Smart Meter verschaffen Ihnen dank digitaler Intelligenz einen Überblick über Ihren Stromverbrauch und dessen Einzelposten. Auf diese Weise enttarnen die intelligenten Stromzähler heimliche Stromfresser. Doch damit ist es nicht getan, denn es gibt noch einiges mehr, dass Sie über Smart Metering wissen sollten.

Das Energiezeitalter nimmt an Fahrt auf. Seit dem Jahr 2010 bewegt sich die Energiewende in Richtung Digitalisierung. Ende 2017 ist sogenanntes „Smart Metering“ für alle Haushalte mit einem Jahresstromverbrauch über 10.000 Kilowattstunden oder stromerzeugenden Anlagen zu Nennleistungen von mehr als sieben Kilowatt vorgesehen.

Bis 2020 soll die neue Messtechnik auch in Durchschnittshaushalten zum Standard werden. Herzstück des Smart Metering sind intelligente Messgeräte, die mit digitalen Daten beim Energiesparen helfen.

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Vor den intelligenten Strommessern gab der alte Ferraris-Zähler lediglich Einblicke in den Gesamtverbrauchswert seit der Installation. Smart Meter sorgen für mehr Transparenz, was den jährlichen Zählerstand, Jahreszeitenverläufe und Tagesspitzen betrifft.

Was am Ferraris-Messgerät nur für den Ablesedienst erkennbar war, verliert beim Smart Metering den Geheimnischarakter. Aus Stromsparen nach Gefühl wird dank messtechnischer Intelligenz gezieltes Energiesparen anhand von Vergleichswerten in Echtzeit.

Smart Meter lassen Sie wissen, was Sie wann verbrauchen, indem sie Ihre Verbrauchsdaten permanent erfassen, ablegen und ans intelligente Stromnetzwerk übermitteln. Genauen Monatsabrechnungen und regelmäßigen Verbrauchskontrollen steht nichts mehr im Weg, wenn Sie intelligente Messgeräte laufend die Zählerstände auswerten lassen.

Dank Fernsteuerbarkeit können Sie auf daraus erkenntliche Stromfresser in Ihrem Haushalt unmittelbar reagieren. Anders als Messtechnik für die Steckdose prüfen Smart Meter neben Endverbrauchern mit Netzteil auch elektrische Durchlauferhitzer und Beleuchtungsobjekte. Überraschende Stromnachzahlungen verhindern die intelligenten Strommesser, indem sie Sie per Internet, App oder Display minutengenau über den Verbrauch informieren.

Stromnetzwerk mit Köpfchen

Smart Meter bestehen aus zwei Elementen: einem digitalen Stromzähler und einem Gateway zur Datenübertragung. Die vom Messsystem ermittelte und gespeicherte Datenflut arbeitet der geräteinstallierende und wartungsbeauftragte Messstellenbetreiber auf, um sie an den Netzbetreiber und Stromversorger zu übermitteln.

Mit Hilfe des Gateways findet beim Smart Metering in beide Richtungen Datenübertragung statt. Durch die Einwahl ins intelligente Stromnetzwerk sind die intelligenten Strommesser gleichzeitig dazu in der Lage, Daten zu senden und zu empfangen. So können Sie einzelne Haushaltsgeräte aus der Ferne beispielsweise automatisch an- oder ausschalten, um von tageszeitabhängigen Stromtarifunterschieden zu profitieren.

Der Zugang zum Stromzähler fällt entweder analog oder digital aus. Zur Umstellung auf Smart Meter muss entweder eine Steckdose oder ein Internetanschluss in der Nähe liegen. Neben Geräten mit Funkverbindung stehen die neuen Strommessgeräte mit Internetverbindung zur Verfügung.

Elektromechanische Ferraris-Zähler müssen Sie zur Umstellung auf Smart Metering mit elektronischer Schnittstelle sowie integrierter Fernübertragungseinrichtung ausstatten. An rein mechanischen Messgeräten und älteren Zählwerken rüsten Sie digitale Auslesegeräte mit optischer Zählerstandablesefähigkeit per Texterkennung nach.

Bei Smart Metern mit Funkverbindung darf der Abstand zwischen dem Sender am Zähler und dem Empfänger bis zu 40 Meter betragen. Die Fernsteuerbarkeit und permanente Datenübermittlung macht die digitalen Stromzähler im Hinblick auf Anschaffung und Unterhalt teurer als herkömmliche Strommessgeräte, weshalb Verbraucher die geplante Umstellung auf Smart Metering in der Vergangenheit oft kritisiert haben.

