Versickern statt versiegeln – alle Infos zur Regenwasserversickerung

regenwasserversickerung

Plant ihr gerade den Bau eures Eigenheims? Dann solltet ihr an eine geeignete Regenwasserversickerung denken. Diese ist heutzutage in vielen Bundesländern für Neubauten vorgeschrieben und bietet einige Vorteile für Mensch und Natur. Wir nehmen sie in diesem Beitrag etwas genauer unter die Lupe. 

Wasser spielt in unserem Leben eine bedeutende Rolle. Etwa 130 Liter Trinkwasser verbraucht jeder Deutsche pro Tag. Nach der Nutzung in Bad, WC, Küche, beim Wäschewaschen und im Garten entsteht Abwasser, welches über die Kanalisation entsorgt wird. Ebenso gilt es beim Hausbau zu berücksichtigen, was mit dem Regenwasser passiert, das auf dem Grundstück anfällt.

Die Wassermengen können je nach Jahreszeit, Dach- und Gartenfläche erheblich sein. Aus diesem Grund ist es notwendig, schon während der Planungsphase des Hausbaus einen detaillierten Entwässerungsplan zu erstellen.

Regenwasserversickerung – was ist das überhaupt?

Viele Jahre lang galt: Regenwasser gehört in die Kanalisation. Anfallendes Wasser sollte möglichst schnell von den Grundstücken weggeleitet werden. Diese Ansicht hat sich nun verändert. Seit dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) aus dem Jahr 2010 darf Regenwasser nicht mehr mit Schmutzwasser vermischt werden. Auch ist der Umgang mit dem Niederschlagswasser seitdem nicht mehr Ländersache, sondern wird vom Bund geregelt.

Laut dem WHG sollen Niederschläge möglichst ortsnah versickern. In vielen Kommunen ist es für Neubauten darum vorgeschrieben, dass die Versickerung von Regenwasser direkt auf dem eigenen Grundstück geschieht. Doch auch viele Altbaubesitzer entscheiden sich für eine Umrüstung, da eine solche Regenwasserversickerung einige Vorteile mit sich bringt.

Die Vorteile einer guten Regenwasserversickerung

Klar, je nachdem, welche Art von Versickerung ihr wählt, kostet euch diese Investition zunächst einmal Geld. Aber langfristig schont ihr damit euren Geldbeutel ebenso wie unsere Ökosysteme. Folgende positive Effekte entstehen durch die Versickerung von Regenwasser auf dem Grundstück:

  • Ihr müsst weniger beziehungsweise keine Niederschlagsgebühr mehr bezahlen. Diese berechnet sich nach der Größe der versiegelten Fläche und des Dachs, wobei die Kosten je nach Region schwanken. Fällig wird die Gebühr einmal pro Jahr. Je mehr Regenwasser nun im eigenen Garten versickert, desto weniger Niederschlagsgebühr wird euch berechnet.
  • Kombiniert ihr das Versickerungssystem mit einem Regenwasserspeicher, dann könnt ihr das Wasser beispielsweise zum Gießen oder für die Toilette nutzen und somit Trinkwasser sparen.
  • Das Pflanzenwachstum im Garten wird verbessert.
  • Durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit im Garten entsteht in den Sommermonaten ein angenehmeres Klima.
  • Die natürliche Grundwasserneubildung wird gefördert.
  • Kläranlagen werden entlastet und bei Starkregen kommt es nicht zu einem Überlastungsüberlauf. Somit dringt kein verschmutztes Wasser in die Flüsse ein und der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten wird geschützt.
  • Die Hochwassergefahr wird reduziert, da die Niederschläge an Ort und Stelle versickern und sich nicht zu enormen Wassermassen ansammeln.

Planung eines Regenwasser-Versickerungssystems

Ihr habt vor, Regenwasser auf eurem Grundstück versickern zu lassen? Dann sollte zunächst einmal individuell geklärt werden, welche Art von Versickerungssystem infrage kommt. Ein wichtiger Faktor ist die Art des Bodens. Während sandige Böden sehr wasserdurchlässig sind, kann es bei stark lehmigen Böden zu Problemen bei der Versickerung kommen.

Ein Bodengutachten ist in jedem Fall ratsam. Auch ein zu hoher Grundwasserspiegel kann eine Versickerung im Garten unmöglich machen. Wichtig ist zudem, einen ausreichenden Abstand zu den Nachbarn einzuhalten.

Ebenso gilt es festzustellen, ob das Niederschlagswasser belastet ist. Als unbedenklich gilt Wasser, das von Terrassen und nicht-metallischen Dächern kommt. Dieses darf ohne Filtersysteme in den Boden eindringen.

Stammt das Wasser hingegen von metallischen Dachflächen, Hof- und Garageneinfahrten sowie Gehwegen, dann wird es als „tolerierbar belastet“ eingestuft. In diesem Fall muss es vor dem Versickern einer Reinigungsmaßnahme unterzogen werden. Meist wird dies schon erfüllt, wenn das Wasser eine bewachsene Oberbodenschicht durchfließt.

