Wie zirkuläres Bauen entscheidend zum Umweltschutz beitragen kann

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Bestrebungen, den Bausektor umweltfreundlicher zu machen, sind nicht neu. Allerdings wurde lange Zeit fast ausschließlich auf eine hohe Energieeffizienz eines Gebäudes während seiner Betriebsphase Wert gelegt. Dabei entstehen beim Bau neuer Gebäude jedes Jahr 220 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle und 10,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Ein zirkuläres, umweltfreundliches und ressourcenschonendes Bauen soll der Beitrag der Bauindustrie zum Erreichen der gesetzten Klimaziele sein.

Was bedeutet Zirkularität im Bauen?

Zirkuläres Bauen zielt darauf ab, den Gebäudebestand zu erhalten, aufzuwerten oder zu aktivieren. Es begreift den bereits vorhandenen Gebäudebestand als wertvolle Materialquelle. Ziel ist es, Gebäude möglichst langfristig nutzbar zu machen und im gesamten Lebenszyklus keinen Abfall entstehen zu lassen.

Dies wird erreicht, indem ressourceneffiziente Produkte genutzt und Bauteile aus alten Gebäuden wiederverwendet werden. Die Materialien sollten nicht mehr an die Nutzung fossiler Energiequellen gekoppelt sein und nach der Nutzung für neue Bauprojekte verwendet werden können.

Wie kann zirkuläres Bauen praktisch umgesetzt werden?

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) gibt klare Handlungsempfehlungen für die Zirkularität im Bauen heraus und unterscheidet dabei drei wesentliche Schritte.

Schritt 1

Zunächst sollen Ressourcen geschützt und Bestehendes wertgeschätzt werden. Dies kann erreicht werden, indem zum Beispiel bereits bei der Planung material- und platzsparend gedacht und eine lange Nutzung des Gebäudes einkalkuliert wird. Bestand soll erhalten und so weit wie möglich durch Modernisierung oder Erweiterung an veränderte Bedürfnisse angepasst werden.

Unnötigen Neubau lehnt die DGNB ab. Kommt es doch zu einem Abbruch, werden bereits vorhandene Gebäude als Materiallager angesehen. Dort verbaute Materialien können beim zirkulären Bauen wieder- oder weiterverwendet werden oder, falls nicht möglich, über entsprechende Bauteilbörsen zur Nutzung weitervermittelt werden.

Schritt 2

Die DGNB empfiehlt, Wertstoffe intensiv zu nutzen, indem beim Bau recycelte Materialien zum Einsatz kommen. Außerdem soll die Abfallentstehung minimiert werden.

Schritt 3

Im letzten Schritt soll auf eine langfristige Wertsicherung geachtet werden. Bei der Auswahl der Materialien spielen Umwelt- und Gesundheitsaspekte eine wichtige Rolle. Schadstoffe sollen vermieden, Lieferketten kurz gehalten und CO2-Emissionen bei Entscheidungsfindungen berücksichtigt werden. Eine lange und intensive Nutzung des Gebäudes kann durch einen reparaturfreundlichen Bau, eine eingeplante Mehrfachnutzung sowie die Verwendung hochwertiger und langlebiger Bauteile erreicht werden.

Zirkuläres Bauen stellt sicher, dass die verwendeten Bauteile langfristig nutzbar sind und später wieder recycelt werden können. Für zukünftige Nutzungsmöglichkeiten müssen relevante Informationen (zum Beispiel ein Gebäudekompass, Informationen über die verwendeten Bauteile und Materialien sowie Anleitungen zur Reparatur und Wartung) aufbereitet und langfristig vorbehalten werden.

Unser Tipp: Erfahrt noch mehr über zirkuläres Bauen und die Handlungsempfehlungen auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Die Verantwortung privater Bauherren

Private Bauherren müssen sich im Rahmen eines zirkulären Bauens bereits bei der Planung Gedanken über eine mögliche Wiederverwendung ihres Hauses machen. Flexible Grundrisse sorgen dafür, dass Gebäude möglichst lange und für verschiedene Funktionen genutzt werden können. Dieses Prinzip ist nicht neu und bereits bei Gebäuden aus der Gründerzeit und bei Hallen mit veränderbaren Innenwänden zu finden.

Ein Gebäude kann außerdem rückbaubar entworfen werden. Dies funktioniert am besten bei seriell hergestellten Häusern, deren Teile zu einem hohen Maße vorgefertigt sind. Ansätze wie das des modularen Bauens oder Design for Disassembly können erste Handlungsempfehlungen geben.

Die verwendeten Rohstoffe sollten von Anfang an so geplant werden, dass sie in gleicher Qualität erhalten und weiter genutzt werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem technischen Kreislauf. Wenn sich Komponenten nicht weiter nutzen lassen, sollten Bauherren Materialien wählen, die sortenrein zurückgewonnen und dem biologischen Kreislauf zurückgeführt werden können.

Private Bauherren sollten möglichst ressourceneffiziente Produkte verbauen, die die Umwelt möglichst wenig belasten. Es ist sinnvoll, bereits recycelte Materialien zu verwenden oder solche, bei deren Herstellung nicht auf fossile Energiequellen zurückgegriffen werden muss, zum Beispiel Holz oder Lehm.

Um zirkuläres Bauen auch privat umzusetzen, kann es nötig sein, wirtschaftliche Interessen hinten anzustellen. Eine genaue Absprache mit Architekten und Bauunternehmern ist unabdingbar. Baustoffe müssen genau auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden. Der Aufwand kann für den Bauherren somit höher sein als bei einer herkömmlichen Bauweise. Dafür trägt er aber in erheblichem Maße zum Umweltschutz bei.

Ein Blick in die Zukunft

Bereits jetzt gibt es sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Bestrebungen zur Förderung des zirkulären Bauens. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 eine Klimaneutralität im Gebäudebestand zu erreichen.

Im Moment beziffert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) das Wiederverwendungspotential aller verbauten Rohstoffe allerdings auf nur 7 Prozent. Bis 2050 soll eine Erhöhung auf 20 Prozent erreicht werden. Im Zuge dessen arbeitet die Bundesregierung die Grundlagen für die Konzeption eines verpflichtenden digitalen Gebäuderessourcenpasses aus. Ähnliche Datenbanken privater Anbieter existieren bereits und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Mit dem Green Deal hat es sich die EU 2020 zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2050 die Transformation zu einem klimaneutralen Kontinent zu schaffen. Dafür muss der Übergang zu einer sauberen und kreislauforientierten Wirtschaft gelingen. Der EU-Aktionsplan Circular Economy Action Plan möchte die Kreislaufwirtschaft bei Produkten fördern, nachhaltigen Konsum unterstützen und dafür sorgen, dass die verwendeten Ressourcen so lange wie möglich in der EU genutzt werden.

Entsprechende Initiativen können auch Bauvorhaben zugute kommen und Bauherren zum Beispiel bei der Auswahl der ressourcenschonenden Materialien unterstützen. Einige EU-Staaten gehen bereits mit großen Schritten voran: So haben die Niederlande beschlossen, dass für alle ab 2023 geschlossenen Bauverträge eine zirkuläre Ausführung gelten muss.

Die Zirkularität im Bauen ist zukunftsweisend und stellt eine Trendwende in der Bauindustrie dar. Hast du dir schon einmal über Zirkularität bei deinem Bau nachgedacht? Schreibe uns deine Gedanken gern in die Kommentare.

Bildquelle: © Romolo Tavani | stock.adobe.com

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