Erste Hilfe am Bau: Tipps für das Verhalten bei Unfällen

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Jede Baustelle verheißt etwas Neues: Wo eben noch Leere und Tristesse den Platz dominierten, wird bald Leben einziehen. Doch das Errichten eines Hauses ist auch von Gefahren begleitet. Umso wichtiger, dass allen Anwesenden stets bewusst ist, wie sie im Notfall helfen können.

Wenn die Erste Hilfe am Bau eingreifen muss, ist es oft bereits zu spät: Zwar kann der betroffenen Person in den meisten Notlagen geholfen werden. Doch der Unfall konnte nur eintreten, weil bestimmte Maßnahmen der Absicherung und der Sorgfalt unterlassen wurden.

Diese Gefahren lauern auf der Baustelle

Die Bauherren stehen dabei besonders im Fokus: Das Errichten oder Sanieren eines Gebäudes stellt für sie einen finanziellen und organisatorischen Kraftakt dar. Bereits die Terminierung einzelner Arbeiten kann zu einem erheblichen Zeitdruck der beteiligten Gewerke führen. Es ist absehbar, dass da oft die Sicherheit der Arbeiter nicht ganz genau eingehalten wird.

Unterschiedliche Unfälle kennt nahezu jede Baustelle. Vom abstehenden Nagel eines Brettes, auf den ein Kollege tritt, bis hin zum herunterfallenden Eimer mit Steinen, der den Mitarbeiter auf Kopf und Schultern trifft – diese und mehr Szenarien sind für erfahrene Bauarbeiter längst Routine.

Wohl jeder von ihnen kann aus eigenen Erlebnissen genügend Schauergeschichten erzählen, die sich rund um die mangelnde Sicherheit auf der Baustelle ranken. Natürlich sollte jeder Bauherr dergleichen beim Aufbauen seines Hauses vermeiden. Denn immer auch kann er als zumindest mitverantwortliche Person in die rechtliche Haftung genommen werden. Gerade bei Personenschäden drohen dabei enorme Schadensersatzansprüche der Betroffenen.

Das eigentliche Risiko wird unterschätzt

Doch es sind gar nicht einmal die Unfälle selbst, die die Erste Hilfe am Bau erschweren. Vielmehr wird in solchen Situationen erst festgestellt, dass kaum eine funktionierende Ordnung und Struktur für die Rettung verletzter Mitarbeiter besteht.

Wem kommt beispielsweise die Aufgabe zu, das Opfer anzusprechen und ihm grundsätzliche Hilfemaßnahmen zukommen zu lassen? Wer ist demgegenüber für die Verständigung des Notrufs verantwortlich? Und wer sichert letztlich die Unfallstelle ab, um etwaige Rekonstruktionen für Polizei, Baubehörden und die Versicherung zu gewährleisten? Fragen, auf die auf den meisten Baustellen keine überzeugende Antwort zu finden ist. Derartige Regelungen liegen nur selten einmal vor.

Unfälle werden leider noch immer allzu oft unterschätzt. So wird zwar das Wesentliche unternommen, um schwere Mängel der Baustellensicherheit abzustellen. Aber der Teufel liegt im Detail. Das achtlos weggeworfene Brett mit dem Nagel oder das zu dünne Seil, mit dem der schwere Eimer in die Höhe gehoben wird – Risiken, die jederzeit ihre zerstörerische Kraft entfalten können. Und die im Übrigen nicht alleine mit der Verletzung eines Kollegen einhergehen.

Kommt es zu gravierenden Unfällen, so stehen sämtliche Tätigkeiten auf der Baustelle oft über Stunden oder sogar Tage hinweg still. Es lohnt sich also für alle Beteiligten, der Sicherheit mehr Zeit zu widmen.

Präventive Maßnahmen zur Sicherung der Baustelle

Wer die Erste Hilfe am Bau möglichst selten zum Einsatz kommen lassen möchte, muss also vorsorgen. Einerseits ist es dafür erforderlich, ein hohes Maß an Kommunikation und Informationsaustausch zu gewährleisten. Insbesondere auf Baustellen mit außergewöhnlichen Gefährdungslagen muss allen beteiligten Personen erläutert werden, welche Risiken vorliegen und wie diese vermieden werden können.

Entscheidend ist es, dass entweder der Bauherr selbst oder ein zuvor bestimmter Vorarbeiter auf die Notwendigkeit aller Sicherungsmaßnahmen hinweist. Vom Tragen eines Helmes bis hin zum Absperren von unsicheren Bereichen sind dafür diverse Möglichkeiten denkbar. Wobei das Anlegen von Sicherheitskleidung ohnehin durch jeden Arbeiter freiwillig erfüllt werden sollte.

Andererseits ist an solche Situationen zu denken, in denen die Erste Hilfe am Bau nun doch einmal eingreifen muss. Denn trotz aller weitsichtigen Planungen lassen sich wohl nie alle Unfälle vermeiden. Wie ist aber zu handeln, wenn das Schicksal zuschlägt? Für diese Notlagen muss klar bestimmt sein, wie die Rettung, das Verständigen eines Notarztes und sonstige Maßnahmen zeitsparend durchgeführt werden können.

