meist eine Alternative ist Form eines klassischen Wasseranschlusses.

Abwasserentsorgung

Die Abwasserentsorgung kann im Selbstversorgerhaus über Sickergruben, wie sie früher gebräuchlich waren, erfolgen. Diese sind heute aber nur dort erlaubt, wo zwar eine Baugenehmigung erteilt, aber keine Kanalisation vorhanden ist, was in Deutschland nur ganz vereinzelt der Fall ist. Zudem kann Wasser technisch aufwendig aufbereitet werden. Dafür gibt es für das Selbstversorgerhaus entsprechende Kleinanlagen.

Für ein autarkes Haus sind Kompost-Toiletten eine praktikable Möglichkeit der Fäkalien-Entsorgung. Trotz all dieser Möglichkeit ist heute ein Anschluss an das öffentliche Kanal- und Wassernetz fast unausweichlich und eine Autarkie auch in naher Zukunft illusorisch.

Was kostet ein autarkes Haus?

Unabhängigkeit hat ihren Preis. Ein autarkes Haus ist relativ kostspielig. Die Technik, die dafür benötigt wird, ist nach wie vor aufwändig und mit entsprechend hohen Investitionskosten verbunden. All das muss sich erst einmal rechnen, was je nach Investition Jahrzehnte dauern kann.

Vor allem die Photovoltaik-Anlage schlägt zu Buche, denn wer autark wohnen möchte, benötigt eine viel größere Fläche als ein Hausbauer, der die Sonnenenergie nur als zusätzliche Energiequelle nutzt. Rund 10.000 Euro plus Kosten für die Montage, Speicher und sonstige Technik sollte man hier unbedingt kalkulieren.

Auch eine Kleinkläranlage ist nicht gerade billig. Hier muss man mit Anschaffungskosten zwischen 3.000 und 7.000 Euro rechnen. Wer eine kleine Windkraftanlage sein eigen nennen möchte, muss mit rund 5.000 Euro pro kW Leistung rechnen.

Das Bohren eines Brunnens kostet rund 1.000 Euro plus Kosten für die Pumpe und sonstige Technik. Wer auch online möglichst unabhängig sein will, kann sich für Satelliten-Internet entscheiden. Die Kosten dafür liegen zwischen 40 und 200 Euro pro Monat je nach Geschwindigkeit und Region.

Im Fertighausbereich werden heute bereits „autarke“ Konzepthäuser angeboten. Meist handelt es sich dabei aber nur um Niedrigenergiehäuser mit einer eigenen Photovoltaik-Stromerzeugung. Von richtiger Autarkie kann man dabei nicht sprechen.

Umsetzbar, aber einige Hürden

Aus rein technischer Sicht ist das Selbstversorgerhaus heute bereits (weitestgehend) machbar. Vieles lässt sich so umsetzen, dass man ohne wesentliche Einbußen beim Komfort autark wohnen kann.

Allerdings gibt es so manche Hürde. Einiges erlaubt der Gesetzgeber in Deutschland einfach nicht – Stichwort „Anschlusszwang“. Die Erfahrungen in andere Ländern zeigen aber, dass hier, wenn auch vielleicht erst in fernerer Zukunft, so manche Hürde fallen könnte.

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