Stammt das Niederschlagswasser hingegen von sehr stark verschmutzten Flächen, so wird es als „nicht tolerierbar belastetes“ Wasser klassifiziert und muss über die Kanalisation abgeleitet werden. Eine derart starke Verschmutzung kommt jedoch auf Privatgrundstücken selten vor. Von einer Versickerung des Regenwassers müsst ihr ebenso absehen, falls euer Grundstück Altlasten aufweist, da sonst gefährliche Schadstoffe das Grundwasser verunreinigen.

Welche Art von Versickerungssystem verwendet wird, hängt darüber hinaus von der anfallenden Niederschlagsmenge ab. Diese wiederum resultiert aus den klimatischen Bedingungen und der Größe des Daches sowie der versiegelten Fläche.

Generell ist es ratsam, schon bei den Bodenbelägen darauf zu achten, dass diese zumindest teilweise wasserdurchlässig sind. Dies kann beispielsweise über breite, bewachsene Fugen, Kiesdecken oder Splittfugenpflaster geschehen. Auch eine Dachbegrünung nimmt einen Teil des Regenwassers auf.

Systeme für die Versickerung von Regenwasser

Für die Regenwasserversickerung stehen euch verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl:

Versickerungsmulden

Unter Mulden versteht man flache Vertiefungen in der Erde, die mit Gras oder anderen Bodendeckern bewachsen sind. Das Niederschlagswasser sammelt sich darin und wird durch eine etwa 30 Zentimeter messende Bodenzone nach und nach ins Erdreich geleitet.

Die Maße der Mulde betragen rund zehn bis zwanzig Prozent der Größe des Dachs beziehungsweise der versiegelten Fläche, von der das Wasser stammt. Dabei hängt die Muldengröße auch von der Durchlässigkeit des Bodens ab. Damit die Oberfläche der Mulde durch stehendes Wasser nicht verschlickt oder sich verdichtet, sollte Niederschlag maximal 30 cm hoch und nicht länger als einen Tag darin stehen.

Rigolenversickerung

Bei einer Rigole handelt es sich um einen unterirdischen Pufferspeicher, in dem Regenwasser zwischengespeichert und von dort langsam über Poren oder Öffnungen in den Außenwänden an den Boden abgegeben wird. Meist sind sie mit einer Kiesschicht gefüllt. Rigolen benötigen eine Zuleitung.

Häufig wird das Wasser durch verschiedene Vorrichtungen von grobem Schmutz gereinigt, bevor es in die Rigole gelangt. Vorteile von Rigolen sind ihr geringer Flächenbedarf und die ausgezeichnete Rückhaltewirkung. Ihr Nachteil liegt hingegen darin, dass Rigolen schwer zugänglich sind. Es sollte darum ein Schacht für Wartungsarbeiten angelegt werden.

Mulden-Rigolenversickerung

Dies ist eine Kombination aus den ersten beiden Varianten. Aufgefangen wird das Regenwasser von einer Geländemulde. Von dort strömt es über den Mutterboden in die Rigole. Da das Wasser zunächst durch die bewachsene Bodenschicht der Mulde fließt, wird es wie von einem Filter gereinigt und gelangt weitestgehend schmutzfrei in die Rigole.

Rohr-Rigolenversickerung

In diesem Fall wird das Niederschlagswasser über Rohre direkt in die Rigole geleitet. Häufig wird dieses System auch in Anschluss an einen Regenspeicher errichtet, um das überlaufende Wasser versickern zu lassen.

Schachtversickerung

Zu den einfachsten und platzsparendsten Optionen der Regenwasserversickerung gehört der Sickerschacht beziehungsweise die Sickergrube. Hiermit wird eine vertikale Versickerung ermöglicht. Das Niederschlagswasser gelangt in den Schacht und wird über dessen Boden langsam ins Erdreich abgegeben.

Kombination mit einem Regenspeicher

Möchtet ihr das Niederschlagswasser nicht nur versickern lassen, sondern auch nutzen, dann empfiehlt sich ein Regenspeicher, etwa in Form einer unterirdischen Zisterne. Dort wird das anfallende Wasser gespeichert und lässt sich mithilfe einer Pumpe für die Bewässerung des Gartens verwenden. Ebenso kann es im Haushalt zum Einsatz kommen, beispielsweise für die WC-Spülung.

Füllt sich der Wasserspeicher bei Starkregen komplett, so wird das überlaufende Regenwasser einfach über ein angeschlossenes Versickerungssystem ins Erdreich abgeleitet und so langsam wieder dem Grundwasser zugeführt.

Was ist eure Erfahrung?

Regen kostet Geld – sofern das Niederschlagswasser in die Kanalisation abgeführt wird. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr eine Regenwasserversickerung auf eurem Grundstück geplant oder bereits umgesetzt? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar und erzählt uns, für welche Variante ihr euch entschieden habt.

Bildquelle: © Patryssia | stock.adobe.com

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