Die Bauzinsen gehören zu den entscheidenden Kostenfaktoren einer Baufinanzierung. Für potenzielle Bauherren, die eine Fremdfinanzierung benötigen, ist die Zinsentwicklung daher von größter Bedeutung. Wir informieren Sie über die aktuellen Zinsen für Immobilienkredite, erläutern wichtige Einflussfaktoren auf das Zinsniveau und geben Ihnen einen Ausblick auf die künftige Zinsentwicklung.

Die Bauzinsen erreichten nach einem langjährigen Rückgang im Oktober 2016 ihren bisherigen historischen Tiefststand. Wer seinerzeit eine Baufinanzierung abschloss, der bezahlte in Abhängigkeit von der gewählten Zinsbindungsfrist minimale jährliche Effektivzinsen von 0,65 Prozent (Zinsbindungsfrist: 5 Jahre), 0,72 Prozent (Zinsbindung: 10 Jahre) bzw. 1,68 Prozent (Zinsbindung: 30 Jahre).

Anschließend verteuerten sich Immobilienkredite unter Schwankungen wieder etwas. Anfang Mai 2017 konnten Hausbau-Interessenten bei Abschluss einer Finanzierung mit 5-, 10- oder 30-jährigen Zinsbindungsfristen mit Effektivzinssätzen von 0,82 Prozent, 1,12 Prozent bzw. 2,19 Prozent rechnen.

Ein Rückblick verdeutlicht den jahrzehntelangen, massiven Abwärtstrend der Baufinanzierungszinsen und erlaubt eine Einordnung des jetzigen Niedrigzinsniveaus: Im Zinshoch des Jahres 1981 mussten sich Baufinanzierungsinteressenten bei 10-jähriger Zinsfestschreibung mit Effektivzinsen von über 11,5 Prozent einverstanden erklären. Anfang des Jahres 2000 waren es dann immerhin noch zwischen 6 und 6,5 Prozent.

Fazit zur Entwicklung der Bauzinsen: Trotz des deutlichen kurzfristigen Zinsanstiegs seit dem extremen Zinstief vom Oktober 2016 liegen die Zinsen für Immobilienkredite im Mai 2017 weiterhin erheblich unter dem langjährigen Durchschnitt. Heute für manchen Hausbau-Interessenten kaum vorstellbar: Für Baufinanzierungen wurde traditionell stets mit durchschnittlichen Effektivzinsen von etwa 6 bis 7 Prozent kalkuliert.

Welche Faktoren beeinflussen die Höhe der Bauzinsen?

Zu den zahlreichen Faktoren, die auf die Zinsentwicklung einwirken, gehören unter anderem die Geld- und Zinspolitik, insbesondere der europäischen und US-amerikanischen Notenbanken, die Inflationsrate, die europäische und internationale Wirtschaftsentwicklung, die Rohstoff- und Energiepreise sowie die Auswirkungen geopolitischer Krisen.

Die Zinsen für Immobilienkredite entwickeln sich zumeist parallel zu den Zinsen langfristiger Anleihen, insbesondere zu den Pfandbrief-Renditen.

Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Das aktuelle Niedrigzins-Niveau am Geld- und Kapitalmarkt resultiert vornehmlich aus einer Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit niedrigen Zinsen sollen die Kreditwirtschaft zu einer Ausweitung ihrer Kreditvergaben, Privat- und Unternehmenskunden zur Aufnahme zusätzlicher Darlehen veranlasst und damit die Konjunktur in der Eurozone angekurbelt werden.

  • Seit dem 16. März 2016 liegt der wichtigste Leitzins der Europäischen Zentralbank („Hauptrefinanzierungssatz“) bei 0,0 Prozent. Zu diesem Zinssatz steht die EZB den Kreditinstituten mit Kreditmitteln zur Verfügung.
  • Aus der „Spitzenrefinanzierungsfazilität“ erhalten Kreditinstitute von der EZB zu einem Kreditzinssatz von nur 0,25 Prozent Finanzmittel zum Ausgleich ihres kurzfristigen Liquiditätsbedarfs.
  • Unterhalten Banken hingegen Guthaben bei der EZB („Einlagenfazilität“), so berechnet ihnen die Zentralbank einen Negativzins von minus 0,4 Prozent.

Die EZB nutzt nicht nur ihre Leitzinsen, um das Zinsniveau niedrig zu halten. Im Rahmen ihres Programms „Quantitative Easing“ kauft die Europäische Zentralbank seit März 2016 Wertpapiere im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro an (zwischen April 2016 und März 2016 sogar monatlich 80 Milliarden Euro), um auch die längerfristigen Zinsen zu senken. Durch die zusätzliche Nachfrage der Notenbank nach langlaufenden Anleihen steigen deren Börsenkurse, was gleichbedeutend ist mit einem Renditerückgang für diese Papiere.

Die expansive EZB-Geldpolitik geht Hand in Hand mit dem Ziel einer dauerhaft „unter, aber nahe zwei Prozent“ liegenden Inflation. Mit einer überschaubaren Geldentwertung will die Europäische Zentralbank zurückgehenden Preisen, also einer Deflation entgegenwirken. Ein sinkendes Preisniveau könnte Konsumenten und Unternehmen in der Erwartung weiter fallender Preise zu großer Kaufzurückhaltung veranlassen und sich damit negativ auf die Konjunktur auswirken.

