Jeder Hausbesitzer sollte ein Interesse daran haben, sein Gebäude energetisch zu optimieren und den Energieverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Dies schont nicht nur den Geldbeutel, sondern schützt auch die Umwelt. Hinzu kommen gesetzliche Zielsetzungen, die den Energieverbrauch senken und den Einsatz erneuerbarer Energien fördern sollen.

Hausbesitzer sind unter bestimmten Umständen verpflichtet, sich einen Energieausweis erstellen zu lassen. Die rechtliche Grundlage bildet § 16 der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die Vorlage des Ausweises wird notwendig, wenn ein neues Gebäude gebaut oder ein bestehendes Bauwerk erweitert oder verändert wird.

Gerade Besitzer älterer Einfamilienhäuser denken häufig darüber nach, wo und an welchen Ecken sie die meiste Energie einsparen können. Die Möglichkeiten, ein bestehendes Gebäude energetisch zu sanieren, sind vielfältig.

Der Energieberater und seine Aufgaben

Ein Energieberater zeigt die Schwachstellen eines Gebäudes auf und schlägt wirtschaftlich nachvollziehbare Alternativen vor. Oftmals besitzen gerade ältere Gebäude veraltete, unwirtschaftliche Heizungsanlagen. Zudem entstehen Wärmeverluste durch schlecht oder nur unzureichend gedämmte Dächer. Hinzu kommen Decken und Wände, veraltete Fenster und Türen sowie die Bildung von Schimmel.

Fasst ein Hauseigentümer den Entschluss, Kapital in energetische Maßnahmen zu investieren, sollte er einen Energieberater in Anspruch nehmen. Dieser kann mit Fachwissen und Erfahrung Schwachpunkte eines Gebäudes aufzeigen und anschließend ein Konzept erstellen, das einem Hauseigentümer den größtmöglichen Nutzen bringt. Ein Energieberater kann mit Spezialgeräten Analysen erstellen und konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung vorschlagen.

Grundsätzlich wird zwischen einer kleinen Initialberatung und der Vor-Ort-Beratung unterschieden. Letztere führt zu einem umfassenden Bericht, der die Schwachpunkte eines Gebäudes aufzeigt und konkrete Lösungsmöglichkeiten zu ihrer Abhilfe aufzeigt.

Der Energieberater kommt in der Regel in das zu begutachtende Gebäude und führt eine detaillierte Begehung durch. Er untersucht Konstruktion und Gebäudeteile sowie das gesamte Heizsystem und führt, falls erforderlich eine Thermografie durch.

Aufgrund der erstellen Daten fertigt er anschließend einen umfassenden Beratungsbericht, der verschiedene Maßnahmen zur energetischen Verbesserung des ganzen Bauwerks und eine dazu gehörende Wirtschaftlichkeitsberechnung beinhaltet. Der Bericht wird dem Gebäudebesitzer oder Bauherren in einem Beratungsgespräch erläutert.

Am 1. Dezember 2017 trat die „Richtlinie zur Förderung von Energieberatungen in Wohngebäuden“ in Kraft. Das „Förderprogramm Energieberatung für Wohngebäude durch Vor-Ort-Beratung und der Schaffung eines individuellen Sanierungsfahrplans“ soll die energiepolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland umsetzen, nach denen bis 2050 einen fast klimaneutralen Gebäudebestand erreicht werden soll. Eine Energieberatung hat das Ziel, Eigentümern von Wohngebäuden Wege aufzuzeigen, wie sie die Energieeffizienz ihrer Gebäude verbessern können.

Die Richtlinie führte dazu, dass der Kreis der Energieberater erheblich erweitert wurde. Als solcher kann im Prinzip jeder zugelassen werden, sofern er die fachliche Qualifikation besitzt. Er muss gegenüber dem BAFA eine Selbsterklärung abgeben, in der er sich verpflichtet, neutral und objektiv zu beraten. Er muss zudem eine Haftpflichtversicherung abschließen, welche Schadenersatzansprüche gegenüber Energieberatern im Zusammenhang mit den von ihnen erbrachten Leistungen übernimmt.

Wer kann Energieberater werden und welche Qualifikationen muss er mitbringen?