In vielen Baubetrieben wird dafür das Einhalten einer sogenannten Rettungskette unter den Mitarbeitern wiederholt trainiert. Hier weiß jede Person, wie sie beim Unfall helfen kann. Liegen solche lebensrettenden Fähigkeiten unter den Kollegen auf der Baustelle noch nicht vor, müssen diese eingeübt werden.

Die Rettungskette – was ist das eigentlich?

Die Erste Hilfe am Bau kennt unterschiedliche Ausprägungen. Immer wieder ist dabei von der Rettungskette die Rede. Gemeint sind alle Maßnahmen, die von der Ersthilfe bis hin zum Abtransport des Betroffenen ins Krankenhaus anfallen können.

Auf der ersten Ebene der Kette steht das Erfordernis, das Opfer zu bergen und die Unfallstelle zu sichern – auch, damit kein weiteres Malheur passieren kann. Bereits parallel dazu sollte der Rettungsdienst per Notruf verständigt werden. Selbst dann, wenn noch keine genauen Umstände des Hergangs oder der Schwere der Verletzungen vorliegen.

Innerhalb der Rettungskette wird die Erste Hilfe als zentrale Säule angesehen. Sofern möglich, sollte sie schon durch die Kollegen durchgeführt werden. Besteht allerdings der Verdacht auf schwere Knochenbrüche, durch die jede Bewegung ein zusätzliches Risiko auslösen würde, so ist der Betroffene in eine stabile Lage zu bringen. Die Ersthilfe wird anschließend dem heraneilenden Arzt überlassen.

Natürlich muss bei alledem bedacht werden, dass die Sanitäter bei An- und Abfahrt nicht auf Hindernisse stoßen. Die Wege zur Baustelle sowie dort etwa innerhalb eines Gebäudes sollten daher so beschaffen sein, dass ein Zugang zum Unfallopfer jederzeit besteht, eine Bergung ohne Probleme möglich ist – und somit kein Zeitverlust eintreten kann.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Nicht immer lässt sich also die Erste Hilfe am Bau trotz bester Sorgfalt vermeiden. Greift im Notfall die Rettungskette, so müssen nicht alleine die Abläufe stimmen – vielmehr ist vorab klar zu definieren, wem welche Aufgaben zukommen.

Ein besonderes Erfordernis stellt dabei das Einteilen von sogenannten Ersthelfern dar. So ist dabei einzuplanen, dass es auf Baustellen mit bis zu 20 Personen wenigstens einen Mitarbeiter gibt, der die Hilfemaßnahmen im Ernstfall beherrscht. Bei Baustellen mit einer Personaldichte von 20 bis 100 Angestellten sollten etwa zehn Prozent der Kollegen befähigt sein, einem Unfallopfer kompetent zu helfen.

Deutlich anders stellt sich die Ausgangslage auf Großbaustellen dar. Solchen Plätzen also, bei denen für das Errichten eines Gebäudes 100 oder mehr Arbeiter an Ort und Stelle gemeinsam werkeln.

In derartigen Fällen genügt es nicht alleine, dass auch hier zehn Prozent der Anwesenden als Ersthelfer in Betracht kommen müssen. Vielmehr wäre nun erforderlich, dass es wenigstens einen Betriebssanitäter gibt.

Bei ihm handelt es sich um einen Angestellten des Baugewerbes, der die Erste Hilfe am Bau besonders zuverlässig durchführen kann. Ersthelfer hingegen dienen lediglich der ersten Versorgung des Opfers, übernehmen im Vergleich zum Sanitäter aber keine medizinischen Aufgaben.

Allgemeine Tipps für die Erste Hilfe am Bau

Natürlich hofft jeder Bauherr, dass seine Baustelle von Unfällen verschont bleibt. Doch das Hoffen auf Glück und günstige Umstände kann eine Notlage nicht verhindern. Schon frühzeitig sollten daher alle Maßnahmen in Betracht gezogen werden, die einerseits das Vermeiden von Ernstfällen tatsächlich gewährleisten, die andererseits aber auch eine Ersthilfe im Rahmen einer stabilen Rettungskette ermöglichen.

Die grundlegende Struktur erfordert dabei nicht nur einen Informationsaustausch oder das Einteilen der Anwesenden, denen nun bestimmte Aufgaben für die Versorgung eines Unfallopfers zukommen. Dass Zufahrtswege freigehalten und Notfallnummern gut erkennbar auf der Baustelle angebracht werden sollten, bedarf zudem keiner besonderen Erwähnung.

Wer gute Bedingungen für eine Rettungskette erstellen möchte, achtet auf das Vorliegen von Erste-Hilfe-Material, das etwa aus Decken, Verbänden und medizinischen Geräten bestehen kann. Gemeint ist hier nicht alleine der übliche Erste-Hilfe-Koffer. Vorhanden sein sollte dagegen eine Ausrüstung, die im Ernstfall deutlich besser helfen kann. Augenduschen oder sogar Atemgeräte können dazugehören.

Zudem sollte auch in Erwägung gezogen werden, innerhalb der Baustelle einen eigenen Raum oder einen Container als Sanitätsstation einzurichten. Hier wird einerseits das medizinische Zubehör zentral aufbewahrt – andererseits können dort etwaige Unfallopfer vom Sanitäter erstversorgt werden. Maßnahmen also, die im Notfall lebensrettend sind.

Bildquelle: Sebastian | Unsplash.com

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