Energieintelligenz für den Klimaschutz

Smart Meter sollen über transparente Aufschlüsselungen zum Sparen motivieren und Energieeinsparungen vereinfachen. Die Energiesparverordnung der Europäischen Union verpflichtet ihre Mitgliedsstaaten bis 2022 zur Einführung innovativer Messsysteme, wie sie in Ländern wie Schweden schon seit 2005 verwendet werden. Der Grund für die EU-weiten Verpflichtungen ist der Klimaschutz.

Bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom fallen rund 0,6 Kilo CO2 an. Experten schätzen die Kilowatteinsparungen in Haushalten mit Smart Metering auf bis zu zehn Prozent ein. Bei mehr als 40 Millionen deutschen Haushalten ergeben sich aus diesen Ersparnissen insgesamt etwa 8,5 Millionen Tonnen CO2-Einsparungen pro Jahr.

Deutschland hat sich bis zum Jahr 2020 aus Klimaschutzgründen eine jahresdurchschnittliche Treibhausgasreduktion von 230 Millionen Tonnen vorgenommen. Über die Umstellung aller deutschen Haushalte auf Smart Meter lassen sich zumindest vier Prozent dieses Zielwerts erreichen.

Auf dem Papier sind Smart Meter in der Bundesrepublik schon seit 2010 für Neubauten und grundsanierte Wohnhäuser Pflicht. Nichtsdestotrotz konnten sich Kunden und Messstellenbetreiber bislang gegen den Einbau wehren. Wie schnell sich die geplante Umstellung durch die Einigung auf einheitliche Gerätestandards tatsächlich umsetzen lässt, hängt vom Zusammenspiel zwischen Politik, Geräteherstellern und Energiekonzernen ab. Erst ab Ende 2017 wollen Messstellenbetreiber den Regelungen auf dem Papier schrittweise Taten folgen lassen.

Entfällt auf Ihren Haushalt keine Einbaupflicht, kann Ihr Messstellenbetreiber trotzdem eine Umstellung ins Auge fassen. Ihnen steht in diesem Fall der Wechsel zu einem alternativen Betreiber frei. Auf Dauer werden deutsche Haushalte der smarten Messtechnik allerdings nicht entkommen. Lediglich die Kosten für Smart Metering unterscheiden sich zukünftig in Abhängigkeit vom Betreiber, wodurch der frühzeitige Vergleich verschiedener Anbieter Kostenersparnisse bedeutet.

Der Datenschutz als größte Hürde

Eine der wichtigsten Hürde für die Umstellung auf intelligente Stromzähler stellen Widersprüchlichkeiten mit den deutschen Gesetzen zum Datenschutz dar. Smart Meter sammeln ununterbrochen sensible Daten zum Stromverbrauch, die Aufschluss über Ihren Alltag und Ihre Lebensweise geben.

Daten- und Verbraucherschützer sehen die innovative Strommesstechnik wegen der anfallenden Datenmengen noch skeptisch. Je genauer die genaue Verbrauchsmessung, desto einfacher gestalten sich Rückschlüsse auf das Kundenverhalten. Studien des US-Sicherheitsunternehmens IOActive bestätigen für US-amerikanische Versionen der smarten Stromzähler Sicherheitslücken, die Dritte zur Abschaltung von Einzelsteckdosen und Manipulation von Messwerten befähigen.

Wie in jedes andere Digitalsystem können Hacker theoretisch auch ins intelligente Stromsystem einbrechen. In einem Hackerszenario könnten Kriminelle aus Ihren Stromdaten beispielsweise schließen, wann Sie aufstehen oder verreisen. Größere Konzerne könnten wiederum davon profitieren, Ihr Fensehkonsum und die bevorzugte Fernsehzeit aus dem Stromverbrauch abzulesen.

Nur hohe Sicherheitsstandards im Hinblick auf die Schnittstellen garantieren, dass Ihre Daten zukünftig nicht in falsche Hände geraten. Deshalb fordern Datenschützer von Geräteherstellern ein schlüssiges Datenschutzkonzept. Wie stehen Sie zur intelligenten Strommesstechnik? Rechtfertigt der Klimaschutz Lücken in Sachen Datenschutz? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Bildquelle: taner ardalı | unsplash.com

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