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) regelt nicht nur die Voraussetzungen, unter denen Hausbesitzer verpflichtet sind, einen Energieausweis vorzulegen. Sie legt auch fest, wer zur Ausstellung eines Energieausweises berechtigt ist.

Eine Ausbildung zum Beruf des Energieberaters hängt nicht von einheitlichen Zugangsvoraussetzungen ab und unterliegt keiner staatlichen Regelung. Zahlreiche Bildungsinstitute bieten jedoch Lehrgänge an, die sich an Praktiker aus der Bau- oder Handwerkerbranche richten.

Wer als Energieberater tätig sein will, sollte fundiertes bauphysikalisches und technisches Verständnis mitbringen.

Voraussetzungen, um Energieberater zu werden

Wer als Energieberater auftritt, muss in eine so genannte „Expertenliste“ aufgenommen werden. Die dort aufgelisteten Berater behalten ihren Eintrag in der Liste nur für die Dauer von zwei Jahren. Zur Verlängerung benötigen sie Praxisnachweise, die je nach Eintragung genau definiert sind.

Wird ein solcher Nachweis nicht vorgelegt, erfolgt keine weitere Aufstellung in der Liste. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Spezialisten über die notwendige Erfahrung und Qualifikation verfügen und die Liste stets aktuell bleibt.

Bauherren müssen beachten, dass es sich beim Energieberater nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt. Folglich fehlen oftmals Kriterien, um „gute“ von „weniger guten“ Beratern zu unterscheiden.

Die meisten Bildungsanbieter haben deshalb interne Richtlinien festgelegt, die eine Aus- oder Weiterbildung zum Energieberater regeln. Eine weitere Möglichkeit aus einem kaufmännischen Bereich ist die Weiterbildung zum Fachwirt, speziell zum Energiefachwirt.

Die meisten Bildungsträger verlangen als Zugangsvoraussetzung eine berufliche Ausbildung im Baugewerbe oder im Technikbereich. Eine Ausnahme bildet die Ausbildung zum Gebäudeenergieberater HWK, welche einen Meisterabschluss in einem Handwerksberuf voraussetzt.

Wer Fördermittel vom Bund beantragen will, benötigt die Erlaubnis zur Ausstellung eines Energieausweises. Der Personenkreis, der einen Energieausweis ausstellen darf und die erforderliche Fachkenntnis besitzt, wird in § 21 der Energieeinsparverordnung festgelegt.

Energieausweise dürfen daher nur von Berufsgruppen ausgestellt werden, welche die entsprechende berufliche Qualifikation mitbringen. Es können Berufe mit Hochschulabschluss als auch Tätigkeiten sein, die zur Eintragung in die Handwerksrolle berechtigen.

Wird ein Energieausweis durch jemanden ausgestellt, der keine Berechtigung besitzt, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt werden kann. Die einzelnen Bundesländer regeln die Kriterien für die Ausstellung von Energieausweisen bei Neubauten und legen fest, welche Voraussetzungen Ersteller solcher Ausweise erfüllen müssen.

Wann und wofür wird bei einem Neubau der Energieberater benötigt?

Wer ein neues Haus bauen möchte, muss zahlreiche Voraussetzungen erfüllen und Standards zur energetischen Beschaffenheit des Bauwerkes einhalten. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) legt alle Anforderungen an Technik und Wärmeschutz eines neu errichteten Hauses fest und verpflichtet Bauherren, einen effizienten Energiebedarf des Gebäudes umzusetzen.

Der Gesetzgeber stellt klar, dass Bauherren Spezialisten zur Verfügung gestellt werden. Die Verordnung soll zudem Bauherren motivieren, Energieberater in Anspruch zu nehmen und ihre Stellungnahmen umzusetzen.

Ein Neubau stellt große Anforderungen an Gebäudehülle und Technik. Beide Faktoren müssen gleichermaßen zur Energieeffizienz beitragen, wobei die EnEV Höchstgrenzen an das Gebäude nennt, die bei Planung und Bau umzusetzen sind.

Ziel der EnEV ist die Senkung des Energiebedarfs bei neu zu errichtenden Gebäuden und dient gleichzeitig der Entlastung der Umwelt. Daneben sollen alternative Energieträger gefördert werden. Hinzu kommt nicht nur die jährliche Energiemenge für Heizung, Strom und Warmwasser, sondern auch der verwendete Energieträger selbst. Die Herkunft der Energie wird unter den Aspekten Gewinnung, Verteilung und Verbrauch untersucht.