Wirtschaftswachstum in Europa und weltweit

Die Wirtschaftsentwicklung in Europa und weltweit beeinflusst nicht nur die Zinspolitik der Notenbanken, sondern hat auch eine unmittelbare Wirkung auf die Entwicklung der Zinsen. Je stärker das Wirtschaftswachstum, je größer also die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, desto höher liegt gewöhnlich auch der Zins als der für Kapital zu entrichtende Preis.

Im ersten Quartal 2017 stieg die Wirtschaftsleistung in der Eurozone wie auch in der gesamten Europäischen Union gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent und bezogen auf die letzten 12 Monate um 1,7 bzw. 2,0 Prozent. Im März 2017 hob die EZB ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone für das Gesamtjahr 2017 auf 1,8 Prozent (zuvor: 1,5 Prozent) an, während die Wirtschaft in 2018 nach Einschätzung der Notenbank um 1,7 Prozent wachsen wird.

Der Internationale Währungsfonds sieht derzeit ebenfalls eine sich eher verstärkende globale Wirtschaftsleistung: Die Weltwirtschaft werde im Jahr 2017 um 3,5 Prozent und 2018 um 3,8 Prozent zunehmen. Die Volkswirtschaften von Schwellen- und Entwicklungsländern würden, so der IWF, von dem teilweisen Wiederanstieg der Rohstoffpreise profitieren.

Zwar stimmt der wirtschaftliche Ausblick von EZB und IWF zuversichtlich, was mittelfristig auch zu einer Erhöhung der Zinsen für Baufinanzierungen führen könnte. Die Europäische Zentralbank orientiert ihre Zinspolitik jedoch nicht an einzelnen Ländern, sondern an der gesamten Eurozone, insbesondere an denjenigen Staaten, deren Wirtschaftsentwicklung weniger stark verläuft. Ein Auslaufen der Niedrigzinspolitik („Zinswende“), so EZB-Präsident Draghi, komme erst dann in Betracht, wenn die konjunkturelle Entwicklung in allen Eurozonen-Staaten hinreichend stabil sei.

Geopolitische Krisen: unabsehbare Risiken

Unwägbare Risiken ergeben sich aus den zahlreichen geopolitischen Krisenherden. Sollten die Kapitalmärkte aufgrund einer der international bedeutenden Krisen in Unruhe geraten, so sind steigende Zinsen nicht ausgeschlossen. Beispielsweise könnten krisenhafte Entwicklungen in Schwellenländern, Ereignisse rund um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit), aber auch Eskalationen der Kriege in der Ostukraine und im Nahen Osten oder Terroranschläge einen Anlass für deutliche Zinserhöhungen geben.

Ein Blick in die Zukunft: Wie werden sich die Zinsen entwickeln?

Das sich auch in der Eurozone beschleunigende Wirtschaftswachstum hat die bereits seit langem geführte Diskussion um eine „Zinswende“ befeuert. Nicht nur Politiker fordern höhere EZB-Leitzinsen, um Sparer, Altersvorsorge-Vermögen und auch Banken und Versicherungen vor gravierenden Schäden durch Niedrigzinsen zu bewahren.

Mitte Mai 2017 erklärte Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, Mitglied des EZB-Rats und Kritiker der „ultralockeren“ Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi, dass die Zinswende in Europa näherrücke. Die Eurozone sei von der von Draghi befürchteten Deflation „weit entfernt“ – gerade angesichts einer sich an das von der EZB ausgerufene Inflationsziel von zwei Prozent annähernden Geldentwertungsrate (Jahresinflationsraten in der Eurozone: Dezember 2016 1,1 Prozent, Januar 2017 1,8 Prozent, April 2017 voraussichtlich 1,9 Prozent).

In die Diskussion um eine Zinswende in Europa fließt auch ein, dass die US-Notenbank (Federal Reserve) ihre Zinswende bereits im Dezember 2015 mit einer ersten Zinserhöhung eingeleitet hatte – nach einem siebenjährigen Zinstief nahe Null Prozent. Im Dezember 2016 und im März 2017 folgten zwei weitere US-Zinserhöhungsschritte. Die Federal Reserve kündigte für 2017 weitere Leitzins-Anhebungen und sogar eine „längere Phase der Zinserhöhungen“ bis Ende 2019 an. Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass die Europäische Zentralbank ihre extrem expansive und von vielen Seiten scharf kritisierte Niedrigzinspolitik eher etwas früher als später beenden wird. Einige Beobachter gehen zumindest von vorsichtigen EZB-Signalen in Richtung Zinserhöhung bereits für Juni 2017 aus.

Fazit: Niedrige Baukreditzinsen nutzen, aber auch auf angemessenen Immobilien-Kaufpreis achten

Zwar ist das Zinsniveau von den absoluten Tiefständen, die es Ende 2016 erreicht hatte, wieder etwas angestiegen. Gleichwohl sind die Zinsen für Immobilienkredite im langjährigen Vergleich immer noch als sehr niedrig zu bewerten.

Daher sollten am Fertighausbau Interessierte nicht auf einen nochmaligen starken Zinsrückgang spekulieren, sondern sich das günstige Zinsniveau durch Abschluss einer Baufinanzierung mit möglichst langer Zinsbindungsfrist sichern.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass das Preisniveau für Immobilien vielerorts deutlich angestiegen ist. Ausschlaggebend für einen günstigen Immobilienerwerb ist daher nicht nur ein günstiger Kreditzins, sondern vor allem auch ein angemessener Immobilien-Kaufpreis. Wer eine überteuerte Immobilie erwirbt, der läuft Gefahr, die sich aus niedrigen Zinsen ergebenden Kostenvorteile schnell wieder zu verspielen.

Bildquelle: moerschy | pixabay.de

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