Der Energieberater sollte immer ein Spezialist sein, egal ob bei einem Neubauvorhaben die Mindeststandards einzuhalten sind oder ein vollständiges Konzept zur Energieeffizienz für das neu zu errichtende Objekt erstellt wird. Dieser Spezialist sollte als KfW Energieberater auf der Liste des Bundes für KfW-Förderprogramme aufgelistet sein.

Bauherren erhalten dadurch die Sicherheit, dass der Energieberater nicht nur über Grundkenntnisse verfügt, sondern auch in der Lage ist, eine Baubegleitung für die Erstellung eines Neubaus sicherzustellen.

Die gesamte Förderung wird durch staatliche Mittel sichergestellt, sofern die Voraussetzungen eines der KfW-Förderprogramme vorliegen. Der Energieberater plant und überwacht während des gesamten Bauvorgangs alle erforderlichen energetischen Maßnahmen.

Die Tätigkeit des KfW Energieberaters besteht nicht nur aus der Begleitung eines Neubaus, sondern auch der Verpflichtung, die Tätigkeit als Sachverständiger unabhängig auszuüben. Er hat kein eigenes wirtschaftliches Interesse an den Investitionen zum Neubau und der Durchführung von Arbeiten zu verfolgen.

Was kostet eine Energieberatung?

Die Kosten für eine Energieberatung hängen vom Objekt selbst und den Leistungen des Beraters ab. Eine vollständige energetische Begutachtung als Vor-Ort-Beratung richtet sich nach der Zahl der Wohneinheiten. Die Kosten für Ein- bis Zweifamilienhäuser liegen zwischen 450,00 und 800,00 Euro, während größere Beratungen von mehr als zwei Wohneinheiten über 800,00 Euro zu Buche schlagen. Durch Zusatzleistungen, wie zum Beispiel eine Thermografie, können weitere Kosten entstehen.

Ein verbrauchsorientierter Energieausweis, bei dem alle Daten vom Bauherrn selbst erhoben werden, ist ab 50,00 Euro erhältlich. Ein detaillierter, bedarfsorientierter Energieausweis kostet, je nach durchgeführter Maßnahme, zwischen 150,00 und 500,00 Euro.

Tipps für den richtigen Energieberater

Das Bundesamt für Wirtschaft hat Leitfäden für zertifizierte BAFA Energieberater aufgestellt, die schon vor Beginn einer Beratung online einen Zuschuss beantragen können, welcher an diesen direkt ausgezahlt wird.

Energieberater müssen Nachweise über ihre Qualifikationen erbringen und regelmäßig belegen, dass sie praktisch tätig sind und sich permanent fortbilden. Es kann sich um Architekten, Ingenieure, Dachdecker, Haustechniker oder Schornsteinfeger handeln, die als Energieberater tätig sind und sich auf der Liste befinden. Die dort aufgeführten BAFA Energieberater haben sich selbst verpflichtet, ihre Beratung neutral und unabhängig durchzuführen und losgelöst von wirtschaftlichen Interessen, eine Stellungnahme abzugeben.

Der Beratungsbericht eines BAFA Energieberaters fasst sämtliche Ergebnisse zusammen, benennt erforderliche Sanierungsmaßnahmen, die zur Beseitigung von Schwachstellen notwendig sind und ermittelt den Energieverbrauch vor und nach einer Sanierung. Bauherren können sich Referenzen von anderen Hausbauern zeigen lassen.

Fazit

Energieberater stehen vor großen Herausforderungen, da in den nächsten Jahrzehnten viele Gebäude vererbt und anschließend verkauft werden. In den meisten Fällen steht eine Verbesserung der Energiebilanz an und viele alte Heizungsanlagen müssen gewartet und modernisiert werden.

Energieberater werden durch ihre vielfältigen Aufgaben auch zu Akteuren, die Bauherren bei Neubauten vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung begleiten. Haben Sie bereits Erfahrung mit einem Energieberater gesammelt? Dann verraten Sie uns in den Kommentaren gerne mehr dazu.

Bildquelle: rawpixel | Unsplash

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here